{"id":11204,"date":"2022-12-13T10:01:44","date_gmt":"2022-12-13T10:01:44","guid":{"rendered":"https:\/\/oberarzt-heute.de\/?p=11204"},"modified":"2022-12-13T10:01:44","modified_gmt":"2022-12-13T10:01:44","slug":"diabetisches-fusssyndrom-was-tun-was-lassen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/oberarzt-heute.de\/?p=11204","title":{"rendered":"Diabetisches Fu\u00dfsyndrom:\u00a0\u00a0Was tun, was lassen?\u00a0"},"content":{"rendered":"<p><strong>Bis zu ein Drittel aller Diabeteserkrankten entwickelt ein diabetisches Fu\u00dfsyndrom (DFS), verursacht durch die Sch\u00e4digung von Nerven und Blutgef\u00e4\u00dfen in den unteren Extremit\u00e4ten. Warum Durchblutungsst\u00f6rungen in diesem Bereich nicht ausschlie\u00dflich per Kn\u00f6chel-Arm-Index diagnostiziert werden sollten, weshalb bei Druckstellen immer eine vollst\u00e4ndige Entlastung notwendig ist und warum das S\u00e4ubern einer offenen Hautstelle mit Leitungswasser kritisch zu betrachten ist \u2013 \u00fcber diese und andere Dos und Don\u2018ts kl\u00e4ren Experten der Deutschen Gesellschaft f\u00fcr Gef\u00e4\u00dfchirurgie und Gef\u00e4\u00dfmedizin (DGG) auf. Zielgerichtete Diagnostik und Therapie k\u00f6nnen Sp\u00e4tsch\u00e4den des DFS wie chronische Wunden und Amputationen verhindern.<\/strong><\/p>\n<p>Die Krankheitslast, die durch den<strong> Typ-2-Diabetes<\/strong> in Deutschland verursacht wird, ist gewaltig: Aktuell leiden rund <strong>neun Prozent der Bev\u00f6lkerung<\/strong> an der Stoffwechselst\u00f6rung. \u201eDavon entwickelt<strong> jeder f\u00fcnfte bis jeder dritte<\/strong> im Laufe seines Lebens ein <strong>diabetisches Fu\u00dfsyndrom<\/strong>\u201c, sagt Professor med. Christian Uhl von der Klinik f\u00fcr Gef\u00e4\u00dfchirurgie und Endovaskul\u00e4re Chirurgie am Universit\u00e4tsklinikum Heidelberg. Um <strong>schwerwiegende Folgen<\/strong> f\u00fcr die Betroffenen abzuwenden, aber auch, um enorme Kosten f\u00fcr das Gesundheitswesen zu vermeiden, bed\u00fcrfe es einer <strong>fr\u00fchzeitigen Diagnose<\/strong> und eines sorgf\u00e4ltigen medizinisches Managements des DFS.<\/p>\n<h5><strong>ABI allein nicht ausreichend zur Diagnose<\/strong><\/h5>\n<p>F\u00fcr die Beurteilung der Bein- und Fu\u00dfdurchblutung wird im Praxisalltag oft der so genannte<strong> Kn\u00f6chel-Arm-Index (ABI<\/strong>, ankle-brachial-index) herangezogen, der Auskunft \u00fcber Blutdruckunterschiede zwischen den oberen und unteren Extremit\u00e4ten gibt. \u201eBei Diabeteserkrankten reicht die Ermittlung des ABI allein jedoch nicht aus\u201c, gibt Uhl zu bedenken. Ihre Gef\u00e4\u00dfw\u00e4nde h\u00e4tten h\u00e4ufig bereits an Elastizit\u00e4t eingeb\u00fc\u00dft, sodass die Ergebnisse verf\u00e4lscht w\u00fcrden. Mittlerweile sei die <strong>farbcodierte Duplexsonographie<\/strong> die Untersuchungsmethode der Wahl. \u201eMit ihr lassen sich relevante Durchblutungsst\u00f6rungen in drei Viertel der F\u00e4lle erkennen\u201c, so der DGG-Experte. Zudem sei das Verfahren kosteng\u00fcnstig, nicht invasiv und gehe nicht mit einer Strahlenbelastung einher.<\/p>\n<h5><strong>Bei offener Wunde muss Revaskularisierung erfolgen<\/strong><\/h5>\n<p>Wird eine relevante <strong>Einschr\u00e4nkung der Durchblutung<\/strong> festgestellt, sollte in jedem Fall eine <strong>Revaskularisierung<\/strong> vorgenommen werden \u2013 denn ob eine chronische Wunde entsteht, bestehen bleibt oder abheilt, h\u00e4ngt entscheidend von der Durchblutung ab. \u201eF\u00fcr die Wiederherstellung der Blutversorgung stehen sowohl endovaskul\u00e4re als auch operative Verfahren zur Verf\u00fcgung\u201c, erl\u00e4utert Uhl. Welches Vorgehen f\u00fcr welchen Patienten gew\u00e4hlt werde, richte sich haupts\u00e4chlich nach individuellen Risikofaktoren.<\/p>\n<h5><strong>Keine Amputation ohne vorherige Duplexsonographie<\/strong><\/h5>\n<p>Eng damit in Zusammenhang steht auch eine Empfehlung des DGG-Experten zur <strong>Amputation<\/strong>: Dieser schwerwiegende Eingriff solle niemals vorgenommen werden, ohne zuvor den Zustand der Gef\u00e4\u00dfe sorgf\u00e4ltig untersucht zu haben. Denn auch f\u00fcr die Heilung der Amputationswunde ist eine ausreichende Durchblutung von gro\u00dfer Bedeutung. \u201eIm Zweifel kann <strong>vor dem Eingriff eine Revaskularisierung<\/strong> vorgenommen werden, um die Chancen auf eine unkomplizierte Wundheilung zu verbessern\u201c, so Uhl.<\/p>\n<h5><strong>Kein Leitungswasser zur Wundreinigung<\/strong><\/h5>\n<p>Damit eine Amputation erst gar nicht notwendig wird, bedarf es eines <strong>optimalen Wundmanagements<\/strong>. An dessen Anfang steht immer die S\u00e4uberung der Wunde, um tote Gewebeanteile und Fibrinbel\u00e4ge zu entfernen und die Bakterienzahl zu reduzieren. Ob dabei auch Leitungswasser als Sp\u00fcll\u00f6sung eingesetzt werden kann, wird kontrovers diskutiert. \u201eJe nach <strong>Hygienestandard<\/strong> muss die S\u00e4uberung mit Leitungswasser kritisch beurteilt werden\u201c, sagt Uhl. Wenn \u00fcberhaupt, solle in diesem sensiblen Bereich nur <strong>keimfrei filtriertes Wasser<\/strong> verwendet werden.<\/p>\n<h5><strong>Antibiotika nur bei sich ausbreitendem Infekt<\/strong><\/h5>\n<p>Prinzipiell erst nach der Wundreinigung kann <strong>per Abstrich<\/strong> untersucht werden, <strong>welche Bakterien<\/strong> die Wunde wie stark besiedelt haben. \u201eErst dann kann die tiefe Besiedelung erfasst werden, die f\u00fcr die Entscheidung f\u00fcr oder gegen eine Antibiotikagabe relevant ist\u201c, so der Heidelberger Gef\u00e4\u00dfmediziner. Noch immer w\u00fcrden <strong>Antibiotika zu fr\u00fch und zu h\u00e4ufig<\/strong> eingesetzt, was die Bildung von <strong>Resistenzen<\/strong> f\u00f6rdere. \u201eErst bei Anzeichen einer sich ausbreitenden Infektion wie Fieber oder Sch\u00fcttelfrost erfolgt die Antibiotikagabe\u201c, betont Uhl.<\/p>\n<h5><strong>Vollst\u00e4ndige Druckentlastung bei wunden Stellen<\/strong><\/h5>\n<p>Als weitere wesentliche Voraussetzung f\u00fcr eine gute Wundheilung nennt Uhl die <strong>vollst\u00e4ndige Druckentlastung<\/strong> des betroffenen Bereichs \u2013 denn das zarte, neu entstehende Deckgewebe kann durch Druck und Reibung schnell wieder zerst\u00f6rt werden. Eine <strong>Druckentlastungshilfe<\/strong> bietet dabei meist einen ausreichenden Schutz; um gro\u00dfe Wunden zum Abheilen zu bringen, es kann aber auch eine <strong>vollst\u00e4ndige Ruhigstellung des Patienten<\/strong> notwendig sein. \u201eUnabh\u00e4ngig von der Art der Druckentlastungsma\u00dfnahme sind die korrekte Anwendung, die Mitarbeit der Patientinnen und Patienten sowie die interdisziplin\u00e4re Kooperation mit den betreuenden Diabetologinnen und Diabetologen entscheidend f\u00fcr den Therapieerfolg\u201c, betont Uhl. Das gelte f\u00fcr die Wundtherapie ebenso wie f\u00fcr das Management des Diabetes selbst \u2013 auch dieses k\u00f6nne nur durch die <strong>aktive Mitarbeit der Betroffenen<\/strong> bei <strong>Blutzuckereinstellung, Bewegung, Ern\u00e4hrungsumstellung und Gewichtsabnahme<\/strong> gelingen.<\/p>\n<p><em>Uhl et al. Gemeinsam klug entscheiden \u2013 Diabetisches Fu\u00dfsyndrom. Gef\u00e4sschirurgie 2021 26:183\u201318. https:\/\/doi.org\/10.1007\/s00772-021-00761-5<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bis zu ein Drittel aller Diabeteserkrankten entwickelt ein diabetisches Fu\u00dfsyndrom (DFS), verursacht durch die Sch\u00e4digung von Nerven und Blutgef\u00e4\u00dfen in den unteren Extremit\u00e4ten. 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