{"id":2082,"date":"2019-05-22T09:58:57","date_gmt":"2019-05-22T09:58:57","guid":{"rendered":"https:\/\/oberarzt-heute.de\/?p=2082"},"modified":"2019-05-22T09:59:02","modified_gmt":"2019-05-22T09:59:02","slug":"deutschen-krankenhaeusern-geht-es-wieder-schlechter","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/oberarzt-heute.de\/?p=2082","title":{"rendered":"Deutschen Krankenh\u00e4usern geht es wieder schlechter"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>Die wirtschaftliche Lage deutscher Krankenh\u00e4user war im Jahr 2017 schlechter als im Vorjahr. 12 Prozent lagen im \u201eroten Bereich\u201c mit erh\u00f6hter Insolvenzgefahr. Auch ihre Ertragslage hat sich verschlechtert, wohl auch aufgrund der erstmals gesunkenen Anzahl station\u00e4rer F\u00e4lle. Der damit zusammenh\u00e4ngende Handlungsdruck d\u00fcrfte im n\u00e4chsten Jahrzehnt weiter steigen. Es ist an der Zeit, statt der bestehenden ambulanten und station\u00e4ren Verg\u00fctungssysteme ganzheitliche Verg\u00fctungsmodelle anzustreben. Der eingeschlagene Weg in die Selbstkostendeckung ist allerdings ein Irrweg. Zu diesen und vielen weiteren Ergebnissen kommt die f\u00fcnfzehnte Ausgabe des \u201eKrankenhaus Rating Report\u201c.<!--more--><\/strong><\/p>\n<p><b>Die wichtigsten Ergebnisse:<\/b><\/p>\n<p><b>Status quo<\/b><\/p>\n<ul>\n<li>\n<p>Die wirtschaftliche Lage deutscher Krankenh\u00e4user hat sich im Jahr 2017 verschlechtert. 12 Prozent der Krankenh\u00e4user befanden sich im \u201eroten Bereich\u201c erh\u00f6hter Insolvenzgefahr, 81 Prozent im \u201egr\u00fcnen Bereich\u201c. Im Jahr zuvor lagen noch 7 Prozent im \u201eroten Bereich\u201c und 84 Prozent im \u201egr\u00fcnen Bereich\u201c. Die Ertragslage hat sich 2017 ebenfalls verschlechtert: 28 Prozent der Krankenh\u00e4user schrieben auf Konzernebene einen Jahresverlust, 2016 waren es nur 13 Prozent.<\/p>\n<\/li>\n<li>\n<p>Ausschlaggebend f\u00fcr die schlechtere wirtschaftliche Lage d\u00fcrfte u. a. der R\u00fcckgang der station\u00e4ren Fallzahl im Jahr 2017 um 0,5 Prozent gewesen sein. Gr\u00fcnde hierf\u00fcr sind wohl u. a. die zunehmende Ambulantisierung, der Personalmangel, ein bereits hoher S\u00e4ttigungsgrad bei u. a. kardiologischen und orthop\u00e4dischen Leistungen und intensivere MDK-Pr\u00fcfungen.<\/p>\n<\/li>\n<li>\n<p>Gro\u00dfe Krankenh\u00e4user haben typischerweise ein besseres Rating als kleine, auch ein hoher Grad an Spezialisierung beeinflusst das Rating positiv. Kliniken in freigemeinn\u00fctziger und privater Tr\u00e4gerschaft schneiden besser ab als \u00f6ffentlich- rechtliche Kliniken.<\/p>\n<\/li>\n<li>\n<p>Die Krankenhausstrukturen sind nach wie vor in vielen Regionen ung\u00fcnstig, insbesondere durch hohe Standortdichte, viele kleine Einheiten und eine geringe Spezialisierung. Am schlechtesten f\u00e4llt das Rating in Niedersachsen\/Bremen, Bayern, Hessen und Baden-W\u00fcrttemberg aus, signifikant besser in Ost-Deutschland.<\/p>\n<\/li>\n<\/ul>\n<p><b>Investitionen<\/b><\/p>\n<ul>\n<li>\n<p>Der Strukturfonds erreicht im Wesentlichen seine Ziele, die Mittel des Strukturfonds reichen jedoch nicht aus, um in Deutschland eine optimale Struktur der Krankenh\u00e4user zu erreichen.<\/p>\n<\/li>\n<li>\n<p>Insofern sind seine Aufstockung und Fortf\u00fchrung sinnvoll. Er hat jedoch Verbesserungspotenzial. So w\u00e4re es ordnungspolitisch richtig, daf\u00fcr Steuermittel statt Mittel aus dem Gesundheitsfonds einzusetzen. Zudem lie\u00dfe sich durch wettbewerbliche Elemente eine effizientere Verteilung der knappen Fondsmittel erreichen.<\/p>\n<\/li>\n<\/ul>\n<p><b>Personal<\/b><\/p>\n<ul>\n<li>\n<p>Bei Fortschreibung des Status quo ist bis zum Jahr 2030 eine Nachfrage nach Fachkr\u00e4ften im Gesundheits- und Sozialwesen in H\u00f6he von 4,9 Millionen Vollkr\u00e4ften zu erwarten. Dem st\u00fcnde ein Arbeitsangebot von 3,6 Millionen Vollkr\u00e4ften gegen\u00fcber. Um diese Diskrepanz zu schlie\u00dfen, sollte u. a. die Nachfrage nach Gesundheitsleistungen ged\u00e4mpft und die hohe Teilzeitquote im Gesundheits- und Sozialwesen sowie die steigende Zahl an Fr\u00fchverrentungen in der Gesamtwirtschaft reduziert werden.<\/p>\n<\/li>\n<li>\n<p>Dar\u00fcber hinaus muss der Pflegeberuf attraktiver werden. Dazu m\u00fcssen die Pflegeprofession mehr Verantwortung bekommen und die Pflegenden mit erweiterten Kompetenzen ausgestattet werden. Langfristig sollten au\u00dferdem moderne Technik wie Robotikassistenz und k\u00fcnstliche Intelligenz das Personal im Gesundheitswesen entlasten.<\/p>\n<\/li>\n<li>\n<p>Zudem k\u00f6nnte der Fachkr\u00e4ftemangel durch qualifizierte Zuwanderung gemindert werden. \u00dcber besonders gro\u00dfes Migrationspotenzial verf\u00fcgen Asien, S\u00fcdamerika und teilweise Osteuropa. Dabei geht es nicht nur darum, dass Deutschland die ausl\u00e4ndischen Pflegefachkr\u00e4fte anerkennt, sondern auch darum, dass diese das Jobprofil in Deutschland anerkennen.<\/p>\n<\/li>\n<\/ul>\n<p><b>Projektion<\/b><\/p>\n<ul>\n<li>\n<p>Die Ambulantisierung der Medizin d\u00fcrfte sich beschleunigen. Kurz- und mittelfristig ist kein gro\u00dfes Wachstum der station\u00e4ren Fallzahl zu erwarten. Langfristig d\u00fcrfte sie aufgrund der demografischen Entwicklung trotzdem weiter zunehmen, bis zum Jahr 2025 um etwa 5 Prozent.<\/p>\n<\/li>\n<li>\n<p>Bei Fortschreibung des Status quo, einer weiterhin hohen Grundlohnrate und einem Wachstum der L\u00f6hne wie in der Vergangenheit w\u00fcrde der Anteil der Krankenh\u00e4user im roten Rating-Bereich bis 2025 moderat auf 18 Prozent steigen. Geht man dagegen k\u00fcnftig von einem deutlich geringeren Wachstum der Fallzahlen aus, von einer sinkenden Grundlohnrate und von stark steigenden L\u00f6hnen, bef\u00e4nden sich 2025 40 Prozent der Krankenh\u00e4user im roten Rating-Bereich. W\u00fcrden in diesem Szenario eine Optimierung der Krankenhausstrukturen, Produktivit\u00e4ts- verbesserungen der Krankenh\u00e4user \u2013 insbesondere im Zuge einer st\u00e4rkeren Digitalisierung \u2013 und die Ambulantisierung der Medizin vorangetrieben, k\u00f6nnten 2025 demgegen\u00fcber nur 21 Prozent der Kliniken im roten Rating-Bereich liegen.<\/p>\n<\/li>\n<\/ul>\n<p><b>Verg\u00fctung<\/b><\/p>\n<ul>\n<li>\n<p>Eine der zentralen Reformbaustellen ist die Ver\u00e4nderung der Verg\u00fctungssysteme im Gesundheitswesen. Der jetzt eingeschlagene Weg in die Selbstkostendeckung ist ein Irrweg. Ziel muss vielmehr sein, eine l\u00e4ngst \u00fcberf\u00e4llige sektoren\u00fcbergreifende Versorgung und eine st\u00e4rkere Ambulantisierung der Medizin zu erreichen. Hierzu k\u00f6nnten in so genannten Capitationmodellen f\u00fcr definierte Regionen morbidit\u00e4tsorientierte Regionalbudgets festgelegt werden, die mindestens die ambulante und station\u00e4re Akutversorgung abdecken. Die Leistungserbringer der Region entscheiden dann eigenst\u00e4ndig dar\u00fcber, wie sie das Regionalbudget einsetzen. Die Bev\u00f6lkerung kann Leistungserbringer anderer Regionen aufsuchen, falls sie mit der lokalen Versorgung unzufrieden ist.<\/p>\n<\/li>\n<li>\n<p>Zudem gilt es, die unternehmerischen Handlungsfreiheiten auszuweiten und die Innovationsoffenheit im Gesundheitswesen zu st\u00e4rken. Statt zunehmender Regulierung k\u00f6nnte beispielsweise durch Capitationmodelle die Verantwortung f\u00fcr die Gesundheitsversorgung auf lokale Akteure \u00fcbertragen werden. Krankenh\u00e4user w\u00fcrden sich so hin zu Gesundheitsunternehmen entwickeln, die die Gesamtverantwortung f\u00fcr die Gesundheit der Bev\u00f6lkerung in ihren Regionen \u00fcbernehmen.<\/p>\n<\/li>\n<\/ul>\n<blockquote>\n<p>\u201eWir brauchen neue sektoren\u00fcbergreifende Verg\u00fctungsmodelle\u201c, sagt RWI- Gesundheitsexperte Boris Augurzky. \u201eZudem muss die bestehende L\u00fccke bei der Investitionsfinanzierung der Krankenh\u00e4user geschlossen werden, idealerweise mit Investitionen in nachhaltige Krankenhausstrukturen\u201c, so Augurzky. \u201eOhne Digitalisierung und Zuwanderung ist der Fachkr\u00e4ftebedarf im deutschen Gesundheitswesen nicht zu decken\u201c, erg\u00e4nzt Sebastian Krolop (HIMSS, Healthcare Information and Management Systems Society).<\/p>\n<\/blockquote>\n<p><i>Datengrundlage des \u201eKrankenhaus Rating Report 2019\u201c sind 466 Jahresabschl\u00fcsse von Krankenh\u00e4usern aus dem Jahr 2016 und 84 aus dem Jahr 2017. Sie umfassen insgesamt 877 Krankenh\u00e4user mit einem am Umsatz gemessenen Marktanteil von 70 %. <\/i><\/p>\n<p><em>Quelle: Augurzky\/Krolop\/Mensen\/Pilny\/Schmidt\/Wuckel: Krankenhaus Rating Report 2019. Das Ende des Wachstums? ISBN: 978-3-86216-555-1. medhochzwei Verlag.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die wirtschaftliche Lage deutscher Krankenh\u00e4user war im Jahr 2017 schlechter als im Vorjahr. 12 Prozent lagen im \u201eroten Bereich\u201c mit erh\u00f6hter Insolvenzgefahr. 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