{"id":12415,"date":"2026-08-19T13:47:32","date_gmt":"2026-08-19T13:47:32","guid":{"rendered":"https:\/\/oberarzt-heute.de\/?p=12415"},"modified":"2026-08-19T13:47:32","modified_gmt":"2026-08-19T13:47:32","slug":"stark-verengte-halsschlagader-medikamente-koennen-einen-eingriff-nicht-immer-ersetzen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/oberarzt-heute.de\/?p=12415","title":{"rendered":"Stark verengte Halsschlagader:\u00a0Medikamente k\u00f6nnen einen Eingriff nicht immer ersetzen"},"content":{"rendered":"<p><strong>Eine neue Studie zur stark verengten Halsschlagader sorgt in der Fachwelt f\u00fcr Aufsehen: Die Hoffnung, die moderne intensive medikament\u00f6se Behandlung allein k\u00f6nnte ausreichen, um drohende Schlaganf\u00e4lle zuverl\u00e4ssig zu verhindern, hat sich nicht best\u00e4tigt. Gleichwohl sind aktuell empfohlene Wirkstoffe und Lebensstilma\u00dfnahmen die Basis jeder Therapie, wie die CREST-2-Studie ebenfalls zeigte. Ob zus\u00e4tzlich ein Eingriff erfolgen sollte, h\u00e4ngt neben dem Allgemeinzustand vor allem auch von der Zusammensetzung der Ablagerungen (\u201ePlaques\u201c) in der Halsschlagader ab. Eine erste Einsch\u00e4tzung der Ablagerungen erm\u00f6glicht eine Ultraschalluntersuchung. <\/strong><\/p>\n<p>Etwa eine Million Menschen in Deutschland lebt mit einer relevant verengten Halsschlagader aufgrund von Gef\u00e4\u00dfablagerungen. Ist der Gef\u00e4\u00dfdurchmesser der Carotis um mindestens 70 Prozent verengt, gilt dies als <strong>hochgradige Stenose \u2013 und als gef\u00e4hrlich<\/strong>. \u201eAus h\u00f6hergradigen Ablagerungen k\u00f6nnen sich Teilchen l\u00f6sen und im Gehirn zu<strong> Gef\u00e4\u00dfverschl\u00fcssen und damit Schlaganf\u00e4llen<\/strong> f\u00fchren\u201c, erl\u00e4utert DGG-Vorstandsmitglied Privatdozentin Dr. med. Barbara Rantner. Aus diesem Grund wird ab einer Verengung von 70 Prozent \u00fcber einen<strong> Stent-Eingriff oder eine Operation zur Aussch\u00e4lung<\/strong> der Gef\u00e4\u00dfablagerungen nachgedacht. Ziel ist, das Risiko eines Gef\u00e4\u00dfverschlusses zu reduzieren.<\/p>\n<p><strong>Nur Medikamente oder Medikamente plus Eingriff? <\/strong><\/p>\n<p>Doch auch der <strong>Eingriff selbst kann Plaque-Bestandteile freisetzen<\/strong>, weshalb die Intervention ebenfalls ein gewisses Schlaganfallrisiko birgt. Gleichzeitig hat sich das medikament\u00f6se Vorgehen so stark verbessert, dass das Schlaganfallrisiko bei Ablagerungen, die noch keine Symptome hervorgerufen haben (\u201easymptomatisch\u201c), erheblich gesunken ist. \u201eDa stellte sich die Frage, ob eine <strong>intensive medikament\u00f6se Therapie<\/strong> allein nicht ausreicht oder ob invasive Eingriffe noch einen zus\u00e4tzlichen Vorteil bringen\u201c, so Rantner. Dies zu kl\u00e4ren, war das Anliegen der CREST-2-Studie, die Ende November im <a href=\"https:\/\/www.crest2trial.org\/\">New England Journal of Medicine<\/a> ver\u00f6ffentlicht wurde.<\/p>\n<p><strong>Hochwertige Studie zu modernsten Therapieverfahren<\/strong><\/p>\n<p>In die Studie wurden ab dem Jahr 2015 insgesamt<strong> 2.485 Personen mit einer hochgradigen Stenose<\/strong> von mindestens 70 Prozent eingeschlossen \u2013 wobei die Betroffenen noch keine Symptome wie L\u00e4hmungen, Sprachst\u00f6rung oder Schlaganfall entwickelt hatten. \u201eAlle Probanden mit einer solchen asymptomatischen Carotisstenose erhielten eine intensive medikament\u00f6se Therapie, die neben modernsten Medikamenten auch umfangreiche Lebensstilma\u00dfnahmen und ein Coaching einschloss\u201c, erkl\u00e4rt Rantner. W\u00e4hrend eine Gruppe ausschlie\u00dflich mit intensiver medikament\u00f6ser Therapie behandelt wurde, erfolgte bei zuf\u00e4llig ausgew\u00e4hlten Patientinnen und Patienten zus\u00e4tzlich entweder ein Stent-Eingriff oder eine Operation. Vier Jahre wurde beobachtet, wieviele Schlaganf\u00e4lle und Todesf\u00e4lle sich in den Behandlungsgruppen ereigneten.<\/p>\n<p><strong>Erh\u00f6hte Schlaganfallrate bei rein medikament\u00f6ser Behandlung<\/strong><\/p>\n<p>Ergebnis: In der Gruppe, die rein medikament\u00f6s behandelt worden war, stellten sich bei insgesamt <strong>6 Prozent<\/strong> der Teilnehmenden Schlaganfall oder Tod ein. \u201eDiese<strong> Rate war h\u00f6her als erwartet<\/strong>\u201c, sagt die DGG-Expertin. \u201eSie zeigt, dass Medikamente einen Eingriff bei asymptomatischer Carotis nicht vollst\u00e4ndig ersetzen k\u00f6nnen.\u201c In der Gruppe, die zus\u00e4tzlich ein <strong>Stenting erhielt, waren es lediglich 2,8 Prozent<\/strong> \u2013 das Risiko f\u00fcr Schlaganfall oder Tod war mehr als halbiert. In der Gruppe der Operierten sank die Zahl der von Schlaganfall und Tod Betroffenen gegen\u00fcber der medikament\u00f6s behandelten Gruppe um 30 Prozent.<\/p>\n<blockquote><p>&nbsp;<\/p>\n<p>Der Konsens in der Fachwelt lautet nun: Asymptomatische Patientinnen und Patienten mit einer mindestens 70-prozentigen Stenose sollen bei vertretbarem Risiko und guter Lebenserwartung <strong>zus\u00e4tzlich zu einer intensiven medikament\u00f6sen Therapie weiterhin mit Stent oder Operation behandelt<\/strong> werden \u2013 abh\u00e4ngig von der Anatomie der Aortenb\u00f6gen, der Beschaffenheit der Halsgef\u00e4\u00dfe und der Qualit\u00e4t der Ablagerungen.<\/p><\/blockquote>\n<p><strong>Gute Ablagerungen, schlechte Ablagerungen<\/strong><\/p>\n<p>Denn grunds\u00e4tzlich gilt: Plaque ist nicht gleich Plaque. Ob ein Eingriff erfolgen soll, h\u00e4ngt auch von der<strong> Zusammensetzung der Gef\u00e4\u00dfablagerungen<\/strong> ab. \u201eEs gibt Hochrisiko- und Niedrigrisiko-Plaques\u201c, erl\u00e4utert die Gef\u00e4\u00dfexpertin. Weiche, cholesterinhaltige oder eingeblutete Ablagerungen sind gef\u00e4hrlicher als stabile Verkalkungen, weil sie an der Oberfl\u00e4che aufbrechen und ins Gehirn verschleppt werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p><strong>Plaques-Beschaffenheit wird Stenose-Grad abl\u00f6sen<\/strong><\/p>\n<p>\u201eBei 70-prozentiger Carotisstenose mit <strong>robustem Kalk<\/strong> sch\u00e4tzen wir daher das Schlaganfallrisiko<strong> eher niedrig<\/strong> ein\u201c, so Rantner. \u201eBei 70-prozentiger Stenose mit<strong> weichen, eingebluteten Ablagerungen<\/strong> dagegen w\u00fcrde man eher zu einer <strong>Intervention<\/strong> raten.\u201c Die Plaques-Beschaffenheit, davon ist die DGG-Expertin \u00fcberzeugt, wird den Stenose-Grad langfristig bei der Beurteilung der Halsschlagader abl\u00f6sen. Der Stenose-Grad bleibe aber weiterhin wichtig, um den Krankheitsverlauf beurteilen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p><strong>Plaques-Diagnostik rechtzeitig einleiten<\/strong><\/p>\n<p>Vor diesem Hintergrund r\u00e4t die<strong> aktuelle AWMF-S3-Leitlinie zur Carotisstenose<\/strong> ab einer Verengung von 60 Prozent zur gef\u00e4\u00dfmedizinischen Untersuchung der Plaques \u2013 in erster Linie per Ultraschall, anschlie\u00dfend gegebenenfalls noch pr\u00e4ziser mittels Magnetresonanztomographie oder Computertomographie. \u201eDarauf k\u00f6nnen Betroffene ihren Arzt oder ihre \u00c4rztin ruhig ansprechen\u201c, meint Rantner, die am Klinikum rechts der Isar t\u00e4tig ist.<\/p>\n<p><strong>Moderne medikament\u00f6se Therapie ist unerl\u00e4sslich<\/strong><\/p>\n<p>Vor allem aber &#8211; und das ist eines der wichtigsten Resultate der Studie &#8211; ist eine optimale medikament\u00f6se Therapie unerl\u00e4sslich. \u201eDie gegenw\u00e4rtige konservative Behandlung ist so effektiv, dass sie auch Komplikationsraten bei den Eingriffen reduziert\u201c, betont Rantner. Insgesamt habe CREST-2 dargelegt, auf welch niedriges Schlaganfallrisiko man trotz Carotisstenose heutzutage mit modernsten Wirkstoffen und Lebensstilma\u00dfnahmen kommen kann.<\/p>\n<ul>\n<li><em>Thomas G. Brott et al.: Medical Management and Revascularization for Asymptomatic Carotid Stenosis, New England Journal of Medicine, Pages:\u00a0219-231. DOI: 10.1056\/NEJMoa2508800<\/em><\/li>\n<\/ul>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eine neue Studie zur stark verengten Halsschlagader sorgt in der Fachwelt f\u00fcr Aufsehen: Die Hoffnung, die moderne intensive medikament\u00f6se Behandlung allein k\u00f6nnte ausreichen, um drohende Schlaganf\u00e4lle zuverl\u00e4ssig zu verhindern, hat sich nicht best\u00e4tigt. 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Dennoch nehmen noch nicht einmal 12 Prozent der PAVK-Patientinnen und -Patienten tats\u00e4chlich an einem solchen Training teil, wie zwei\u2026","rel":"","context":"In &quot;Medizin&quot;","block_context":{"text":"Medizin","link":"https:\/\/oberarzt-heute.de\/?cat=144"},"img":{"alt_text":"","src":"","width":0,"height":0},"classes":[]}],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/oberarzt-heute.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/12415","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/oberarzt-heute.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/oberarzt-heute.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/oberarzt-heute.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/oberarzt-heute.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=12415"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/oberarzt-heute.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/12415\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":12416,"href":"https:\/\/oberarzt-heute.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/12415\/revisions\/12416"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/oberarzt-heute.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=12415"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/oberarzt-heute.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=12415"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/oberarzt-heute.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=12415"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}