{"id":11992,"date":"2025-08-05T16:24:11","date_gmt":"2025-08-05T16:24:11","guid":{"rendered":"https:\/\/oberarzt-heute.de\/?p=11992"},"modified":"2025-08-05T16:47:50","modified_gmt":"2025-08-05T16:47:50","slug":"krank-wegen-taetowierung-kein-lohnanspruch-bei-arbeitsunfaehigkeit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/oberarzt-heute.de\/?p=11992","title":{"rendered":"Krank wegen T\u00e4towierung? Kein Lohnanspruch bei Arbeitsunf\u00e4higkeit"},"content":{"rendered":"<p><b>Wer sich freiwillig eine T\u00e4towierung stechen l\u00e4sst und danach wegen einer Infektion arbeitsunf\u00e4hig wird, hat die Arbeitsunf\u00e4higkeit selbst verschuldet. In diesem Fall darf der Arbeitgeber die Entgeltfortzahlung verweigern.<\/b><\/p>\n<p><i>von Volker G\u00f6rzel, Fachanwalt f\u00fcr Arbeitsrecht, VDAA, K\u00f6ln<br \/>\n<\/i><i>und Jens Klarmann, Fachanwalt f\u00fcr Arbeitsrecht VDAA, Kiel<\/i><\/p>\n<p>T\u00e4towierungen geh\u00f6ren l\u00e4ngst zum Alltag &#8211; auch am Arbeitsplatz. Doch was passiert, wenn sich das Tattoo entz\u00fcndet und man <strong>krankgeschrieben<\/strong> wird? Wer sich freiwillig t\u00e4towieren l\u00e4sst, tr\u00e4gt auch das Risiko. Das hat jetzt das Landesarbeitsgericht Schleswig-Holstein entschieden.<\/p>\n<p>Eine Pflegehelferin hatte sich ein Tattoo auf den Unterarm stechen lassen, das sich kurz darauf entz\u00fcndete. Die Frau wurde f\u00fcr mehrere Tage krankgeschrieben. Der Arbeitgeber <strong>verweigerte die Lohnfortzahlung<\/strong> f\u00fcr diese Zeit. Die Begr\u00fcndung: Die Entz\u00fcndung sei <strong>selbstverschuldet<\/strong>, da die Frau durch das T\u00e4towieren freiwillig in eine K\u00f6rperverletzung eingewilligt und damit die Krankschreibung selbst verschuldet habe. Das Risiko einer sp\u00e4teren Infektion habe sie daher allein zu tragen. Ein \u201enormales Krankheitsrisiko\u201c habe hier nicht vorgelegen.<\/p>\n<h5><b>Anspruch auf Lohnfortzahlung? Nur ohne eigenes Verschulden!<\/b><\/h5>\n<p>Der Arbeitgeber zahlte f\u00fcr die Zeit der Krankschreibung keinen Lohn. Die Frau war emp\u00f6rt &#8211; und klagte. Sie berief sich auf das Entgeltfortzahlungsgesetz. Danach bekommen Arbeitnehmer im Krankheitsfall bis zu sechs Wochen lang ihr Gehalt weiter &#8211; aber nur, wenn sie die Krankheit nicht selbst verschuldet haben. Die Frau argumentierte, die Entz\u00fcndung sei ein ungl\u00fccklicher Zufall gewesen &#8211; und nicht ihre Schuld. Nur ein bis f\u00fcnf Prozent aller T\u00e4towierungen entz\u00fcnden sich. Au\u00dferdem geh\u00f6re das Stechen einer T\u00e4towierung zu ihrer privaten Lebensf\u00fchrung.<\/p>\n<h5><b>Das Gericht: Wer sich t\u00e4towieren l\u00e4sst, tr\u00e4gt das Risiko!<\/b><\/h5>\n<p>Der Arbeitgeber sah das anders &#8211; und bekam Recht. Bereits das Arbeitsgericht Flensburg hatte gegen die Frau entschieden. Nun best\u00e4tigte auch das Landesarbeitsgericht Schleswig-Holstein das Urteil.<\/p>\n<p>Die Richter stellten klar: Wer sich freiwillig t\u00e4towieren l\u00e4sst, muss mit einer Entz\u00fcndung rechnen &#8211; auch wenn das Risiko nur bei f\u00fcnf Prozent liegt. Damit habe die Frau ihre <strong>Arbeitsunf\u00e4higkeit selbst verschuldet<\/strong>. Nach \u00a7 3 Abs. 1 Satz 1 Entgeltfortzahlungsgesetz entf\u00e4llt der Anspruch auf Entgeltfortzahlung, wenn das Verhalten des Arbeitnehmers einen groben Versto\u00df gegen das eigene gesundheitliche Interesse darstellt &#8211; z.B. wenn ein verst\u00e4ndiger Mensch im eigenen Interesse anders gehandelt h\u00e4tte.<\/p>\n<p>Die Frau habe damit rechnen m\u00fcssen, dass sich die T\u00e4towierung entz\u00fcnde, da dies in bis zu 5 Prozent der F\u00e4lle nach der T\u00e4towierung vorkomme. Diese Wahrscheinlichkeit sei <strong>nicht unerheblich<\/strong> und stelle auch keine au\u00dfergew\u00f6hnliche oder v\u00f6llig fernliegende Komplikation dar. Wer ein solches Risiko bewusst eingehe, versto\u00dfe mit seinem Verhalten grob gegen seine eigenen Gesundheitsinteressen, so das Landesarbeitsgericht.<\/p>\n<h5><b>Klare Worte des Gerichts: \u201eVerschulden liegt vor!\u201c<\/b><\/h5>\n<p>Nach dem Gesetz liegt ein Verschulden vor, wenn ein Arbeitnehmer<strong> in grober Weise gegen vern\u00fcnftiges Verhalten im eigenen Interesse verst\u00f6\u00dft<\/strong>. Genau das sah das Gericht hier als gegeben an. Die Frau h\u00e4tte wissen m\u00fcssen, dass Komplikationen m\u00f6glich sind &#8211; und sich entsprechend verhalten m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Die Richter verglichen das Risiko sogar mit dem von Medikamenten: Bereits ab einem Prozent gelte eine Nebenwirkung als \u201eh\u00e4ufig\u201c. Auch hier gilt: Die Frau<strong> h\u00e4tte mit Problemen rechnen m\u00fcssen<\/strong>. Und wer ein bekanntes Risiko eingeht, hat keinen Anspruch auf Lohnfortzahlung.<\/p>\n<blockquote><p>[!] Das Urteil ist ein Weckruf f\u00fcr viele Arbeitnehmer: Private Entscheidungen wie T\u00e4towierungen, Sch\u00f6nheitsoperationen oder riskante Hobbys k\u00f6nnen den Lohn kosten, wenn es schief geht. In diesem Fall blieb die Frau auf dem finanziellen Schaden sitzen &#8211; und die Revision zum Bundesarbeitsgericht wurde nicht zugelassen.<\/p><\/blockquote>\n<p><em>Landesarbeitsgericht Schleswig-Holstein, 22.05.2025 &#8211; 5 Sa 284 a\/24<\/em><br \/>\n<em>VDAA-Verband deutscher ArbeitsrechtsAnw\u00e4lte e. V. &#8211; www.vdaa.de<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wer sich freiwillig eine T\u00e4towierung stechen l\u00e4sst und danach wegen einer Infektion arbeitsunf\u00e4hig wird, hat die Arbeitsunf\u00e4higkeit selbst verschuldet. 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