{"id":10121,"date":"2021-07-16T07:02:18","date_gmt":"2021-07-16T07:02:18","guid":{"rendered":"https:\/\/oberarzt-heute.de\/?p=10121"},"modified":"2021-07-17T13:06:48","modified_gmt":"2021-07-17T13:06:48","slug":"g-ba-passt-die-bedarfsplanung-an","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/oberarzt-heute.de\/?p=10121","title":{"rendered":"G-BA passt die Bedarfsplanung an"},"content":{"rendered":"<div class=\"docLayoutText\">\n<div class=\"docLayoutMarginTop\">\n<p><strong>Der Gemeinsame Bundesausschuss hat Details bei der Bedarfsplanung f\u00fcr niedergelassene \u00c4rztinnen und \u00c4rzte bzw. Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten an aktuelle Verh\u00e4ltnisse im Bundesgebiet angepasst.<\/strong><\/p>\n<p>Entscheidende Stellschraube dabei ist der sogenannte <strong>Morbidit\u00e4tsfaktor<\/strong>, den der G-BA in diesem Jahr zum ersten Mal ver\u00e4ndert hat. Der Morbidit\u00e4tsfaktor sorgt daf\u00fcr, dass eine ver\u00e4nderte Krankenlast (Morbidit\u00e4t) der Bev\u00f6lkerung sowie regionale Unterschiede in der Bedarfsplanung sichtbar werden. Bezogen auf einzelne Arztgruppen hei\u00dft das beispielsweise: Die Bedarfsplanungs-Richtlinie des G-BA schafft die M\u00f6glichkeit, dass rund 260 zus\u00e4tzliche Stellen f\u00fcr Haus\u00e4rztinnen und -\u00e4rzte ausgewiesen werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Mit Hilfe der Bedarfsplanung sollen Niederlassungsm\u00f6glichkeiten von \u00c4rztinnen und \u00c4rzten sowie Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten genau dort ausgewiesen werden, wo sie ben\u00f6tigt werden. So sollen Versicherte \u2013 egal wo sie leben \u2013 einen bedarfsgerechten Zugang zur ambulanten Versorgung erhalten. Krankenkassen und Kassen\u00e4rztliche Vereinigungen k\u00f6nnen auf Landesebene von der bundeseinheitlichen Systematik abweichen, wenn regionale oder lokale Besonderheiten dies erforderlich machen.<\/p>\n<p>\u201eAber: Allein mit der Ausweisung von<strong> 260 zus\u00e4tzlichen Hausarztsitzen<\/strong> ist noch keiner Patientin und keinem Patienten geholfen! Entscheidend ist, ob es vor Ort gelingt, auch niederlassungswillige \u00c4rztinnen und \u00c4rzte zu finden. Denn seit einigen Jahren erleben wir, dass Besetzungen neuer Arztsitze oder Nachbesetzungen bereits vorhandener vor allem in l\u00e4ndlichen Regionen immer schwerer werden. Trotz verschiedenster finanzieller oder sonstiger Anreize ist es oft nicht m\u00f6glich, junge \u00c4rztinnen und \u00c4rzte daf\u00fcr zu begeistern, ihren Beruf au\u00dferhalb der Ballungszentren auszu\u00fcben. Mit Blick auf die Altersstruktur der heute praktizierenden Haus\u00e4rztinnen und Haus\u00e4rzte drohen hier mancherorts <strong>ernsthafte Versorgungsprobleme<\/strong>\u201c, sagt Prof. Josef Hecken, unparteiischer Vorsitzender des G-BA.<\/p>\n<h5><strong>Technische Details des Verfahrens<\/strong><\/h5>\n<p>In einem zweistufigen Verfahren werden die bundesweit einheitlichen Basis-Verh\u00e4ltniszahlen \u2013 Einwohnerzahl pro \u00c4rztin\/Arzt \u2013 und damit das als allgemein angemessen betrachtete Soll-Versorgungsniveau ermittelt. Ausschlaggebend sind Alters-, Geschlechts- und Morbidit\u00e4tsstruktur. Der Morbidit\u00e4tsfaktor als Teilgr\u00f6\u00dfe dieses Verfahrens tr\u00e4gt der Annahme Rechnung, dass eine regional h\u00f6here Krankenlast der Bev\u00f6lkerung mit einem h\u00f6heren Bedarf an ambulant t\u00e4tigen \u00c4rztinnen und \u00c4rzten bzw. Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten einhergeht. Das hei\u00dft, in Regionen mit einer h\u00f6heren Morbidit\u00e4t als im Bundesdurchschnitt werden die allgemeinen Verh\u00e4ltniszahlen abgesenkt und somit mehr Stellen f\u00fcr die Patientenversorgung ausgewiesen. In Regionen mit einer geringeren Morbidit\u00e4t als im Bundesdurchschnitt werden dagegen vergleichsweise weniger \u00c4rztinnen und \u00c4rzte bzw. Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten ben\u00f6tigt; die regional angepassten Verh\u00e4ltniszahlen erh\u00f6hen sich entsprechend.<\/p>\n<h5><strong>Mehr Stellen f\u00fcr Haus\u00e4rztinnen und Haus\u00e4rzte<\/strong><\/h5>\n<p>F\u00fcr die haus\u00e4rztliche Versorgung wirkt sich der ver\u00e4nderte Morbidit\u00e4tsfaktor so aus: Da die Bev\u00f6lkerung bundesweit in Deutschland seit 2010 \u00e4lter geworden ist, wird die Basis-Verh\u00e4ltniszahl abgesenkt. Kam bisher ein Hausarztsitz auf 1671 Einwohnerinnen und Einwohner, sind es im ersten Rechenschritt k\u00fcnftig <strong>nur noch 1607 Einwohnerinnen und Einwohner, die von einem Sitz versorgt werden<\/strong> m\u00fcssen. Zus\u00e4tzlich zu dieser Basis-Verh\u00e4ltniszahl wirkt sich der regionale Planungsbereich aus. Hier gilt f\u00fcr den haus\u00e4rztlichen Planungsbereich, dass die Patientinnen und Patienten vergleichsweise \u00e4lter und kr\u00e4nker sind als fr\u00fcher, so dass auch durch die <strong>regional angepassten Verh\u00e4ltniszahlen<\/strong> der Schl\u00fcssel sinkt und damit k\u00fcnftig <strong>auf 1344 Einwohner ein Hausarztsitz<\/strong> kommt. Datenbasis sind aktuelle Abrechnungsdaten der gesetzlichen Krankenkassen von 2017 und 2019.<\/p>\n<p>Weitere Details mit Angaben zu den Basis-Verh\u00e4ltniszahlen je Arztgruppe und den regional angepassten Verh\u00e4ltniszahlen sind in der aktuellen Bedarfsplanungs-Richtlinie zu finden. Der Beschluss wird vom Bundesministerium f\u00fcr Gesundheit rechtlich gepr\u00fcft und tritt nach Genehmigung sowie Ver\u00f6ffentlichung im Bundesanzeiger in Kraft.<\/p>\n<h5><strong>Hintergrund Bedarfsplanung<\/strong><\/h5>\n<p>Aufgabe des G-BA ist es, f\u00fcr die Aufstellung der regionalen Bedarfspl\u00e4ne eine bundeseinheitliche Planungssystematik zu definieren. Diese Rahmenvorgaben legt er in der Bedarfsplanungs-Richtlinie fest. Auf Landesebene werden von den Kassen\u00e4rztlichen Vereinigungen mit den Krankenkassen die Bedarfspl\u00e4ne erstellt und das Versorgungsniveau ermittelt. Je nach Ergebnis k\u00f6nnen dann neue Niederlassungsm\u00f6glichkeiten je Arztgruppe in einem Planungsbereich ausgewiesen werden. Mit der Reform der Bedarfsplanung 2019 wurde der sogenannte Morbidit\u00e4tsfaktor eingef\u00fchrt. Dieser wird alle zwei Jahre aktualisiert \u2013 erstmalig 2021.<\/p>\n<p>Die Bedarfsplanungs-Richtlinie er\u00f6ffnet viele M\u00f6glichkeiten f\u00fcr Regionen, von der bundeseinheitlichen Systematik abzuweichen, wenn Besonderheiten in der Versorgungslage vor Ort dies erforderlich machen: Beispielsweise k\u00f6nnen auf Landesebene sowohl die Basis-Verh\u00e4ltniszahlen, als auch der Morbidit\u00e4tsfaktor ver\u00e4ndert werden, ebenso wie der Zuschnitt der Planungsbereiche der jeweiligen Arztgruppen.<\/p>\n<p>Der Zulassungsausschuss kann au\u00dferdem zus\u00e4tzliche Vertrags\u00e4rzte aufgrund von Sonderbedarf zulassen und so auf besonderen lokalen oder qualifikationsbezogenen Bedarf reagieren.<\/p>\n<p><em>Mitteilung des G-BA v. 15.07.2021<\/em><\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Gemeinsame Bundesausschuss hat Details bei der Bedarfsplanung f\u00fcr niedergelassene \u00c4rztinnen und \u00c4rzte bzw. 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