{"id":313,"date":"2015-11-26T11:44:55","date_gmt":"2015-11-26T11:44:55","guid":{"rendered":"http:\/\/oberarztheute.apps-1and1.net\/?p=313"},"modified":"2018-01-12T10:53:07","modified_gmt":"2018-01-12T10:53:07","slug":"urteil-gynaekologe-haftet-nur-fuer-diagnosefehler-nicht-fuer-diagnoseirrtum","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/oberarzt-heute.de\/?p=313","title":{"rendered":"Urteil: Gyn\u00e4kologe haftet nur f\u00fcr Diagnosefehler, nicht aber f\u00fcr Diagnoseirrtum"},"content":{"rendered":"<p class=\"Autorenzeile\"><em>von Rechtsanw\u00e4ltin Henriette Nehse, armedis Rechtsanw\u00e4lte, Hannover<\/em><\/p>\n<p class=\"Grundtext\"><span class=\"balken\">|<\/span> Zieht der Arzt aus vollst\u00e4ndig erhobenen Befunden einen falschen Schluss, so unterliegt er einem Diagnoseirrtum. Hierf\u00fcr muss er nicht haften &#8211; im Gegensatz zu einem Diagnosefehler. Dies stellte das Oberlandesgericht (OLG) Hamm in seinem Urteil vom 29. Mai 2015 klar (Az. 26 U 2\/13, Abruf-Nr. 145442 ). Geklagt hatte eine Patientin. Sie war Mutter geworden, obwohl der Gyn\u00e4kologe ihr eine Spirale eingesetzt hatte. <span class=\"balken\">|<\/span><!--more--><\/p>\n<h2 class=\"Ueberschrift-klein\">Der Sachverhalt<\/h2>\n<p class=\"Grundtext\">Die Patientin, die zwei Jahre nach dem Einsetzen der Spirale eine gesunde Tochter geboren hatte, verklagte den behandelnden Gyn\u00e4kologen. Er h\u00e4tte bei der seinerzeit durchgef\u00fchrten Ultraschallkontrolle eine vorliegende Anomalie einer doppelten Anlage von Vagina und Uterus erkennen m\u00fcssen &#8211; so ihr Vorwurf. Bei dieser Anomalie k\u00f6nne eine Spirale keine verh\u00fctende Wirkung entfalten. Die Patientin verlangte ein Schmerzensgeld von 5.000 Euro, einen Verdienstausfall von rund 28.000 Euro sowie Unterhalts- und Betreuungskosten f\u00fcr die Tochter bis zum Eintritt ihrer Vollj\u00e4hrigkeit.<\/p>\n<h2 class=\"Ueberschrift-klein\">Die Entscheidung<\/h2>\n<p class=\"Grundtext\">Im Berufungsverfahren gab das OLG dem Gyn\u00e4kologen Recht und wies die Klage ab. Der Gyn\u00e4kologe habe alle Untersuchungen vorgenommen, die nach dem medizinischen Standard beim Einsetzen der Spirale geboten gewesen seien. Insofern habe kein Befunderhebungsfehler vorgelegen. F\u00fcr die vorliegende Anomalie h\u00e4tten zuvor keine Hinweise bestanden, sodass der Gyn\u00e4kologe hiernach nicht habe fahnden m\u00fcssen, so die Richter.<\/p>\n<p class=\"Grundtext\">Auch liege kein Diagnosefehler vor. Ein Arzt, der aus vollst\u00e4ndig erhobenen Befunden einen falschen Schluss ziehe, unterliege lediglich einem Diagnoseirrtum. Dieser sei aber nicht haftungsbegr\u00fcndend &#8211; im Gegensatz zu einem Diagnosefehler. Ein solcher Diagnosefehler komme jedoch nur dann infrage, wenn die Diagnose im Zeitpunkt der medizinischen Behandlung aus der Sicht eines gewissenhaften Arztes medizinisch nicht vertretbar sei.<\/p>\n<p class=\"Grundtext\">Im entschiedenen Fall sei ein Diagnosefehler nicht feststellbar gewesen. Denn die Anomalie der Patientin sei extrem selten und zudem wegen der meist eng an der Seitenwand anliegenden trennenden Membran bei einer Spiegelung h\u00e4ufig nicht zu erkennen. S\u00e4mtliche fr\u00fcheren Bildgebungen h\u00e4tten au\u00dferdem keine Anhaltspunkte f\u00fcr die Anomalie ergeben.<\/p>\n<div class=\"tabelle_scroll\">\n<table class=\"basis-tabelle\" width=\"100%\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"05\">\n<tbody>\n<tr>\n<td class=\"Kasteninhalt\" colspan=\"1\" rowspan=\"1\">\n<blockquote><p><b>PRAXISHINWEIS | <\/b> Das Urteil ist eine Einzelfallentscheidung! Es bleibt dabei: Der Bereich der Befunderhebung ist wegen einer m\u00f6glichen Beweislastumkehr zugunsten des Patienten f\u00fcr den Arzt vor Gericht besonders relevant!<\/p><\/blockquote>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Rechtsanw\u00e4ltin Henriette Nehse, armedis Rechtsanw\u00e4lte, Hannover | Zieht der Arzt aus vollst\u00e4ndig erhobenen Befunden einen falschen Schluss, so unterliegt er einem Diagnoseirrtum. 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