{"id":635,"date":"2017-02-28T14:58:22","date_gmt":"2017-02-28T14:58:22","guid":{"rendered":"http:\/\/oberarztheute.apps-1and1.net\/?p=635"},"modified":"2017-11-28T15:00:00","modified_gmt":"2017-11-28T15:00:00","slug":"entlassmanagement-endlich-gehts-voran-doch-um-welchen-preis","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/oberarzt-heute.de\/?p=635","title":{"rendered":"Entlassmanagement: Endlich geht\u2018s voran, doch um welchen Preis?"},"content":{"rendered":"<p class=\"Autorenzeile\"><em>von RA Dr. Christian Bichler, FA MedR, Kanzlei Ulsenheimer &amp; Friederich Rechtsanw\u00e4lte, M\u00fcnchen und Berlin, <a href=\"http:\/\/www.uls-frie.de\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">www.uls-frie.de<\/a><\/em><\/p>\n<p class=\"Grundtext\"><strong>Der Ablauf der Entlassung von gesetzlich krankenversicherten Patienten aus der station\u00e4ren Versorgung ist im Rahmenvertrag geregelt, der vom Bundesschiedsamt beschlossen wurde. Dieser soll eigentlich am 01.07.2017 in Kraft treten. W\u00e4hrend der GKV-Spitzenverband darin eine Verbesserung der Versorgung der Patienten erkennt, spricht die Deutsche Krankenhausgesellschaft von einem b\u00fcrokratischen Super-GAU und legte beim Landessozialgericht Berlin-Brandenburg Klage ein. OH erl\u00e4utert, worauf sich die Krankenh\u00e4user und die Ober\u00e4rzte als Verantwortliche einstellen m\u00fcssen.<\/strong>\u00a0<!--more--><\/p>\n<h2 class=\"Ueberschrift-mittel\">Patienten rechtzeitig entlassen, aber Dreht\u00fcreffekt vermeiden<\/h2>\n<p class=\"Grundtext\">Unter Entlassmanagement ist die individuelle Organisation des \u00dcbergangs des Versicherten zwischen Krankenhaus- und Anschlussbehandlung bzw. -versorgung (Reha, Pflege) unter Ber\u00fccksichtigung des Unterst\u00fctzungsbedarfs des Versicherten zur optimalen Wiedereingliederung in die gewohnte Umgebung zu verstehen. Dazu sollen die Patienten einerseits zeitig in den h\u00e4uslichen Bereich entlassen, andererseits soll ein sogenannter Dreht\u00fcreffekt vermieden werden. Die Besorgnis, dass Patienten im Zweifel eher zu fr\u00fch als zu sp\u00e4t aus der station\u00e4ren Versorgung entlassen werden, hat insbesondere seit der Einf\u00fchrung des DRG-Systems zugenommen. Seither wird auch scherzhaft von \u201eenglischen\u201c (noch blutigen) Entlassungen gesprochen.<\/p>\n<p class=\"Grundtext\">Schon im Jahr 2012 stellte der Gesetzgeber klar, dass das Entlassmanagement Teil des gesetzlichen Anspruchs des Versicherten auf Krankenhausbehandlung ist. Demgem\u00e4\u00df kann der Patient das Entlassmanagement vom Krankenhaus einfordern. Den Krankenkassen kommt lediglich eine unterst\u00fctzende Funktion zu. Somit liegt die gr\u00f6\u00dfte Last derzeit zwangsl\u00e4ufig bei den Krankenh\u00e4usern, sodass hier (personelle und s\u00e4chliche) Mehraufw\u00e4nde zu erwarten sind. Ob und inwieweit die DRG-Fallpauschalen entsprechend angepasst werden, kann derzeit nicht abgesch\u00e4tzt werden.<\/p>\n<p class=\"Grundtext\">Mit Einf\u00fchrung des \u00a7 39 Abs. 1a Sozialgesetzbuch (SGB) V hob der Gesetzgeber die Bedeutung des Entlassmanagements als Teil des Versorgungsmanagements (vgl. \u00a7 <a class=\"dejure\" title=\"\u00a7 11 SGB V: Leistungsarten\" href=\"http:\/\/dejure.org\/gesetze\/SGB_V\/11.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">11<\/a> Abs. 4 SGB V) deutlich hervor. Seitdem besteht f\u00fcr Krankenhaus\u00e4rzte die M\u00f6glichkeit, Arzneimittel und andere Leistungen (z. B. Krankengymnastik) f\u00fcr GKV-Versicherte zu verordnen. Krankenhaus\u00e4rzte sollen auch Arbeitsunf\u00e4higkeitsbescheinigungen f\u00fcr bis zu sieben Tage ausstellen d\u00fcrfen.<\/p>\n<h2 class=\"Ueberschrift-mittel\">Outsourcing nur eingeschr\u00e4nkt m\u00f6glich<\/h2>\n<p class=\"Grundtext\">Weitgehend ungekl\u00e4rt ist die Frage, ob auch in Zukunft die M\u00f6glichkeit besteht, Aufgaben des Entlassmanagements auf Drittunternehmen auszulagern. \u00a7 <a class=\"dejure\" title=\"\u00a7 39 SGB V: Krankenhausbehandlung\" href=\"http:\/\/dejure.org\/gesetze\/SGB_V\/39.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">39<\/a> Abs. 1a SGB V besagt, dass das Krankenhaus mit bestimmten Leistungserbringern (Vertrags\u00e4rzte, medizinische Versorgungszentren, erm\u00e4chtigte \u00c4rzte und Einrichtungen) Vereinbarungen treffen kann, damit diese &#8211;\u00a0eigentlich dem Krankenhaus zukommende &#8211; Aufgaben des Entlassmanagements \u00fcbernehmen. Ob dadurch Nicht-Vertrags\u00e4rzten (z. B. Sanit\u00e4tsh\u00e4usern oder Homecare-Unternehmen) der Garaus gemacht wird, auf die in der Vergangenheit h\u00e4ufig Aufgaben \u00fcbertragen wurden, ist noch offen.<\/p>\n<p class=\"Grundtext\">Manche ziehen als Argument daf\u00fcr den Wortlaut des \u00a7 <a class=\"dejure\" title=\"\u00a7 39 SGB V: Krankenhausbehandlung\" href=\"http:\/\/dejure.org\/gesetze\/SGB_V\/39.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">39<\/a> Abs. 1a SGB V heran. Sie lehnen dementsprechend ein Outsourcing von Aufgaben an Drittunternehmen ab, da diese gerade nicht im Gesetzestext genannt werden. Andere argumentieren, dass das Auslagern von Aufgaben auf Drittunternehmen schon vor Einf\u00fchrung des \u00a7 <a class=\"dejure\" title=\"\u00a7 39 SGB V: Krankenhausbehandlung\" href=\"http:\/\/dejure.org\/gesetze\/SGB_V\/39.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">39<\/a> Abs. 1a SGB V zul\u00e4ssig war und h\u00e4ufig praktiziert wurde. Von dieser Praxis soll nun nicht abgewichen werden m\u00fcssen. Die neue Bezugnahme auf bestimmte Leistungserbringer im Wortlaut des \u00a7 <a class=\"dejure\" title=\"\u00a7 39 SGB V: Krankenhausbehandlung\" href=\"http:\/\/dejure.org\/gesetze\/SGB_V\/39.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">39<\/a> Abs. 1a SGB V solle vielmehr &#8211; erg\u00e4nzend zu den bisher schon zul\u00e4ssigen Kooperationsformen mit Drittunternehmen &#8211; den Weg f\u00fcr Leistungserbringer ebnen, die dem restriktiven \u00e4rztlichen Berufsrecht unterliegen.<\/p>\n<div class=\"tabelle_scroll\">\n<table class=\"basis-tabelle\" width=\"100%\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"05\">\n<tbody>\n<tr>\n<td class=\"Kasteninhalt\" colspan=\"1\" rowspan=\"1\">\n<blockquote><p><b>PRAXISHINWEIS | <\/b> Da noch keine einschl\u00e4gigen Gerichtsentscheidungen ergangen sind, sollte jedes Krankenhaus, das Drittunternehmen mit Aufgaben des Entlassmanagements betraut, \u00fcberpr\u00fcfen (lassen), inwieweit die Kooperationsformen weiterhin rechtlich zul\u00e4ssig sind. Nicht zuletzt aufgrund der k\u00fcrzlichen Erweiterung der strafrechtlichen Korruptionstatbest\u00e4nde im Gesundheitswesen sind entsprechende Kooperationen &#8211; auch mit Leistungserbringern &#8211; kritisch zu \u00fcberdenken.<\/p><\/blockquote>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h2 class=\"Ueberschrift-mittel\">Ablauf des Entlassmanagements nach dem Rahmenvertrag<\/h2>\n<p class=\"Grundtext\">Der beschlossene Rahmenvertrag ist zwar aktuell noch nicht in Kraft getreten. Dennoch empfiehlt es sich f\u00fcr Krankenh\u00e4user, sich rechtzeitig mit den darin geregelten Vorgaben des Entlassmanagements vertraut zu machen. Krankenh\u00e4user sollen demnach in Zukunft ein multidisziplin\u00e4res Entlassmanagement sicherstellen und entsprechende schriftliche Standards niederlegen. Darin sind auch die Verantwortlichkeiten im multidisziplin\u00e4ren Team verbindlich zu regeln. Gleichwohl hat das Bundesschiedsamt erkannt, dass eine Unterst\u00fctzung durch den Gemeinsamen Bundesausschuss bei der Entwicklung dieser Standards unabdingbar ist.<\/p>\n<p class=\"Grundtext\">Krankenh\u00e4user m\u00fcssen zudem in ihrem Internetauftritt \u00fcber ihr Entlassmanagement informieren. Die Patienten m\u00fcssen hingegen diverse Einwilligungserkl\u00e4rungen (datenschutzrechtliche Einwilligungserkl\u00e4rung sowie Patienteninformation zum Entlassmanagement inklusive Einwilligungserkl\u00e4rung zur Durchf\u00fchrung des Entlassmanagements) abgeben, bevor Ma\u00dfnahmen des Entlassmanagements begonnen werden d\u00fcrfen. Der Rahmenvertrag h\u00e4lt hierf\u00fcr Muster bereit. Vorausgesetzt, der Patient ist mit der Durchf\u00fchrung des Entlassmanagements einverstanden, muss der zust\u00e4ndige Krankenhausarzt zun\u00e4chst &#8211; und zwar schon w\u00e4hrend des station\u00e4ren Aufenthalts &#8211; den Bedarf des Patienten f\u00fcr seine Anschlussversorgung feststellen. Danach ist ein Entlassplan zu erstellen, der den voraussichtlichen Versorgungsbedarf des Patienten im Anschluss an die Krankenhausbehandlung darlegt. Schon zum Zeitpunkt der Erstellung des Entlassplans muss der Krankenhausarzt pr\u00fcfen, ob Verordnungen bzw. Arbeitsunf\u00e4higkeitsbescheinigungen erforderlich sind. Der Entlassplan kann somit als \u201eFahrplan des Entlassmanagements\u201c bezeichnet werden und wird Bestandteil der Behandlungsunterlagen des Patienten.<\/p>\n<p class=\"Grundtext\">Eine weitere Aufgabe des Krankenhauses ist die fr\u00fchzeitige Kontaktaufnahme mit den nachversorgenden \u00c4rzten. Dabei ist auf das dem Patienten zustehende Recht auf freie Arztwahl zu achten. Das Krankenhaus muss daneben rechtzeitig Kontakt zur zust\u00e4ndigen Krankenkasse (bzw. Pflegekasse) aufnehmen, um ggf. notwendige Genehmigungsverfahren einzuleiten. In diesem Zug sind den Krankenkassen auch die Einwilligungen des Patienten und die Informationen aus dem Entlassplan zu \u00fcbersenden.<\/p>\n<p class=\"Grundtext\">Am Tag der Entlassung selbst erhalten der Patient, der einweisende Arzt sowie der nachbehandelnde Arzt den (vorl\u00e4ufigen) Entlassbrief. Darin ist die Telefonnummer eines Ansprechpartners des Krankenhauses anzugeben, der f\u00fcr R\u00fcckfragen zur Verf\u00fcgung steht. Dieser muss zu bestimmten Zeiten erreichbar sein. Sogar an Samstagen und Sonntagen muss eine R\u00fccksprache zumindest f\u00fcr einige Stunden m\u00f6glich sein. Der Patient erh\u00e4lt am Entlasstag zudem die Verordnungen (beispielsweise von Arzneimitteln) sowie ggf. eine Arbeitsunf\u00e4higkeitsbescheinigung. Des Weiteren ist dem Patienten auf Wunsch ein Medikationsplan (zun\u00e4chst nur in Papierform) auszustellen, sofern er mit einer Medikation entlassen wird. Ein Anspruch auf einen solchen Medikationsplan besteht f\u00fcr Versicherte seit dem 01.10.2016.<\/p>\n<h2 class=\"Ueberschrift-mittel\">Voraussetzungen der Verordnung von Arzneimitteln<\/h2>\n<p class=\"Grundtext\">Die neu geschaffene M\u00f6glichkeit, Arzneimittel zu verordnen, darf nicht mit der Mitgabe von Arzneimitteln verwechselt werden. So gilt auch weiterhin der Grundsatz, dass eine Arzneimittelabgabe &#8211; im Gegensatz zur Arzneimittelverabreichung &#8211; in Kliniken unzul\u00e4ssig ist. Eine Arzneimittelabgabe ist \u00f6ffentlichen Apotheken vorbehalten. Allerdings er\u00f6ffnet \u00a7 14 Abs. 7 S. 3 Apothekengesetz (ApoG) auch weiterhin die M\u00f6glichkeit, eine sogenannte \u00dcberbr\u00fcckungsmedikation abzugeben, falls im unmittelbaren Anschluss an die Behandlung ein Wochenende oder ein Feiertag folgt.<\/p>\n<p class=\"Grundtext\">Im Rahmenvertrag und der Arzneimittel-Richtlinie des Gemeinsamen Bundesausschusses sind u. a. folgende Kriterien der Arzneimittelverordnung geregelt:<\/p>\n<ul class=\"gross q0\">\n<li>Die Verordnung muss f\u00fcr die Versorgung mit Arzneimitteln unmittelbar nach der Entlassung erforderlich sein &#8211; und zwar medizinisch oder organisatorisch. Das bedeutet, dass therapie-, indikations- und arzneimittelspezifische Aspekte bei der Beurteilung der Erforderlichkeit einer nahtlosen Arzneimitteltherapie unmittelbar nach der Entlassung zu ber\u00fccksichtigen sind (medizinische Aspekte). Des Weiteren muss ber\u00fccksichtigt werden, ob der Patient in der Lage ist, einen weiterbehandelnden Arzt rechtzeitig zu erreichen, sowie ob bereits Arzttermine nach der Entlassung bestehen (organisatorische Aspekte). Hierf\u00fcr kann die Befragung des Patienten oder eine Kontaktaufnahme mit dem weiterbehandelnden Arzt erforderlich sein.<\/li>\n<\/ul>\n<ul class=\"gross q0\">\n<li>Die Mitgabe von Arzneimitteln zur \u00dcberbr\u00fcckung des Wochenendes oder von Feiertagen ist gegen\u00fcber der Verordnung von Arzneimitteln vorrangig.<\/li>\n<\/ul>\n<ul class=\"gross q0\">\n<li>Die Verordnung der Arzneimittel muss dem im Sozialrecht geltenden Wirtschaftlichkeitsgebot gen\u00fcgen. Somit m\u00fcssen sich auch Krankenh\u00e4user in Zukunft n\u00e4her mit dem Thema Wirtschaftlichkeitspr\u00fcfungen durch kassen\u00e4rztliche Vereinigungen besch\u00e4ftigen.<\/li>\n<\/ul>\n<ul class=\"gross q0\">\n<li>Der Krankenhausarzt darf nur Kleinstpackungen verordnen. Hierunter ist eine N1-Packung zu verstehen, die i. d. R. f\u00fcr eine Behandlungsdauer von zehn Tagen ausreicht. F\u00fcr den Fall, dass f\u00fcr das konkrete Arzneimittel keine N1-Packung existiert, hat das Bundesministerium f\u00fcr Gesundheit klargestellt, dass die n\u00e4chstgr\u00f6\u00dfere Packung (N2 bzw. N3) verordnet werden darf.<\/li>\n<\/ul>\n<ul class=\"gross q0\">\n<li>Der Krankenhausarzt hat ein Arzneiverordnungsblatt (fr\u00fcher Kassenrezept) ordnungsgem\u00e4\u00df auszuf\u00fcllen. Hierf\u00fcr muss er den als Muster 16 bekannten Vordruck verwenden. Allerdings ist dieses Muster um den Hinweis zu erg\u00e4nzen, dass es sich um eine Verordnung nach \u00a7 <a class=\"dejure\" title=\"\u00a7 39 SGB V: Krankenhausbehandlung\" href=\"http:\/\/dejure.org\/gesetze\/SGB_V\/39.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">39<\/a> Abs. 1a SGB V handelt. Den formalen Aufdruck \u201eEntlassmanagement\u201c gibt der Rahmenvertrag vor. Die Kosten f\u00fcr die Vordrucke der Arzneiverordnungsbl\u00e4tter haben die Krankenkassen zu tragen. Die Kosten f\u00fcr den Versand der Vordrucke m\u00fcssen hingegen die Krankenh\u00e4user \u00fcbernehmen. Sollten nachtr\u00e4glich \u00c4nderungen oder Erg\u00e4nzungen der Verordnung notwendig sein, bedarf es einer erneuten Unterschrift mit Datumsangabe der Klinik (nicht des Hausarztes). Die ausgestellte Verordnung gilt drei Werktage. Dazu z\u00e4hlt auch ein Samstag.<\/li>\n<\/ul>\n<ul class=\"gross q0\">\n<li>Verordnungen von Entlassmedikation d\u00fcrfen nicht in Krankenhausapotheken eingel\u00f6st werden, sondern nur in \u00f6ffentlichen Apotheken.<\/li>\n<\/ul>\n<h2 class=\"Ueberschrift-mittel\">Voraussetzungen der Verordnung sonstiger Leistungen<\/h2>\n<p class=\"Grundtext\">Auch die Verordnungen von Verband-, Heil- und Hilfsmitteln sowie h\u00e4uslicher Krankenpflege und Soziotherapie m\u00fcssen unmittelbar nach der Entlassung erforderlich sein und d\u00fcrfen f\u00fcr h\u00f6chstens sieben Tage verordnet werden. Bei nicht zum Verbrauch bestimmten Hilfsmitteln gilt jedoch keine zeitliche Begrenzung. Das aufgrund einer Verordnung abgegebene Hilfsmittel darf dauerhaft genutzt werden und bedarf keiner \u201eZweitverordnung\u201c des Hausarztes.<\/p>\n<p class=\"Grundtext\">Ist f\u00fcr die Versorgung mit einem Hilfsmittel im h\u00e4uslichen Bereich die besondere Expertise oder Umgebung des Krankenhauses erforderlich (z.\u00a0B. bei Heimbeatmungsger\u00e4ten, auf die der Versicherte im Krankenhaus eingestellt wird), kann die Verordnung bereits vor dem Entlasstag erfolgen. Kosten f\u00fcr w\u00e4hrend des station\u00e4ren Aufenthalts abgegebene Dauer-Hilfsmittel sind von den Krankenkassen zu tragen. Sollte es sich bei dem Hilfsmittel allerdings um eine individuelle Anfertigung handeln, die der \u00e4rztlichen Nachkontrolle bedarf und zur dauerhaften Versorgung vorgesehen ist, darf nur ausnahmsweise eine Verordnung durch den Krankenhausarzt ausgestellt werden. Die Verordnungen sonstiger Leistungen m\u00fcssen dem Wirtschaftlichkeitsgebot gen\u00fcgen. Sie verlieren sieben Kalendertage nach der Entlassung ihre G\u00fcltigkeit und m\u00fcssen um den Zusatz \u201eEntlassmanagement\u201c erg\u00e4nzt werden.<\/p>\n<p class=\"Grundtext\">Der Krankenhausarzt muss den Patienten bei der Ausstellung der Verordnung auf sein Recht auf freie Wahl des Leistungserbringers hinweisen. Auch beim Entlassmanagement gilt der Grundsatz, dass eine Zuweisung von Patienten unzul\u00e4ssig ist. Die f\u00fcr die Zusammenarbeit zwischen Leistungserbringern und Vertrags\u00e4rzten geltenden Besonderheiten wie Depot-, Beteiligungs- und Zuwendungsverbot (\u00a7 <a class=\"dejure\" title=\"\u00a7 128 SGB V: Unzul\u00e4ssige Zusammenarbeit zwischen Leistungserbringern und Vertrags\u00e4rzten\" href=\"http:\/\/dejure.org\/gesetze\/SGB_V\/128.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">128<\/a> SGB V) finden demgem\u00e4\u00df im Bereich des Entlassmanagements auch f\u00fcr Krankenhaus\u00e4rzte Anwendung.<\/p>\n<h2 class=\"Ueberschrift-mittel\">Ausstellung von Arbeitsunf\u00e4higkeitsbescheinigungen<\/h2>\n<p class=\"Grundtext\">Neben der Verordnung von Leistungen besteht f\u00fcr den Krankenhausarzt nun auch die M\u00f6glichkeit, Arbeitsunf\u00e4higkeitsbescheinigungen f\u00fcr einen Zeitraum von bis zu sieben Tagen auszustellen. Diese m\u00fcssen f\u00fcr die Versorgung unmittelbar nach der Entlassung erforderlich sein. Die Richtlinie des Gemeinsamen Bundesausschusses \u00fcber die Beurteilung der Arbeitsunf\u00e4higkeit und die Ma\u00dfnahmen zur stufenweisen Wiedereingliederung (Arbeitsunf\u00e4higkeitsrichtlinie) findet Anwendung. Der Krankenhausarzt hat das Muster 1 des Bundesmantelvertrags f\u00fcr \u00c4rzte zu verwenden. Auch hier muss der Hinweis aufgedruckt werden, dass es sich um eine Ma\u00dfnahme des Entlassmanagements handelt. Das Krankenhaus muss den weiterbehandelnden Arzt \u00fcber die Bescheinigung der Arbeitsunf\u00e4higkeit informieren.<\/p>\n<h2 class=\"Ueberschrift-mittel\">Was kommt jetzt?<\/h2>\n<p class=\"Grundtext\">Der Zeitpunkt des Inkrafttretens des Rahmenvertrags wurde auf den\u00a001.07.2017 gelegt, wobei sich dieser aufgrund der k\u00fcrzlich eingereichten Klage der DKG verschieben k\u00f6nnte. In der Zwischenzeit sind zwar die detaillierten Regelungen des Rahmenvertrags noch nicht verbindlich. Die Vorgaben des \u00a7 <a class=\"dejure\" title=\"\u00a7 39 SGB V: Krankenhausbehandlung\" href=\"http:\/\/dejure.org\/gesetze\/SGB_V\/39.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">39<\/a> Abs.\u00a01a SGB V sowie die Regelungen der Richtlinien des Gemeinsamen Bundesausschusses finden jedoch schon heute Anwendung. Die Krankenh\u00e4user sollten auch die Auswirkungen des E-Health-Gesetzes im Blick behalten, da in Zukunft die Leistungen der elektronischen Gesundheitskarte erweitert und elektronische Entlassbriefe sowie elektronische Medikationspl\u00e4ne zum Standard geh\u00f6ren werden.<\/p>\n<p class=\"Grundtext\">Schon heute k\u00f6nnen die Krankenh\u00e4user &#8211; sofern noch nicht vorhanden &#8211; Betriebsst\u00e4ttennummern bei der f\u00fcr sie zust\u00e4ndigen kassen\u00e4rztlichen Vereinigung (KV) beantragen. Die KVen vergeben in Zukunft auch f\u00fcr Krankenhaus\u00e4rzte auf Antrag lebenslange Arztnummern (LANR), die f\u00fcr die Verordnung von Leistungen zulasten der gesetzlichen Krankenversicherung notwendig sind.<\/p>\n<p class=\"Grundtext\">Letzten Endes ist eine Bewusstseins\u00e4nderung der Krankenh\u00e4user und jeweiligen Krankenhaus\u00e4rzte notwendig. So muss sich jeder Krankenhausarzt, der in Zukunft Aufgaben des Entlassmanagements \u00fcbernehmen m\u00f6chte, als \u201eKrankenhausvertragsarzt\u201c sehen und die Wirtschaftlichkeit seines Verordnungsverhaltens kritisch hinterfragen. Anderenfalls werden sich die Krankenh\u00e4user Wirtschaftlichkeitspr\u00fcfungen ausgesetzt sehen, die im schlimmsten Fall existenzbedrohende Ausma\u00dfe annehmen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von RA Dr. Christian Bichler, FA MedR, Kanzlei Ulsenheimer &amp; Friederich Rechtsanw\u00e4lte, M\u00fcnchen und Berlin, www.uls-frie.de Der Ablauf der Entlassung von gesetzlich krankenversicherten Patienten aus der station\u00e4ren Versorgung ist im Rahmenvertrag geregelt, der vom&#46;&#46;&#46;<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_jetpack_newsletter_access":"","_jetpack_dont_email_post_to_subs":false,"_jetpack_newsletter_tier_id":0,"_jetpack_memberships_contains_paywalled_content":false,"_jetpack_feature_clip_id":0,"_jetpack_memberships_contains_paid_content":false,"footnotes":"","jetpack_post_was_ever_published":false},"categories":[15],"tags":[21],"class_list":["post-635","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-gesundheitspolitik","tag-management"],"yoast_head":"<!-- This site is optimized with the Yoast SEO plugin v28.1 - https:\/\/yoast.com\/product\/yoast-seo-wordpress\/ -->\n<title>Entlassmanagement: Endlich geht\u2018s voran, doch um welchen Preis? 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