{"id":378,"date":"2016-01-27T16:03:51","date_gmt":"2016-01-27T16:03:51","guid":{"rendered":"http:\/\/oberarztheute.apps-1and1.net\/?p=378"},"modified":"2017-11-27T16:05:56","modified_gmt":"2017-11-27T16:05:56","slug":"vermeiden-sie-haftungsfolgen-die-5-schlimmsten-fehler-bei-der-aufklaerung-von-patienten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/oberarzt-heute.de\/?p=378","title":{"rendered":"Vermeiden Sie Haftungsfolgen! Die 5 schlimmsten Fehler bei der Aufkl\u00e4rung von Patienten"},"content":{"rendered":"<p class=\"Autorenzeile\"><em>von Rainer Hellweg, Fachanwalt f\u00fcr Medizinrecht, armedis Rechtsanw\u00e4lte, Hannover, <\/em><a href=\"http:\/\/www.armedis.de\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><em>www.armedis.de<\/em><\/a><\/p>\n<p class=\"Grundtext\"><strong>Im Klinikalltag f\u00e4llt es \u00c4rzten manchmal schwer, sich f\u00fcr pr\u00e4operative Aufkl\u00e4rungsgespr\u00e4che die notwendige Zeit zu nehmen und den rechtlichen Anforderungen zu entsprechen. Gerade durch formale Fehler wird aber Patienten die M\u00f6glichkeit \u201eauf dem Tablett serviert\u201c, Haftungsanspr\u00fcche zu verfolgen. Was sind die 5 schlimmsten Aufkl\u00e4rungsfehler &#8211; und wie kann sie der Arzt vermeiden? <span class=\"balken\">|<\/span><\/strong><!--more--><\/p>\n<h2 class=\"Ueberschrift-mittel\">Fehler 1: \u201eDer Assistenzarzt wird es schon richten!\u201c<\/h2>\n<p class=\"Grundtext\">Bei der pr\u00e4operativen Aufkl\u00e4rung muss zun\u00e4chst derjenige Arzt aufkl\u00e4ren, der den Eingriff dann auch vornimmt. Eine Delegation an einen anderen Arzt ist jedoch grunds\u00e4tzlich m\u00f6glich &#8211; und wird praktisch meist so gehandhabt.<\/p>\n<p class=\"Grundtext\">\n<p class=\"Grundtext\">Wenn dieser andere Arzt unzureichend aufkl\u00e4rt, kann sich der nicht selbst aufkl\u00e4rende Operateur aber nicht ohne Weiteres auf Unkenntnis oder Vertrauensschutz berufen. Ihn treffen vielmehr eigene Kontrollpflichten. Bei Aufkl\u00e4rungsfehlern kann es zu einer Haftung sowohl des mangelhaft aufkl\u00e4renden als auch des sp\u00e4ter operierenden Arztes kommen. Der die Operation durchf\u00fchrende Oberarzt ist also nicht von der Haftung befreit, wenn das zuvor durch den Assistenzarzt gef\u00fchrte Aufkl\u00e4rungsgespr\u00e4ch fehlerhaft erfolgte.<\/p>\n<p class=\"Grundtext\">\n<div class=\"tabelle_scroll\">\n<table class=\"basis-tabelle\" width=\"100%\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"05\">\n<tbody>\n<tr>\n<td class=\"Kastenueberschrift\" colspan=\"1\" rowspan=\"1\">\n<div class=\"Ueberschrift-klein\">\n<ul class=\"gross\">\n<li>Beispielsfall des Oberlandesgericht (OLG) Koblenz<\/li>\n<\/ul>\n<\/div>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td class=\"KastenPurZelle\" colspan=\"1\" rowspan=\"1\">\n<div class=\"Grundtext-Kasten\">\n<p>In einem vom OLG Koblenz entschiedenen Fall ging es um eine unfallchirurgische Umstellungsosteotomie. Hierbei wurden der Patientin weite Teile des Innenmeniskus des linken Kniegelenks entfernt. Es kam zu einer Sch\u00e4digung des Nervus peroneus. \u00dcber dieses Risiko war die Patientin in dem vom Assistenzarzt gef\u00fchrten pr\u00e4operativen Aufkl\u00e4rungsgespr\u00e4ch nicht hinreichend aufgekl\u00e4rt worden (Urteil vom 12.2.2009, Az. 5 U 927\/06, Abruf-Nr. <a href=\"http:\/\/www.iww.de\/oh\/quellenmaterial\/abrufnummer\/144066\">144066<\/a>).<\/p>\n<\/div>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/div>\n<p class=\"Grundtext\">Das Gericht bejahte eine Haftung sowohl des operierenden Oberarztes als auch des Chefarztes; zudem muss auch der Kliniktr\u00e4ger haften. Die Haftung des Chefarztes wurde allein mit dem Gesichtspunkt des Organisationsverschuldens begr\u00fcndet. Der Chefarzt konnte im Prozess nicht zu seiner Entlastung darlegen, welche organisatorischen Ma\u00dfnahmen er ergriffen hat, um eine ordnungsgem\u00e4\u00dfe Aufkl\u00e4rung sicherzustellen &#8211; so das Gericht.<\/p>\n<h2 class=\"Ueberschrift-mittel\">Fehler 2: \u201eDer Patient wird es schon verstanden haben &#8230;\u201c<\/h2>\n<p class=\"Grundtext\">Der Arzt, der das Aufkl\u00e4rungsgespr\u00e4ch f\u00fchrt, muss sicherstellen, dass der Patient ihn auch zweifelsfrei verstanden hat. Dies gilt zum einen in sprachlicher Hinsicht, zum anderen aber auch intellektuell.<\/p>\n<div class=\"tabelle_scroll\">\n<table class=\"basis-tabelle\" width=\"100%\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"05\">\n<tbody>\n<tr>\n<td class=\"Kastenueberschrift\" colspan=\"1\" rowspan=\"1\">\n<blockquote>\n<div class=\"Ueberschrift-klein\">\n<ul class=\"gross\">\n<li>Beispielsfall des OLG Karlsruhe<\/li>\n<\/ul>\n<\/div>\n<\/blockquote>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td class=\"KastenPurZelle\" colspan=\"1\" rowspan=\"1\">\n<blockquote>\n<div class=\"Grundtext-Kasten\">\n<p>Dem Urteil des OLG Karlsruhe vom 19. M\u00e4rz 1997 (Az. 13 U 42\/96) lag ein Fall zugrunde, in dem eine Patientin wegen einer Magenausgangsstenose bei rezidivierenden Zw\u00f6lffingerdarmgeschw\u00fcren operiert werden musste.<\/p>\n<p>Im Verlauf der Resektion des Magens mit einer Stenose nach Billroth\u00a0I wurde der Ductus choledochus durchtrennt. Zwar wurde dies intraoperativ bemerkt und konnte versorgt werden. Nachfolgend waren jedoch zahlreiche Revisionsoperationen erforderlich, die erhebliche Sp\u00e4tsch\u00e4den bei der Patientin verursachten.<\/p>\n<\/div>\n<\/blockquote>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p class=\"Grundtext\">Die Patientin war vom Assistenzarzt aufgekl\u00e4rt worden. Dieser hatte das Merkblatt zum Aufkl\u00e4rungsgespr\u00e4ch verwendet. Die Patientin war T\u00fcrkin und sprach nur sehr schlecht Deutsch, wor\u00fcber der Assistenzarzt hinwegging &#8211; er zog keinen Dolmetscher beim Gespr\u00e4ch hinzu. Das OLG Karlsruhe verurteilte sowohl den Assistenzarzt als auch den Operateur.<\/p>\n<h2 class=\"Ueberschrift-mittel\">Fehler 3: \u201eNur ein Elternteil muss einwilligen!\u201c<\/h2>\n<p class=\"Grundtext\">Bei minderj\u00e4hrigen Patienten gelten besondere rechtliche Anforderungen im Hinblick auf die vorzunehmende Aufkl\u00e4rung: Wichtig ist dabei zun\u00e4chst, dass die \u00e4rztliche Aufkl\u00e4rung gegen\u00fcber dem richtigen Adressaten erfolgt. F\u00fcr nicht einwilligungsf\u00e4hige Minderj\u00e4hrige gilt: Es m\u00fcssen die Eltern aufgekl\u00e4rt werden; deren Einwilligung ist einzuholen. In aller Regel betrifft dies alle Patienten im Alter von unter 14 Jahren, denen die Rechtsprechung nur in absoluten Ausnahmef\u00e4llen Einwilligungsf\u00e4higkeit zuerkennt.<\/p>\n<p class=\"Grundtext\">\n<h2 class=\"Ueberschrift-klein\">Leichte F\u00e4lle: Einwilligung eines Elternteils reicht meist<\/h2>\n<p class=\"Grundtext\">In der t\u00e4glichen Praxis werden Kinder h\u00e4ufig nur von einem Elternteil in die Klinik begleitet. Hier ist Vorsicht geboten: Der aufkl\u00e4rende Arzt muss dann beurteilen, inwieweit dieser Elternteil den nicht anwesenden Elternteil bei der Einwilligung juristisch mit vertreten kann. Hierauf kann man nach der Rechtsprechung bei leichten Eingriffen und Routinef\u00e4llen wie z.\u00a0B. unproblematischen Medikamentengaben regelm\u00e4\u00dfig vertrauen.<\/p>\n<p class=\"Grundtext\">\n<h2 class=\"Ueberschrift-klein\">Schwere F\u00e4lle: Beide Elternteile sollten zustimmen<\/h2>\n<p class=\"Grundtext\">Bei schweren Eingriffen und weitreichenden Entscheidungen aber ist es grunds\u00e4tzlich erforderlich, auch den nicht erschienenen Elternteil im Rahmen der Aufkl\u00e4rung und Einwilligung zu beteiligen.<\/p>\n<p class=\"Grundtext\">\n<div class=\"tabelle_scroll\">\n<table class=\"basis-tabelle\" width=\"100%\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"05\">\n<tbody>\n<tr>\n<td class=\"Kasteninhalt\" colspan=\"1\" rowspan=\"1\">\n<blockquote><p><b>PRAXISHINWEIS | <\/b> Eine Ausnahme von der \u201edoppelten\u201c Einwilligung gilt nur dann, wenn der nicht erschienene Elternteil gegen\u00fcber dem Arzt auf die Einwilligung vorbehaltlos verzichtet. Dies kann der aufkl\u00e4rende Arzt z. B. durch ein Telefonat sicherstellen. Er sollte auf jeden Fall daf\u00fcr sorgen, dass dies in der Akte auch dokumentiert wird.<\/p><\/blockquote>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p class=\"Grundtext\">In Zweifelsf\u00e4llen sollte der aufkl\u00e4rende Arzt jedoch darauf bestehen, dass sich beide Elternteile gemeinsam vorstellen und ausdr\u00fccklich pr\u00e4operativ einwilligen. Nur so kann Rechtssicherheit erreicht werden.<\/p>\n<h2 class=\"Ueberschrift-mittel\">Fehler 4: \u201eAb 14 kann der Patient allein entscheiden\u201c<\/h2>\n<p class=\"Grundtext\">Die Einwilligung der Eltern ist erst dann nicht mehr erforderlich, wenn der minderj\u00e4hrige Patient selbst die erforderliche Einwilligungsf\u00e4higkeit besitzt. In der Altersstufe zwischen dem 14. und dem 18. Lebensjahr kommt es darauf an, ob der Minderj\u00e4hrige die erforderliche Einsichts- und Urteilsf\u00e4higkeit \u00fcber Bedeutung und Tragweite des geplanten Eingriffs und der konkreten Behandlung besitzt. Hierf\u00fcr ist eine Nutzen-Risiko-Abw\u00e4gung erforderlich, die der Minderj\u00e4hrige vornehmen k\u00f6nnen muss.<\/p>\n<p class=\"Grundtext\">\n<p class=\"Grundtext\">Somit kann ein 16-j\u00e4hriger Patient einwilligungsf\u00e4hig sein &#8211; muss es aber nicht. Das Risiko, die Einwilligungsf\u00e4higkeit falsch zu beurteilen, tr\u00e4gt der Arzt. Dies ist mit Blick auf einen sp\u00e4teren Prozess nicht zu untersch\u00e4tzen.<\/p>\n<p class=\"Grundtext\">\n<div class=\"tabelle_scroll\">\n<table class=\"basis-tabelle\" width=\"100%\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"05\">\n<tbody>\n<tr>\n<td class=\"Kasteninhalt\" colspan=\"1\" rowspan=\"1\">\n<blockquote><p><b>PRAXISHINWEIS | <\/b> Im Zweifel sollte der Arzt daher so vorgehen: Zus\u00e4tzlich zur Einwilligung des minderj\u00e4hrigen Patienten selbst l\u00e4sst er die Eltern ausdr\u00fccklich zustimmen. Dies gilt vor allem, wenn der Eingriff aufgeschoben werden kann.<\/p><\/blockquote>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p class=\"Grundtext\">Wenn sich im Konfliktfall die Einwilligung des einsichtsf\u00e4higen Minderj\u00e4hrigen und die Ablehnung des gesetzlichen Vertreters gegen\u00fcberstehen, sollte die Sache zun\u00e4chst juristisch gekl\u00e4rt werden &#8211; etwa durch die Anrufung des Vormundschaftsgerichts. Im Notfall kann nicht so lange gewartet werden.<\/p>\n<h2 class=\"Ueberschrift-mittel\">Fehler 5: \u201eDer Patient verzichtet auf die Aufkl\u00e4rung\u201c<\/h2>\n<p class=\"Grundtext\">Selbst wenn der Patient explizit erkl\u00e4rt, auf das m\u00fcndliche Aufkl\u00e4rungsgespr\u00e4ch vor dem operativen Eingriff verzichten zu wollen, ist Vorsicht geboten! Zwar ist es juristisch denkbar, dass der Patient wirksam auf das Aufkl\u00e4rungsgespr\u00e4ch verzichtet hat. Dies erfordert allerdings, dass der Patient<\/p>\n<ul class=\"gross q0\">\n<li>deutlich und unmissverst\u00e4ndlich den Verzicht erkl\u00e4rt und<\/li>\n<li>hierf\u00fcr die erforderliche Einsichtsf\u00e4higkeit hat.<\/li>\n<\/ul>\n<p class=\"Grundtext\">Letzteres setzt voraus, dass der Patient einsch\u00e4tzen kann, um welchen Eingriff es sich handelt, ob er erforderlich ist und worin die Risiken bestehen. Dies kann etwa dann der Fall sein, wenn der Patient genau die gleiche Operation schon einmal hat vornehmen lassen und zuvor aufgekl\u00e4rt worden ist.<\/p>\n<p class=\"Grundtext\">Bleiben hier Zweifel, ist der Aufkl\u00e4rungsverzicht juristisch unwirksam. Dies geht zulasten desjenigen Arztes, der den Eingriff vornimmt. Daher ist zu empfehlen, dass auch bei unkooperativen Patienten zumindest eine \u201eGrundaufkl\u00e4rung\u201c \u00fcber die wesentlichen Risiken der Operation vorgenommen wird.<\/p>\n<div class=\"tabelle_scroll\">\n<table class=\"basis-tabelle\" width=\"100%\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"05\">\n<tbody>\n<tr>\n<td class=\"Kasteninhalt\" colspan=\"1\" rowspan=\"1\">\n<blockquote><p><b>PRAXISHINWEIS | <\/b> Wenn eine \u201eGrundaufkl\u00e4rung\u201c vorgenommen wird oder der Patient auf die Aufkl\u00e4rung verzichtet, sollte dies im Aufkl\u00e4rungsformular festgehalten werden. Der Arzt sollte sich die Passage vom Patienten gegenzeichnen lassen. Bei besonders schwierigen Patienten sollte der Arzt zudem Zeugen hinzuziehen, die das Aufkl\u00e4rungsgespr\u00e4ch begleiten.<\/p><\/blockquote>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Rainer Hellweg, Fachanwalt f\u00fcr Medizinrecht, armedis Rechtsanw\u00e4lte, Hannover, www.armedis.de Im Klinikalltag f\u00e4llt es \u00c4rzten manchmal schwer, sich f\u00fcr pr\u00e4operative Aufkl\u00e4rungsgespr\u00e4che die notwendige Zeit zu nehmen und den rechtlichen Anforderungen zu entsprechen. 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