{"id":479,"date":"2016-06-28T10:24:19","date_gmt":"2016-06-28T10:24:19","guid":{"rendered":"http:\/\/oberarztheute.apps-1and1.net\/?p=479"},"modified":"2017-11-28T10:25:55","modified_gmt":"2017-11-28T10:25:55","slug":"weiterbildungsbefugter-arzt-muss-das-arbeitszeugnis-nicht-mit-unterschreiben","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/oberarzt-heute.de\/?p=479","title":{"rendered":"Weiterbildungsbefugter Arzt muss das Arbeitszeugnis nicht (mit) unterschreiben"},"content":{"rendered":"<p class=\"Autorenzeile\"><em>von Dr. Tobias Scholl-Eickmann, Fachanwalt f\u00fcr Medizinrecht, und Rechtsanwalt Benedikt B\u00fcchling, beide Dortmund, <\/em><a href=\"http:\/\/www.kanzlei-am-aerztehaus.de\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><em>www.kanzlei-am-aerztehaus.de<\/em><\/a><\/p>\n<p class=\"Grundtext\"><strong>Ein Arzt in Weiterbildung hat nach Ende seines Arbeitsverh\u00e4ltnisses keinen Anspruch darauf, dass sein Arbeitsendzeugnis von seinem weiterbildungsbefugten Arzt mit unterzeichnet wird. Entsprechend muss ein weiterbildungsbefugter Oberarzt auch nicht das Arbeitszeugnis eines von ihm betreuten Assistenzarztes mit unterzeichnen. Dies entschied das Landesarbeitsgericht (LAG) Hessen mit Urteil vom 6. Februar 2015 (Az. <a class=\"dejure\" title=\"LAG Hessen, 06.02.2015 - 3 Sa 266\/14\" href=\"http:\/\/dejure.org\/dienste\/vernetzung\/rechtsprechung?Text=3%20Sa%20266\/14\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">3 Sa 266\/14<\/a> ). Trotz der verbreiteten Praxis gibt es also keinen Anspruch darauf, dass der Weiterbilder das Arbeitszeugnis mit unterzeichnet.<\/strong>\u00a0<span class=\"balken\"><br \/>\n<\/span><!--more--><\/p>\n<h2 class=\"Ueberschrift-mittel\">Arbeitszeugnisse &#8211; die rechtliche Ausgangslage<\/h2>\n<p class=\"Grundtext\">Ein Arbeitnehmer hat bei Beendigung des Arbeitsverh\u00e4ltnisses Anspruch auf ein schriftliches Arbeitszeugnis. Sinn und Zweck des Zeugnisanspruchs ist es, dem Mitarbeiter die Bewerbung bei einem neuen Arbeitgeber zu erm\u00f6glichen und dort seinen beruflichen Werdegang sowie seine pers\u00f6nlichen und fachlichen F\u00e4higkeiten nachzuweisen. Form und Inhalt des Zeugnisses m\u00fcssen einen R\u00fcckschluss auf den Aussteller zulassen. Insoweit ist es nicht unerheblich, wer als Aussteller des Arbeitszeugnisses auftritt.<\/p>\n<p class=\"Grundtext\">Abzugrenzen ist der Anspruch auf Erteilung eines Arbeitszeugnisses, der aus dem Arbeitsverh\u00e4ltnis folgt, vom Anspruch auf Erteilung eines Weiterbildungszeugnisses. Letzteres ist durch den Weiterbildungsbefugten zu erstellen und muss sich an den weiterbildungsrechtlichen Vorgaben der jeweiligen \u00c4rztekammer orientieren.<\/p>\n<p class=\"Grundtext\">Mit der Frage, welcher Personenkreis als Unterzeichner in Betracht kommt, besch\u00e4ftigte sich das LAG Hessen.<\/p>\n<h2 class=\"Ueberschrift-mittel\">Der Fall: Arzt klagte auf Chefarzt-Unterschrift<\/h2>\n<p class=\"Grundtext\">Der klagende Arzt war in der Weiterbildung in einer Klinik f\u00fcr Unfallchirurgie und Orthop\u00e4die t\u00e4tig. Grundlage seiner T\u00e4tigkeit war der zwischen ihm und dem Krankenhausarzt schriftlich geschlossene Arbeitsvertrag, der den Tarifvertrag f\u00fcr \u00c4rztinnen und \u00c4rzte an kommunalen Krankenh\u00e4usern im Bereich der Vereinigung der Kommunalen Arbeitgeberverb\u00e4nde (TV-\u00c4rzte\/VKA) f\u00fcr anwendbar erkl\u00e4rte.<\/p>\n<p class=\"Grundtext\">Nach Beendigung des Arbeitsverh\u00e4ltnisses erhielt der Arzt ein Arbeitszeugnis. Nachdem er das Zeugnis monierte, wurde dieses \u00fcberarbeitet und vom Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer und dem medizinischen Direktor unterzeichnet. Der Arzt wies auch dieses Zeugnis mit der Begr\u00fcndung zur\u00fcck, dass es nicht von dem Chefarzt der Klinik unterschrieben worden sei, und verlangte Zeugnisberichtigung.<\/p>\n<h2 class=\"Ueberschrift-mittel\">Die Entscheidung des LAG Hessen<\/h2>\n<p class=\"Grundtext\">Der Arzt hat nach dem Urteil des LAG Hessen weder aus \u00a7 <a class=\"dejure\" title=\"\u00a7 109 GewO: Zeugnis\" href=\"http:\/\/dejure.org\/gesetze\/GewO\/109.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">109<\/a> GewO i.\u00a0V.\u00a0m. \u00a7\u00a036 TV-\u00c4rzte\/VKA noch aus der Weiterbildungsordnung f\u00fcr \u00c4rztinnen und \u00c4rzte in Hessen (WBO) einen Anspruch auf Zeugnisberichtigung. Das LAG argumentierte in den Urteilsgr\u00fcnden wie folgt:<\/p>\n<ul class=\"gross q0\">\n<li>Der Tr\u00e4ger habe den Anspruch als Arbeitgeber erf\u00fcllt, da das Zeugnis durch den Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer und den medizinischen Direktor unterschrieben wurde. Mit seiner Unterschrift \u00fcbernehme der Unterzeichnende als Aussteller des Zeugnisses die Verantwortung f\u00fcr dessen inhaltliche Richtigkeit.<\/li>\n<li>Das Zeugnis m\u00fcsse vom bisherigen Arbeitgeber oder seinem gesetzlichen Vertretungsorgan gefertigt und unterzeichnet werden. Der Arbeitgeber k\u00f6nne einen unternehmensangeh\u00f6rigen Vertreter als Erf\u00fcllungsgehilfen beauftragen, das Zeugnis im eigenen Namen zu erstellen. In diesem Fall m\u00fcsse das Vertretungsverh\u00e4ltnis und die Funktion des Unterzeichners angegeben werden.<\/li>\n<li>Fachliche Zust\u00e4ndigkeit und Rang in der Hierarchie g\u00e4ben Aufschluss \u00fcber die Kompetenz des Ausstellers. Die Rechtsprechung fordere deshalb, dass ein Vertreter des Arbeitgebers, der das Zeugnis unterschreibt, rangh\u00f6her als der Zeugnisempf\u00e4nger sein muss. Das setze regelm\u00e4\u00dfig voraus, dass er dem Arbeitnehmer gegen\u00fcber weisungsbefugt war. Dieses Merkmal m\u00fcsse der Zeugnisleser ohne weitere Nachforschungen aus dem Zeugnis ablesen k\u00f6nnen.<\/li>\n<\/ul>\n<p class=\"Grundtext\">\n<blockquote>\n<p class=\"Grundtext\"><b>Wichtig | <\/b>Das letztgenannte Kriterium erf\u00fcllt aus Sicht der Richter neben einem Chefarzt auch ein Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer oder ein medizinischer Direktor.<\/p>\n<\/blockquote>\n<h2 class=\"Ueberschrift-mittel\">Vorgehen bei Arbeitszeugnissen in der Praxis<\/h2>\n<p class=\"Grundtext\">Die Entscheidung des LAG Hessen ist aus juristischer Sicht nicht zu beanstanden. Aussteller des Arbeitszeugnisses ist der Arbeitgeber, somit regelhaft der Tr\u00e4ger.<\/p>\n<p class=\"Grundtext\">Der weiterbildungsbefugte Arzt hat zwar eine verantwortungsvolle Position und wird vielfach gerade von Assistenz\u00e4rzten als Arbeitgeber wahrgenommen. Rechtlich gesehen f\u00fchrt dies jedoch nicht zu einer Arbeitgebereigenschaft. Somit muss der weiterbildende Arzt das Arbeitszeugnis eines scheidenden Assistenten nicht mit unterzeichnen.<\/p>\n<p class=\"Grundtext\">\n<div class=\"tabelle_scroll\">\n<table class=\"basis-tabelle\" width=\"100%\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"05\">\n<tbody>\n<tr>\n<td class=\"Kasteninhalt\" colspan=\"1\" rowspan=\"1\">\n<blockquote><p><b>PRAXISHINWEIS | <\/b> Leitet der Oberarzt z. B. eine medizinische Abteilung und sind ihm hierf\u00fcr Assistenz\u00e4rzte \u201ezugewiesen\u201c, so ist er rein rechtlich befugt, deren Arbeitszeugnis zu unterschreiben &#8211; selbst wenn allein der Chefarzt die Weiterbildungsbefugnis besitzt und auch ansonsten letztverantwortlich f\u00fcr die Assistenz\u00e4rzte bleibt. Unabh\u00e4ngig davon wird es in der Praxis meist so gehandhabt, dass der weiterbildungsbefugte Arzt das Arbeitszeugnis mit unterzeichnet. F\u00fcr das Weiterbildungszeugnis gilt dies ohnehin!<\/p><\/blockquote>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Dr. Tobias Scholl-Eickmann, Fachanwalt f\u00fcr Medizinrecht, und Rechtsanwalt Benedikt B\u00fcchling, beide Dortmund, www.kanzlei-am-aerztehaus.de Ein Arzt in Weiterbildung hat nach Ende seines Arbeitsverh\u00e4ltnisses keinen Anspruch darauf, dass sein Arbeitsendzeugnis von seinem weiterbildungsbefugten Arzt mit&#46;&#46;&#46;<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_jetpack_newsletter_access":"","_jetpack_dont_email_post_to_subs":false,"_jetpack_newsletter_tier_id":0,"_jetpack_memberships_contains_paywalled_content":false,"_jetpack_feature_clip_id":0,"_jetpack_memberships_contains_paid_content":false,"footnotes":"","jetpack_post_was_ever_published":false},"categories":[16],"tags":[17],"class_list":["post-479","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-recht","tag-arbeitsrecht"],"yoast_head":"<!-- This site is optimized with the Yoast SEO plugin v28.1 - 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