{"id":1946,"date":"2019-03-19T11:11:07","date_gmt":"2019-03-19T11:11:07","guid":{"rendered":"https:\/\/oberarzt-heute.de\/?p=1946"},"modified":"2025-11-26T10:35:50","modified_gmt":"2025-11-26T10:35:50","slug":"twankenhaus-ein-besseres-krankenhaus-ist-moeglich-viele-sammeln-dafuer-ideen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/oberarzt-heute.de\/?p=1946","title":{"rendered":"#twankenhaus: Ein besseres  Krankenhaus ist m\u00f6glich \u2013  Viele sammeln daf\u00fcr Ideen"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Seit Kurzem weht Hoffnung durch die Twitter-Krankenhausflure. Denn den \u00c4rzten, Pflegenden, Notfallsanit\u00e4tern und Therapeuten dort reicht es. Sie nennen sich \u201eTwankenhaus\u201c, wollen bessere Kliniken und machen sich stark gegen Missmanagement und Ausbeutung im Gesundheitswesen. <\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Ein Gastbeitrag von Dr. med. Ulrike Koock, seit 2017 \u00c4rztin in Weiterbildung Allgemeinmedizin und Mitinitiatorin der Initiative \u201eTwankenhaus\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignright is-resized\"><a href=\"https:\/\/i0.wp.com\/oberarzt-heute.de\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/ulrike-koock-foto.1024x1024.jpg?ssl=1\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><img data-recalc-dims=\"1\" loading=\"lazy\" decoding=\"async\" data-attachment-id=\"1947\" data-permalink=\"https:\/\/oberarzt-heute.de\/?attachment_id=1947\" data-orig-file=\"https:\/\/i0.wp.com\/oberarzt-heute.de\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/ulrike-koock-foto.1024x1024-e1552993708101.jpg?fit=400%2C400&amp;ssl=1\" data-orig-size=\"400,400\" data-comments-opened=\"0\" data-image-title=\"ulrike-koock-foto.1024&amp;#215;1024\" data-image-description=\"\" data-image-caption=\"\" data-large-file=\"https:\/\/i0.wp.com\/oberarzt-heute.de\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/ulrike-koock-foto.1024x1024-e1552993708101.jpg?fit=960%2C960&amp;ssl=1\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/oberarzt-heute.de\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/ulrike-koock-foto.1024x1024.jpg?resize=300%2C300&#038;ssl=1\" alt=\"\" class=\"wp-image-1947\" width=\"300\" height=\"300\"\/><\/a><figcaption>Dr Ulrike Koock<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das deutsche Gesundheitssystem muss besser werden. Warum? Weil das Arbeiten in unserem aktuellen System keinen Spa\u00df mehr macht. Und Menschenleben gef\u00e4hrdet.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wie soll man es sonst nennen, wenn<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u2022 \u2026 ein junger Assistenzarzt zwei Wochen nach Eintritt in das Arbeitsleben 40 Patienten medizinisch betreuen soll?<br>\n\u2022 \u2026 die Nachtdienste in der Notaufnahme durch die unerfahrensten Kollegen besetzt werden?<br>\n\u2022 \u2026 ein solcher Pflegenotstand herrscht, dass der examinierte Krankenpfleger mit einem Sch\u00fcler alleine 30 Patienten pflegerisch versorgen soll?<br>\n\u2022 \u2026 man als Stationsarzt nach einer langen Nacht noch vier bis sechs Stunden Arbeitszeit dranh\u00e4ngt, um wenigstens die Visite zu machen, weil sonst kein Kollege vor Ort ist?<br>\n\u2022 \u2026 die Pflegekraft auf Station nur eine Aushilfe ist und nicht wei\u00df, wo sich der Notfallwagen befindet? Welcher nicht aufgef\u00fcllt ist, weil kein Personal vorhanden war oder vorhandenes Personal keine Zeit hatte?<br>\n\u2022 \u2026 man als Arzt in der Notaufnahme verzweifelt ein Bett f\u00fcr seine Patienten sucht, damit sie nicht im Flur liegen m\u00fcssen?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Und die Zust\u00e4nde machen nicht Halt vor den Arztpraxen. Auch dort, wo das Arztleben noch leichter sein sollte, da es kaum Nacht- und Wochenenddienste gibt und man als niedergelassener Kollege immerhin Berufserfahrung vorweisen kann \u2013 auch dort gibt es massenhaft Probleme.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Genau: Massenhaft. Massenhaft Patienten, die am Morgen schon in langen Schlangen vor den T\u00fcren stehen und Einlass begehren. Massenhaft neue Regelungen, die sich B\u00fcrokraten aus dem \u00c4rmel sch\u00fctteln, um den Niedergelassenen das Leben zu erschweren.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Es <br>reicht uns <br>einfach<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wir: Das ist eine Gruppe von 50 Personen, die sich auf Twitter kennengelernt haben. Zu einem gro\u00dfen Teil sind wir \u00c4rztinnen und \u00c4rzte \u2013 noch. Aber wir sind auch Patientenvertreter, Leute vom Rettungsdienst und aus der Pflege. Haus\u00e4rzte und Studenten sind auch dabei. Uns alle vereint der Wunsch nach dem besseren Krankenhaus \u2013 dem besseren Gesundheitssystem \u00fcberhaupt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Deswegen sitzen wir seit neustem t\u00e4glich im digitalen Hinterzimmer (Geschlossene Twitter-Gruppe, Slack, WhatsApp) zusammen, um an unserem Traum zu arbeiten: <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wir nennen es Twankenhaus, in Anlehnung an das digitale Krankenhaus auf Twitter. Tw wie Twitter und ankenhaus wie Krankenhaus.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Was <br>wir wollen<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wir wollen besser versorgte Patienten. Bessere Arbeitsbedingungen f\u00fcr alle Mitarbeiter im Gesundheitssystem. Wir tr\u00e4umen davon, dass wir, die in diesem System arbeiten, Beruf und Familie vereinbaren k\u00f6nnen \u2013 und zwar nicht nur die Frauen. F\u00fcr all das engagieren wir uns nun neben all der Arbeit, die beruflich auf uns lastet. Und privat. Denn die meisten von uns haben Partner mit oder ohne Familie, oder Familie mit oder ohne Partner.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Unser Ziel ist es, alle Berufsgruppen im Gesundheitswesen einzubinden und gemeinsam und auf Augenh\u00f6he an einem Wechsel im Gesundheitssystem zu arbeiten. Denn Medizin besteht nicht nur aus \u00c4rzten. Medizin besteht aus Pflege, Physiotherapie, Ergotherapie, Psychotherapie, Notfallmedizin \u2026 Wir suchen den Br\u00fcckenschlag zwischen allen medizinischen Disziplinen.<br>\nZum Beispiel, indem man die Vereinbarkeit von Familie und Karriere f\u00f6rdert: 60 Prozent der Medizinstudenten sind weiblich. Aber nur 5 Prozent landen in den Chefarztetagen. 90 Prozent der Besch\u00e4ftigten in der Pflege sind ebenfalls weiblich. Auf dem Weg nach oben steigen aber ganz viele wertvolle Fachkr\u00e4fte aus. Und der Grund daf\u00fcr liegt ganz klar in veralteten und verkrusteten Strukturen, die in unserer heutigen Zeit weder Sinn noch Verstand zeigen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>\u201eWir m\u00f6chten eine Interessenvertretung sein, die nicht prim\u00e4r das Ziel hat, mehr Geld in die eine oder andere Berufsgruppe zu pumpen, sondern mit den bestehenden Ressourcen zu arbeiten.\u201c<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Hoch qualifizierte Fachkr\u00e4fte aus \u00e4rztlichen oder pflegerischem Dienst h\u00e4ngen den Beruf an den Nagel oder bleiben in der Teilzeitfalle stecken, weil sie ihren Beruf nicht mit der Familie vereinbaren k\u00f6nnen. Starre Strukturen in der Kinderbetreuung lassen nicht zu, dass man am g\u00e4ngigen Dienst- und Schichtsystem in den Kliniken teilnimmt. Au\u00dferdem ist in den K\u00f6pfen der grauen Eminenzen leider nach wie vor der Gedanke verankert, dass nur Karriere machen kann, wer sowohl seine gesamte Freizeit als auch seine Familie daf\u00fcr opfert. \u201eDas war bei uns fr\u00fcher auch nicht anders\u201c, h\u00f6rt man, wenn man etwas \u00e4ndern will.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Auch M\u00e4nner, die sich der Verantwortung \u00fcber Familie bewusst sind und \u00fcber eine kurze berufliche Auszeit nachdenken, werden ins Abseits gestellt. Die Konsequenz: Ressourcen liegen brach. Es k\u00f6nnten so viele Menschen zur\u00fcck in den Beruf kommen, wenn die Kinderbetreuung flexibel gestaltet w\u00e4re. Schichtsystem in den Kitas, \u00dcbernachtungspl\u00e4tze, flexible Betreuungsplanung, die man zum Beispiel mit seinem Dienstplan abgleichen k\u00f6nnte (nat\u00fcrlich mit entsprechend Vorlauf), Not-Betreuungspl\u00e4tze, falls man doch mal einspringen muss. Dem gegen\u00fcber steht ein starres Arbeitssystem, in dem viele Vorgesetzte keine Abweichung vom alten Schichtsystem erm\u00f6glichen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In gewisser Weise ist das nat\u00fcrlich verst\u00e4ndlich. Der Krankenhausbetrieb muss laufen und die Patienten m\u00fcssen versorgt werden. Und Home-Office Tage f\u00fcr den Physiotherapeuten machen nat\u00fcrlich keinen Sinn.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Trotzdem: Es braucht kreative L\u00f6sungen f\u00fcr Arbeitszeitmodelle aller Berufsgruppen und hier sind die Krankenhausbetreiber und Arbeitgeber gefragt, in den Dialog mit ihren Angestellten zu gehen, um praktikable L\u00f6sungen zu finden. Ganz klar: Wir wollen unsere Kinder nicht in die 24-Stunden-Kita geben. Aber wir wollen, dass Personaluntergrenzen definiert werden und wir wollen, dass die freien Stellen mit gutem Personal besetzt werden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Was soll noch passieren? Beispiel Notaufnahmen. Die Krankenhausabdeckung in Deutschland ist sehr gut. Wir haben ein System, in dem jeder Mensch zu jeder Tages- und Nachtzeit \u00e4rztliche Hilfe bekommen kann. Leider sind die Notaufnahmen aus verschiedenen Gr\u00fcnden stets heillos \u00fcberf\u00fcllt: Fehlende Haus- und Fach\u00e4rzte, \u00fcberf\u00fcllte Praxen, eine Vielzahl von sozialen Problemen, wie zum Beispiel Einsamkeit und Angst, die die Rettungsstellen auffangen m\u00fcssen. Ferner eine schier unendliche Anzahl von medizinischen Informationen im Internet, die f\u00fcr den medizinischen Laien undurchsichtig sind und f\u00fcr Verunsicherung sorgen. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wenn weniger Patienten in die Notaufnahme gehen, die da nicht hingeh\u00f6ren, k\u00f6nnten wir uns um die wirklich kranken Patienten besser k\u00fcmmern.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wichtig w\u00e4re auch, dass nicht die berufsunerfahrensten Kollegen die Notaufnahmen bedienen, denn dies f\u00fchrt unweigerlich erstens zu Fehlern in der Patientenversorgung und zweitens zu unn\u00f6tigen Aufnahmen ins Krankenhaus, weil Anf\u00e4nger unsicher sind und keine Fehler machen m\u00f6chten. Au\u00dferdem sind Berufsanf\u00e4nger nat\u00fcrlich langsamer bei der Arbeit, was nicht ihre Schuld ist. Wenn Ausbildung und Fortbildung fehlt, kann kein gutes Personal heranwachsen.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Was wir am <br>dringendsten <br>brauchen, ist mehr Zeit!<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wir w\u00fcnschen uns mehr Zeit. Zeit f\u00fcr Fort- und Weiterbildung, Zeit f\u00fcr das Gespr\u00e4ch: zwischen \u00c4rzten und Patienten, \u00c4rzten und Pflegenden, Patienten und Pflegenden, \u00c4rzten und \u00c4rzten. Was sich nach viel Zeitverschwendung anh\u00f6rt, spart am Ende sogar Zeit, weil alle mit den Patienten sicherer umgehen k\u00f6nnen. Und die Patienten sicherer mit ihren Krankheiten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Au\u00dferdem wollen wir einen Facharzt f\u00fcr klinische Notfallmedizin einf\u00fchren. Mehrere Verb\u00e4nde fordern das bereits, wir stehen dahinter. Denn wenn eine erfahrene Person den \u00dcberblick hat, k\u00f6nnen Patienten, die kein Notfall sind, herausgefischt und beispielsweise an eine dem Krankenhaus angegliederte Notfallpraxis weitergeleitet werden. Auch kleinere Verletzungen w\u00e4ren hier gut versorgt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dann sind da noch die Notfallsanit\u00e4ter. Warum l\u00e4sst man sie in manchen Bundesl\u00e4ndern nicht mehr Medizin machen? Sie sind bestens gebildete Fachkr\u00e4fte, die teilweise zum Nichtstun verdammt sind.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Und was ist eigentlich mit dem kassen\u00e4rztlichen Notdienst los? Je nach Bundesland sind die Notdienstpraxen mehr oder weniger gut ausgebaut und vertreten. Nur leider wissen das zu wenige und gehen statt dahin immer weiter in die Notaufnahmen. Das Wissen dar\u00fcber muss also unter die Leute gebracht werden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Genauso wie das Wissen um die eigene Gesundheit! Deshalb setzen wir uns f\u00fcr eine nachhaltige Gesundheitsaufkl\u00e4rung ein, die bereits im Kindergartenalter beginnt. Denn warum kommen junge Eltern mit ihrem Kind zum Arzt, wenn es sich einmal \u00fcbergeben hat? Oder warum besucht ein Patient die Notaufnahme, wenn er seit wenigen Tagen hustet? Aus Unsicherheit und Angst. Weil vorhandenes Wissen der \u201eAlten\u201c nicht mehr weitergegeben wird. Daran m\u00fcssen wir arbeiten! Denn das w\u00fcrde wirklich viel \u00e4ndern.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Schlie\u00dflich haben wir noch ein Ziel, f\u00fcr das wir ehrlicherweise noch keinen L\u00f6sungsvorschlag haben: Wir wollen das DRG-System \u00e4ndern oder am besten gleich ganz abschaffen. Menschen werden darin als \u201eFall\u201c mit Haupt- und Nebendiagnosen klassifiziert.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das erlaubt aber keine vern\u00fcnftige Behandlung der Patienten. Vielmehr sorgt es daf\u00fcr, dass der Mensch nicht mehr als Ganzes gesehen wird. Der Patient erh\u00e4lt eine Prozedur, entsprechend seiner Hauptdiagnose und darf, je nachdem in welche Kategorie er eingeteilt wurde, nach einigen Tagen das Krankenhaus wieder verlassen. Nebendiagnosen, die f\u00fcr den Patienten sehr wohl relevant und wichtig sein k\u00f6nnen, spielen in diesem System kaum eine Rolle.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das f\u00fchrt zum Teil zu sog. \u201eblutigen Entlassungen\u201c, bei denen Patienten zu schnell nach Operationen nach Hause geschickt werden, um die Liegezeiten einzuhalten. Das wiederum hat zur Konsequenz, dass schwierige F\u00e4lle nur noch von gro\u00dfen H\u00e4usern behandelt werden, denn die kleinen Krankenh\u00e4user k\u00f6nnen sich die Behandlung einfach nicht leisten. In den gro\u00dfen H\u00e4usern sorgt das System so f\u00fcr negative Zahlen. Einige Krankenh\u00e4user spezialisieren sich auf wenige Prozeduren, die schnelles Geld einbringen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Folge davon ist, dass mehr unn\u00f6tige Prozeduren gemacht werden. Das hei\u00dft, es entstehen mehr F\u00e4lle, da mehr F\u00e4lle mehr Geld einbringen. Das hei\u00dft aber auch, dass die Arbeitsbelastung steigt. Denn der tats\u00e4chliche Pflegeaufwand, der zum Beispiel durch viele Nebendiagnosen entsteht, wird im DRG-System nicht ber\u00fccksichtigt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Aber das DRG-System kann noch mehr anrichten. Es sorgt insgesamt f\u00fcr einen h\u00f6heren Arbeitsaufwand. Denn man muss die Prozeduren korrekt kodieren. Diese Kodierung ist bares Geld f\u00fcr das Krankenhaus, frisst aber viele Ressourcen. Da das \u00dcberleben der Krankenh\u00e4user mit geschickter Codierung steht und f\u00e4llt, wird hier viel Energie reingesteckt. Das Perfide ist, dass dieser Energieaufwand am Ende Zeit f\u00fcr die Behandlung der Patienten raubt. Noch dazu sind die Personalkosten im DRG-System nicht ausreichend abgebildet. Wir alle wissen aber, dass gen\u00fcgend Zeit entscheidend f\u00fcr eine gute Patientenversorgung ist. Und gen\u00fcgend Zeit kann es nur mit einer kr\u00e4ftigen Personaldecke geben. Die wird aber durch das DRG-System verhindert.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Wer hinter <br>Twankenhaus steht<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Zum Twankenhaus kam es genauso, wie die gro\u00dfe Liebe passiert: ungeplant. Wir haben uns alle irgendwie auf Twitter in unserer \u201e\u00c4rzte-Blase\u201c kennengelernt. Wir waren uns sympathisch, wollten die Gespr\u00e4che \u00fcber die Arbeit ausbauen und beschlossen, einfach mal nachzufragen, wer denn Zeit und Lust habe, sich irgendwann mal irgendwo zu treffen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Einige, insbesondere @kindundkittel und @ninibela sowie @provinzarzt (Anm.: dies sind die Namen auf Twitter) waren von Anfang an sehr engagiert und organisierten ein erstes Treffen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Schlie\u00dflich trafen wir uns in Hamburg. 33 wildfremde Menschen erz\u00e4hlten sich vom Leben und Arbeiten und bemerkten, dass sie auch au\u00dferhalb der Twitter-Blase gut zusammenpassten und sich gegenseitig st\u00fctzen konnten. <br><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>&#8222;Wir redeten \u00fcber die t\u00e4glichen Gegebenheiten und \u00fcber den Frust, der jeden Tag mit zur Arbeit geht. Von der Angst, Patienten k\u00f6nnten zu Schaden kommen. Oder sterben. Von den Sorgen, dass die Ehe durch den Beruf zerst\u00f6rt wird oder von den Sorgen, weil der Beruf die Ehe zerst\u00f6rt hat. Wir wissen alle: Unser Beruf hat Leben auf dem Gewissen \u2013 Patientenleben und das eigene. &#8222;<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wir redeten \u00fcber Missst\u00e4nde und \u00fcber L\u00f6sungsans\u00e4tze. Denn eines m\u00f6chten wir nicht: Nur eine Gruppe von Menschen sein, die nur motzen kann. Wir suchen L\u00f6sungsans\u00e4tze. Da das nicht von heute auf morgen passiert und es das Twankenhaus erst seit einigen Wochen aktiv gibt, arbeiten wir auf Hochtouren daran, unsere Ziele zu definieren. Die meisten von uns sind allerdings lieber anonym in der \u00d6ffentlichkeit unterwegs, aus Sorge um den Arbeitsplatz oder die Schweigepflicht oder den eigenen Ruf.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Andere nehmen jetzt schon am \u00f6ffentlichen Leben teil, wie zum Beispiel Christian L\u00fcbbers. Der bekannte HNO-Arzt mit eigener Praxis in Weilheim ist der Begr\u00fcnder der sogenannten #Globukalypse, einem Hashtag, unter dem sich auf Twitter Argumente gegen den Einsatz von Hom\u00f6opathie sammeln. Er ist ein bekennender Gegner der Hom\u00f6opathie und ein gro\u00dfer Verfechter von evidenzbasierter Medizin. Ein anderes bekanntes Gesicht der \u00f6ffentlichen Meinung ist Christine L\u00f6ber, ebenfalls HNO-\u00c4rztin, die bereits Vortr\u00e4ge \u00fcber die Missst\u00e4nde f\u00fcr junge Mediziner in den Krankenh\u00e4usern sowie Zeitungsinterviews gab, zum Beispiel f\u00fcr den Deutschlandfunk, die \u201eTAZ\u201c und den \u201eSpiegel\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ein weiteres prominentes Mitglied unseres bald eingetragenen Vereins ist @caethan13, ein Facharzt f\u00fcr An\u00e4sthesie und Notfallmediziner, der es \u00fcber einen viral gegangen Thread auf Twitter bis in die Berichte \u00fcberregionaler Zeitungen schaffte. Der Kollege m\u00f6chte allerdings anonym arbeiten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ferner sind wir Blogger wie \u201eKindundkittel\u201c, \u201eKinderdok\u201c, Ulrike Koock alias \u201eSchwesterfraudoktor\u201c, \u201eUnfallchirurginundmutter\u201c, Patientenvertreter (Bettina Frank), Mitglieder von dasFoam (Felix Lorang,) und der Fraktion Gesundheit der \u00c4rztekammer Berlin (Katharina Thiede).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>[!] Das Twankenhaus steht noch ganz am Anfang seiner Arbeit. Wir sind aber der festen \u00dcberzeugung, dass wir viel bewirken k\u00f6nnen, wenn alle Berufsgruppen Hand in Hand arbeiten. Unsere L\u00f6sungsvorschl\u00e4ge sind noch nicht ausgereift, aber wir arbeiten und wachsen daran. Medizin kann nur funktionieren, wenn alle Abteilungen an einem Strang ziehen. Wenn wir ein Team sind. Wirklich und wahrhaftig. So wie auf Twitter. Vielleicht sind wir ja auch eine moderne Gewerkschaft f\u00fcr alle Medizinschaffenden. Eine Graswurzel-Bewegung f\u00fcr eine bessere Medizin von morgen.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Artikel erschien auch bei <a rel=\"noreferrer noopener\" aria-label=\"www.krautreporter.de (opens in a new tab)\" href=\"http:\/\/www.krautreporter.de\" target=\"_blank\">www.krautreporter.de<\/a><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Mehr dazu: Wir wollen das Twankenhaus<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Mehr zum Twankenhaus auf Twitter<br><a rel=\"noreferrer noopener\" aria-label=\" https:\/\/twitter.com\/twankenhaus?lang=de  (opens in a new tab)\" href=\"https:\/\/twitter.com\/twankenhaus?lang=de\" target=\"_blank\"> https:\/\/twitter.com\/twankenhaus?lang=de <\/a><br><br>Kontaktadresse der Autorin:<br><a rel=\"noreferrer noopener\" aria-label=\" (opens in a new tab)\" href=\"mailto:kontakt@schwesterfraudoktor.de\" target=\"_blank\">kontakt@schwesterfraudoktor.de<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Seit Kurzem weht Hoffnung durch die Twitter-Krankenhausflure. 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