{"id":11202,"date":"2022-12-12T12:18:16","date_gmt":"2022-12-12T12:18:16","guid":{"rendered":"https:\/\/oberarzt-heute.de\/?p=11202"},"modified":"2022-12-12T12:18:16","modified_gmt":"2022-12-12T12:18:16","slug":"dgrh-veroeffentlicht-erste-leitlinie-zum-morbus-still-bei-erwachsenen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/oberarzt-heute.de\/?p=11202","title":{"rendered":"DGRh ver\u00f6ffentlicht erste Leitlinie zum Morbus Still bei Erwachsenen"},"content":{"rendered":"<p><strong>Der Morbus Still bei Erwachsenen, international als adultes Still-Syndrom (AOSD) bezeichnet, z\u00e4hlt zu den Orphan Diseases, den seltenen Erkrankungen: Sch\u00e4tzungen verschiedener Industrienationen zufolge sind nur 7 bis 68 von 1 Million Menschen von der entz\u00fcndlichen Erkrankung betroffen, die auf Autoimmunprozesse und eine Fehlregulation des Immunsystems zur\u00fcckgeht. Entsprechend schwierig ist es, eine gen\u00fcgende Anzahl von Betroffenen f\u00fcr ausreichend gro\u00dfe, kontrollierte Studien zu gewinnen. Bisher sind es daher haupts\u00e4chlich kleinere Untersuchungen und Erfahrungsberichte, die Hinweise auf die optimale Behandlung des AOSD geben. Experten der Deutschen Gesellschaft f\u00fcr Rheumatologie (DGRh) haben jetzt eine konsensbasierte Leitlinie zu Diagnose und Therapie des Morbus Still auf der Basis der vorliegenden Evidenz zu formulieren.<\/strong><\/p>\n<p>Der adulte Morbus Still ist nicht nur <strong>selten<\/strong>, er ist im Hinblick auf die klinische Symptomatik auch <strong>vielgestaltig<\/strong>. W\u00e4hrend manche Betroffene nur eine <strong>einzelne Episode<\/strong> der Erkrankung durchmachen, leiden andere neben den akuten auch unter <strong>wiederkehrenden oder gar chronischen<\/strong> Beschwerden. Diese k\u00f6nnen sehr unterschiedlich sein: \u201eAm h\u00e4ufigsten macht sich das AOSD durch <strong>wiederkehrendes Fieber, Hautausschlag sowie Gelenkschmerzen und -entz\u00fcndungen<\/strong> bemerkbar, die haupts\u00e4chlich die <strong>Knie-, Sprung- und Handgelenke<\/strong> betreffen\u201c, sagt Professor Dr. med. Stefan Vordenb\u00e4umen. Der Chefarzt der Klinik f\u00fcr Innere Medizin und Rheumatologie des Rheinischen Rheuma-Zentrums am St. Elisabeth-Hospital Meerbusch-Lank ist Erstautor der Leitlinie und federf\u00fchrend an der Auswertung der Studienergebnisse beteiligt. \u201eDie Erkrankung verursacht gro\u00dfen Leidensdruck bei den Betroffenen und es k\u00f6nnen in seltenen F\u00e4llen lebensbedrohliche Komplikationen auftreten.\u201c<\/p>\n<p>Die zahlreichen, aber durchweg kleinen Studien zum AOSD, die f\u00fcr die Leitlinie ausgewertet wurden, geben <strong>unterschiedliche H\u00e4ufigkeiten<\/strong> f\u00fcr die einzelnen Symptome an. \u201eIn der Gesamtschau ergibt sich jedoch eine oft charakteristische Kombination aus den f\u00fchrenden Symptomen wie etwa <strong>Fieber<\/strong> und ein bestimmter <strong>Hautausschlag<\/strong>, die den Weg zur Diagnose weisen\u201c, so Professor Vordenb\u00e4umen weiter. \u201eTypischerweise sind au\u00dferdem <strong>Entz\u00fcndungswerte<\/strong> &#8211; insbesondere das C-reaktive-Protein &#8211; und Ferritinwerte im Blut stark erh\u00f6ht. Da weder die Laborwerte f\u00fcr sich genommen noch die Beschwerden ausreichend f\u00fcr die sichere Diagnose dieser Erkrankung sind, m\u00fcssen andere rheumatische Erkrankungen, Infektionen und Tumorerkrankungen immer ausgeschlossen werden.\u201c<\/p>\n<p>Auch bez\u00fcglich der medikament\u00f6sen Therapie ist die <strong>Datenlage limitiert<\/strong>. \u201eEs existieren keine Studien dazu, wann und in welcher Reihenfolge entz\u00fcndungshemmende oder immunsuppressive Medikamente gegeben werden sollten\u201c, sagt Professor Dr. med. J\u00fcrgen Braun, Vorstandsmitglied der DGRh und Koordinator der Leitlinie. Die zur Verf\u00fcgung stehenden Berichte \u2013 meist handelt es sich um Kohortenstudien, Fallserien und retrospektive Analysen \u2013 deuten jedoch darauf hin, dass sich das akute AOSD &#8211; wie viele andere entz\u00fcndlich rheumatische Erkrankungen auch &#8211; zun\u00e4chst mit <strong>Glukokortikoiden<\/strong> (Kortison) ausreichend kontrollieren l\u00e4sst. Um Nebenwirkungen zu vermeiden, sollte die Glukokortikoiddosis jedoch bald reduziert und die Patient:innen stattdessen (oder zus\u00e4tzlich) mit anderen Medikamenten \u2013 wie etwa <strong>Methotrexat und Ciclosporin A<\/strong> \u2013 weiter therapiert werden.<\/p>\n<p>Die Leitlinie stellt die Therapieoptionen in einem <strong>Ablaufschema<\/strong> dar. Auch wenn es bislang keine verbindliche Einteilung der AOSD in Schweregrade gibt, kann die Krankheitsaktivit\u00e4t doch anhand klinischer Zeichen und Laborwerte grob abgesch\u00e4tzt werden. Auch darauf geht die Leitlinie detaillierter ein. Zunehmend wichtig sind vor allem auch biologisch hergestellte Medikamente, die<strong> gegen Interleukin 1<\/strong> gerichtet sind. Auch <strong>IL6-Rezeptor-Antik\u00f6rper<\/strong> kommen zum Einsatz. Die gezielten Antik\u00f6rpertherapien werden bei schweren F\u00e4llen unmittelbar oder nach Versagen anderer Therapiem\u00f6glichkeiten verordnet, erl\u00e4utert Braun. Da diese zum Teil auch schon prim\u00e4r erfolgreich eingesetzt werden, ist zu hoffen, dass es bald auch ausreichende Evidenz f\u00fcr diesen Ansatz geben wird.<\/p>\n<p>Aufgrund ihrer Expertise f\u00fcr entz\u00fcndliche, autoimmun bedingte Erkrankungen sind rheumatologisch t\u00e4tige \u00c4rzte:innen die zentralen Ansprechpartner f\u00fcr AOSD-Betroffene. Wir sehen Diagnostik und Therapie des AOSD jedoch als eine grunds\u00e4tzlich interdisziplin\u00e4re Aufgabe\u201c, so die beiden Experten. Die fr\u00fchzeitige \u00dcberweisung zur Rheumatologin bzw. zum Rheumatologen ist f\u00fcr den weiteren Verlauf der Erkrankung von entscheidender Bedeutung. Im Rahmen einer ganzheitlichen Betreuung seien auch flankierende Therapien wie etwa eine erg\u00e4nzende Schmerztherapie, physikalisch-therapeutische und rehabilitative Ma\u00dfnahmen sowie die Anbindung an Selbsthilfegruppen sinnvoll. Dort bestehe die M\u00f6glichkeit zum Erfahrungsaustausch mit anderen Betroffenen, und es w\u00fcrden hilfreiche Kurse etwa zum Selbstmanagement angeboten. Grunds\u00e4tzlich erfordert das Krankheitsbild eine individualisierte zielgerichtete Betreuung durch erfahrene Fach\u00e4rzte:innen in enger Kooperation mit den Haus\u00e4rzte:innen.<\/p>\n<p><em>Vordenb\u00e4umen, S., Feist, E., Rech, J. et al.: DGRh-S2e-Leitlinie. Z Rheumatol (2022). <\/em><a href=\"https:\/\/doi.org\/10.1007\/s00393-022-01276-4\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><em>https:\/\/doi.org\/10.1007\/s00393-022-01276-4<\/em><\/a><em>, Published 11 November 2022<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Morbus Still bei Erwachsenen, international als adultes Still-Syndrom (AOSD) bezeichnet, z\u00e4hlt zu den Orphan Diseases, den seltenen Erkrankungen: Sch\u00e4tzungen verschiedener Industrienationen zufolge sind nur 7 bis 68 von 1 Million Menschen von der&#46;&#46;&#46;<\/p>\n","protected":false},"author":31,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[144],"tags":[213,212],"class_list":["post-11202","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-medizin","tag-leitlinie","tag-rheuma"],"yoast_head":"<!-- This site is optimized with the Yoast SEO plugin v28.7 - https:\/\/yoast.com\/product\/yoast-seo-wordpress\/ -->\n<title>DGRh ver\u00f6ffentlicht erste Leitlinie zum Morbus Still bei Erwachsenen - 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