{"id":417,"date":"2016-03-28T08:55:26","date_gmt":"2016-03-28T08:55:26","guid":{"rendered":"http:\/\/oberarztheute.apps-1and1.net\/?p=417"},"modified":"2020-02-04T12:10:51","modified_gmt":"2020-02-04T12:10:51","slug":"krankenhausverguetung-was-sie-als-oberarzt-zur-neuen-bsg-rechtsprechung-wissen-sollten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/oberarzt-heute.de\/?p=417","title":{"rendered":"Krankenhausverg\u00fctung: Was Sie als Oberarzt zur neuen BSG-Rechtsprechung wissen sollten"},"content":{"rendered":"<p class=\"Autorenzeile\"><em>von Dr. Kyrill Makoski, Fachanwalt f\u00fcr Medizinrecht, M\u00f6ller und Partner, D\u00fcsseldorf, <\/em><em>www.m-u-p.info<\/em><\/p>\n<p class=\"Grundtext\"><strong>Seit dem vergangenen Jahr hat das Bundessozialgericht (BSG) mehrere Entscheidungen getroffen, die erhebliche Auswirkungen auf die Verg\u00fctung der Krankenhausbehandlung haben. Dabei hat es mit der bisherigen Rechtsprechung gebrochen oder zus\u00e4tzliche Voraussetzungen aufgestellt, die sich dem Gesetz so nicht entnehmen lassen. Die Auswirkungen der neuen BSG-Rechtsprechung treffen mittelbar auch Ober\u00e4rzte.\u00a0<\/strong><!--more--><\/p>\n<h2 class=\"Ueberschrift-mittel\">Wann werden F\u00e4lle zusammen abgerechnet?<\/h2>\n<p class=\"Grundtext\">Einige BSG-Entscheidungen sind auch zu der Frage ergangen, wann die Bedingungen f\u00fcr eine Fallzusammenf\u00fchrung vorliegen. Grunds\u00e4tzlich ist diese Frage in der Fallpauschalen-Vereinbarung (FPV) geregelt. Demnach ist die gesamte Behandlung zusammen abzurechnen, wenn der Patient kurz nach der Entlassung erneut in das Krankenhaus aufgenommen wird. \u00a7 2 FPV enth\u00e4lt hierzu verschiedene Konstellationen, in denen die Behandlung zusammenzufassen ist:<\/p>\n<p class=\"Grundtext\">\n<div class=\"tabelle_scroll\">\n<table class=\"basis-tabelle\" width=\"100%\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"05\">\n<tbody>\n<tr>\n<td class=\"Kastenueberschrift\" colspan=\"1\" rowspan=\"1\">\n<ul class=\"gross\">\n<li>Varianten der Fallzusammenf\u00fchrung nach \u00a7 2 FPV<\/li>\n<\/ul>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td class=\"KastenPurZelle\" colspan=\"1\" rowspan=\"1\">\n<div class=\"Grundtext-Kasten\">\n<ul class=\"gross q0\">\n<li>Wenn der Patient innerhalb der oberen Grenzverweildauer aufgenommen wird und beide Behandlungen in dieselbe Basis-DRG eingestuft werden (\u00a7 2 Abs. 1 FPV)<\/li>\n<\/ul>\n<\/div>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td class=\"KastenPurZelle\" colspan=\"1\" rowspan=\"1\">\n<div class=\"Grundtext-Kasten\">\n<ul class=\"gross q0\">\n<li>Wenn der Patient<\/li>\n<\/ul>\n<ul class=\"gross q1\">\n<li>\n<ul class=\"klein\">\n<li>innerhalb von 30 Tagen nach der Erstaufnahme erneut aufgenommen wird<\/li>\n<\/ul>\n<\/li>\n<\/ul>\n<ul class=\"gross q1\">\n<li>\n<ul class=\"klein\">\n<li>und die abrechenbaren Fallpauschalen innerhalb derselben Hauptdiagnosegruppe liegen<\/li>\n<\/ul>\n<\/li>\n<\/ul>\n<ul class=\"gross q1\">\n<li>\n<ul class=\"klein\">\n<li>und der erste Aufenthalt mit einer \u201eMedizinischen Partition\u201c sowie der zweite Aufenthalt mit einer \u201eoperativen Partition\u201c eingruppiert wird, um zum Beispiel eine Trennung von Voruntersuchung und Operation zu vermeiden (\u00a7 2 Abs. 2 FPV)<\/li>\n<\/ul>\n<\/li>\n<\/ul>\n<\/div>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td class=\"KastenPurZelle\" colspan=\"1\" rowspan=\"1\">\n<div class=\"Grundtext-Kasten\">\n<ul class=\"gross q0\">\n<li>Wenn der Patient wegen einer in den Verantwortungsbereich des Krankenhauses fallenden Komplikation innerhalb der oberen Grenzverweildauer wieder aufgenommen wird (\u00a7 2 Abs. 3 FPV)<\/li>\n<\/ul>\n<\/div>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/div>\n<p class=\"Grundtext\">Eine zwischenzeitliche Unterbrechung der Behandlung f\u00fchrt dazu, dass der gesamte Aufenthalt nur als ein Fall abzurechnen ist.<\/p>\n<h2 class=\"Ueberschrift-mittel\">Fallzusammenf\u00fchrung: BSG nennt neue Voraussetzungen<\/h2>\n<p class=\"Grundtext\">Das BSG hat nun das Wirtschaftlichkeitsgebot des \u00a7 <a class=\"dejure\" title=\"\u00a7 12 SGB V: Wirtschaftlichkeitsgebot\" href=\"http:\/\/dejure.org\/gesetze\/SGB_V\/12.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">12<\/a> SGB V betont und daraus abgeleitet, dass auch in anderen F\u00e4llen eine Zusammenf\u00fchrung der Behandlungen stattfinden muss &#8211; etwa in allen F\u00e4llen, in denen schon bei der ersten Entlassung des Patienten klar ist, dass eine zweite Behandlung stattfinden muss, und die Summe der Verg\u00fctung f\u00fcr die beiden einzelnen F\u00e4lle h\u00f6her ist als die Abrechnung allein eines Falls nach einer Zusammenf\u00fchrung. Liegen diese Voraussetzungen vor, muss das Krankenhaus die Behandlung so organisieren, dass sie m\u00f6glichst kosteng\u00fcnstig erfolgt.<\/p>\n<p class=\"Grundtext\">\n<div class=\"tabelle_scroll\">\n<table class=\"basis-tabelle\" width=\"100%\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"05\">\n<tbody>\n<tr>\n<td class=\"Kastenueberschrift\" colspan=\"1\" rowspan=\"1\">\n<div class=\"Ueberschrift-klein\">\n<ul class=\"gross\">\n<li>Beispiel<\/li>\n<\/ul>\n<\/div>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td class=\"KastenPurZelle\" colspan=\"1\" rowspan=\"1\">\n<div class=\"Grundtext-Kasten\">\n<p>Ist schon vor der Entlassung klar, dass ein Revisionseingriff erforderlich sein wird (z. B. wegen der Nichteinhaltung des Sicherheitsabstands bei einer Krebsresektion), dann darf das Krankenhaus den Patienten nicht entlassen; vielmehr muss es die Behandlung so organisieren, dass in einem Aufenthalt alle notwendigen Eingriffe durchgef\u00fchrt werden k\u00f6nnen (<a class=\"externtrue\" href=\"https:\/\/www.iww.de\/oh\/quellenmaterial\/id\/151340\">BSG, Urteil vom 1.7.2014, Az. B 1 KR 62\/12 R,<\/a> Abruf-Nr. <a href=\"https:\/\/www.iww.de\/oh\/quellenmaterial\/abrufnummer\/142567\">142567<\/a>).<\/p>\n<\/div>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p class=\"Grundtext\">Mit dieser Rechtsprechung hat sich das BSG abgesetzt von seinen bisherigen Urteilen, in denen es bei Abrechnungsregelungen auf den klaren Wortlaut abstellt &#8211; was von den Untergerichten mehrfach kritisiert worden war. Allerdings hat das BSG seine aktuelle Rechtsprechung inzwischen schon mehrfach bekr\u00e4ftigt &#8211; so etwa in Urteilen vom 10. M\u00e4rz 2015 (Az. B 1 KR 3\/15 R) und vom 21. April 2015 (Az. B 1 KR 6\/15 R).<\/p>\n<p class=\"Grundtext\">Hiermit hat sich das BSG das erste Mal von der Abrechnung nach dem tats\u00e4chlichen Behandlungsablauf gel\u00f6st; vielmehr ist auf den virtuellen \u201ewirtschaftlicheren\u201c Behandlungsablauf abzustellen. Dies bringt f\u00fcr die Krankenh\u00e4user erhebliche Probleme mit sich, da nun schon bei der Planung der Behandlung auch die Abrechnungsregelungen einbezogen werden m\u00fcssen.<\/p>\n<h2 class=\"Ueberschrift-mittel\">Aufwandspauschale bei Abrechnungspr\u00fcfungen<\/h2>\n<p class=\"Grundtext\">\u00a7 <a class=\"dejure\" title=\"\u00a7 275 SGB V: Begutachtung und Beratung\" href=\"http:\/\/dejure.org\/gesetze\/SGB_V\/275.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">275<\/a> Abs. 1 S. 1 Nr. 1 SGB V sieht vor, dass die Krankenkassen \u201ebei Erbringung von Leistungen, insbesondere zur Pr\u00fcfung von Voraussetzungen, Art und Umfang der Leistung, sowie bei Auff\u00e4lligkeiten zur Pr\u00fcfung der ordnungsgem\u00e4\u00dfen Abrechnung\u201c den Medizinischen Dienst der Krankenversicherung (MDK) einzuschalten haben. Die Einleitung der Pr\u00fcfung durch den MDK ist dem Krankenhaus gem\u00e4\u00df \u00a7 <a class=\"dejure\" title=\"\u00a7 275 SGB V: Begutachtung und Beratung\" href=\"http:\/\/dejure.org\/gesetze\/SGB_V\/275.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">275<\/a> Abs. 1c SGB V innerhalb von sechs Wochen nach Rechnungseingang anzuzeigen.<\/p>\n<p class=\"Grundtext\">Bleibt die Pr\u00fcfung erfolglos, hat die Krankenkasse dem Krankenhaus eine Aufwandspauschale von 300 Euro zu zahlen. Die Einzelheiten des Pr\u00fcfverfahrens sind derzeit in einer Pr\u00fcfvereinbarung nach \u00a7 17c Abs. 2 Krankenhausgesetz geregelt. Diese Pr\u00fcfvereinbarung wurde vonseiten der Kliniken zum Jahresende 2015 gek\u00fcndigt.<\/p>\n<h2 class=\"Ueberschrift-klein\">Verschiebung der Schwerpunkte durch das BSG<\/h2>\n<p class=\"Grundtext\">Auch in diesem Bereich hat das BSG in verschiedenen Entscheidungen seinen Schwerpunkt verschoben. So ist das Pr\u00fcfverfahren nach \u00a7 <a class=\"dejure\" title=\"\u00a7 275 SGB V: Begutachtung und Beratung\" href=\"http:\/\/dejure.org\/gesetze\/SGB_V\/275.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">275<\/a> Abs. 1 Nr.\u00a01 SGB V bei der sachlichen oder rechnerischen Pr\u00fcfung von Einzelf\u00e4llen nicht anwendbar, sondern nur noch, wenn Auff\u00e4lligkeiten gepr\u00fcft werden; auch nur in diesen F\u00e4llen kann sich das Krankenhaus auf die Ausschlussfrist von sechs Wochen berufen (BSG, Urteile vom 23.6.2015, u.a. Az. <a class=\"dejure\" title=\"BSG, 23.06.2015 - B 1 KR 13\/14 R\" href=\"http:\/\/dejure.org\/dienste\/vernetzung\/rechtsprechung?Text=B%201%20KR%2013\/14%20R\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">B\u00a01 KR 13\/14 R<\/a>). Dies betrifft insbesondere die Fragen der richtigen Kodierung, also ob bestimmte Haupt- oder Nebendiagnosen zu Recht angesetzt wurden oder ob die Voraussetzungen f\u00fcr die Abrechnung bestimmter Operationscodes oder Zusatzentgelte gegeben waren.<\/p>\n<h2 class=\"Ueberschrift-klein\">Wann wird die Aufwandspauschale f\u00e4llig, wann nicht?<\/h2>\n<p class=\"Grundtext\">Die Aufwandspauschale wird nur noch dann f\u00e4llig, wenn der Pr\u00fcfauftrag der Krankenkasse an den MDK auch das Ziel hatte, den Abrechnungsbetrag zu verringern. Allerdings wird dieses Ziel regelm\u00e4\u00dfig vorhanden sein (siehe BSG-Urteil vom 23.6.2014, Az. <a class=\"dejure\" title=\"BSG, 23.06.2015 - B 1 KR 24\/14 R\" href=\"http:\/\/dejure.org\/dienste\/vernetzung\/rechtsprechung?Text=B%201%20KR%2024\/14%20R\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">B 1 KR 24\/14 R<\/a>).<\/p>\n<p class=\"Grundtext\">Verursacht das Krankenhaus die Abrechnungspr\u00fcfung durch fehlerhafte Daten\u00fcbermittlung, dann wird die Aufwandspauschale ebenfalls nicht f\u00e4llig (BSG, Urteile vom 10.3.2015, Az. B 1 KR 4\/15 R und vom 23.6.2015, Az. B 1 KR 24\/14 R). Hat das Krankenhaus mit der Pr\u00fcfung keinen Aufwand &#8211; z. B. weil der MDK keine Unterlagen anfordert -, kann es auch keine Pauschale verlangen.<\/p>\n<p class=\"Grundtext\">Werden im Rahmen der Pr\u00fcfung zwei Aufenthalte gepr\u00fcft &#8211; etwa wegen einer Fallzusammenf\u00fchrung -, dann besteht nur einmal Anspruch auf die Aufwandspauschale (BSG-Urteile vom 23.6.2015, Az. B 1 KR 23\/14 R und Az. <a class=\"dejure\" title=\"BSG, 23.06.2015 - B 1 KR 17\/14 R\" href=\"http:\/\/dejure.org\/dienste\/vernetzung\/rechtsprechung?Text=B%201%20KR%2017\/14%20R\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">B 1 KR 17\/14 R<\/a>).<\/p>\n<div class=\"tabelle_scroll\">\n<table class=\"basis-tabelle\" width=\"100%\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"05\">\n<tbody>\n<tr>\n<td class=\"Kasteninhalt\" colspan=\"1\" rowspan=\"1\">\n<blockquote><p><b>PRAXISHINWEIS | <\/b> Diese Rechtsprechung wurde zwar verschiedentlich kritisiert, durch die Urteile vom 23. Juni 2015 hat das BSG aber klargestellt, dass es sich von der Kritik nicht beeinflussen l\u00e4sst.<\/p><\/blockquote>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/div>\n<h2 class=\"Ueberschrift-mittel\">Ausblick<\/h2>\n<p class=\"Grundtext\">Im Rahmen des Gesetzgebungsverfahrens zum Krankenhaus-Strukturgesetz arbeiten die Krankenhausverb\u00e4nde darauf hin, dass der Gesetzgeber seinen urspr\u00fcnglich schon vorhandenen Willen noch deutlicher formuliert und damit die Rechtsprechung des BSG ausgehebelt wird. Ob diese Bem\u00fchungen erfolgreich sein werden, ist offen.<\/p>\n<p class=\"Grundtext\">Bis zu einer gesetzlichen Klarstellung ist nicht nur damit zu rechnen, dass die Krankenkassen die meisten Rechnungen wegen der Aufwandspauschale nicht ausgleichen; teilweise werden auch bereits gezahlte Aufwandspauschalen f\u00fcr die vergangenen vier Jahre zur\u00fcckgefordert.<\/p>\n<div class=\"tabelle_scroll\">\n<table class=\"basis-tabelle\" width=\"100%\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"05\">\n<tbody>\n<tr>\n<td class=\"Kasteninhalt\" colspan=\"1\" rowspan=\"1\">\n<blockquote><p><b>FAZIT | <\/b> Im Zuge der in den Vordergrund dr\u00e4ngenden \u00f6konomischen Fragen erhalten auch Abrechnungsregelungen eine immer gr\u00f6\u00dfere Bedeutung f\u00fcr die Behandlung und die behandelnden \u00c4rzte. So m\u00fcssen die medizinischen Abl\u00e4ufe optimiert werden, damit das Krankenhaus m\u00f6glichst vermeidet, unverg\u00fctete Leistungen zu erbringen. Insofern m\u00fcssen sich auch Ober\u00e4rzte mit diesem Thema befassen. Sie sollten die neue Rechtsprechung kennen &#8211; nicht zuletzt, um der Klinikleitung und dem Medizincontrolling auf Augenh\u00f6he begegnen zu k\u00f6nnen.<\/p><\/blockquote>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Dr. Kyrill Makoski, Fachanwalt f\u00fcr Medizinrecht, M\u00f6ller und Partner, D\u00fcsseldorf, www.m-u-p.info Seit dem vergangenen Jahr hat das Bundessozialgericht (BSG) mehrere Entscheidungen getroffen, die erhebliche Auswirkungen auf die Verg\u00fctung der Krankenhausbehandlung haben. 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