{"id":761,"date":"2017-09-29T10:43:58","date_gmt":"2017-09-29T10:43:58","guid":{"rendered":"http:\/\/oberarztheute.apps-1and1.net\/?p=761"},"modified":"2025-11-26T10:34:37","modified_gmt":"2025-11-26T10:34:37","slug":"krankenhaus-rating-report-2017-beginnt-mit-dem-strukturfonds-jetzt-die-grosse-konsolidierung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/oberarzt-heute.de\/?p=761","title":{"rendered":"Krankenhaus Rating Report 2017: Beginnt mit dem Strukturfonds jetzt die gro\u00dfe Konsolidierung?"},"content":{"rendered":"<p class=\"Autorenzeile\"><em>von Prof. Dr. Boris Augurzky, RWI \u2013 Leibniz \u2013 Institut f\u00fcr Wirtschaftsforschung, Essen, www.rwi-essen.de<\/em><\/p>\n<p class=\"Grundtext\"><strong>Im Jahr 2015 hat sich die wirtschaftliche Lage der Krankenh\u00e4user gegen\u00fcber den Vorjahren leicht verschlechtert. Die Insolvenzwahrscheinlichkeit der Krankenh\u00e4user lag bei rund 1,0\u00a0Prozent (2014: 0,9\u00a0Prozent). Die Ertragslage zeigte sich hingegen im Jahr 2015 gegen\u00fcber dem Vorjahr praktisch unver\u00e4ndert: 21\u00a0Prozent der Krankenh\u00e4user schrieben auf Konzernebene einen Jahresverlust, 79\u00a0Prozent einen Gewinn. Das durchschnittliche Jahresergebnis stieg 2015 leicht auf 1,9\u00a0Prozent \u2013 nach 1,7\u00a0Prozent im Jahr 2014. Das sind nur einige Ergebnisse des \u201eKrankenhaus Rating Report 2017\u201c. <\/strong><!--more--><\/p>\n<h2 class=\"Ueberschrift-mittel\">Datengrundlage<\/h2>\n<p class=\"Grundtext\">Das RWI \u2013 Leibniz-Institut f\u00fcr Wirtschaftsforschung und das Institute for Health Care Business (hcb) GmbH untersuchten f\u00fcr ihre Analysen 506 Jahresabschl\u00fcsse aus dem Jahr 2014 und 201 Abschl\u00fcsse aus 2015, die insgesamt 877 Krankenh\u00e4user umfassen.<\/p>\n<h2 class=\"Ueberschrift-mittel\">Kapitalausstattung der Krankenh\u00e4user unzureichend<\/h2>\n<p class=\"Grundtext\">2015 waren 63\u00a0Prozent der Krankenh\u00e4user voll investitionsf\u00e4hig, nach 59\u00a0Prozent im Jahr zuvor. Nach wie vor ist die Kapitalausstattung der Krankenh\u00e4user aber unzureichend. Ein hoher Anteil des Sachanlageverm\u00f6gens war bereits stark abgeschrieben.<\/p>\n<p class=\"Grundtext\">Die Bundesl\u00e4nder stellten 2015 F\u00f6rdermittel in H\u00f6he von 2,8\u00a0Mrd. Euro zur Verf\u00fcgung. Dies entspricht 3,5\u00a0Prozent der Erl\u00f6se der Krankenh\u00e4user. Im Jahr 2000 waren es noch 6,8\u00a0Prozent der Erl\u00f6se. Mithin sank der Anteil des gef\u00f6rderten am gesamten Anlageverm\u00f6gen von 66\u00a0Prozent im Jahr 2007 auf 51\u00a0Prozent in 2015. Der gesch\u00e4tzte j\u00e4hrliche Investitionsbedarf der Krankenh\u00e4user (ohne Universit\u00e4tskliniken) bel\u00e4uft sich auf rund 5,4\u00a0Mrd. Euro, wenn das vorhandene Sachanlageverm\u00f6gen gehalten werden soll. Daraus ergibt sich eine j\u00e4hrliche F\u00f6rderl\u00fccke der L\u00e4nder von 2,6\u00a0Mrd. Euro.<\/p>\n<h2 class=\"Ueberschrift-mittel\">Wirtschaftliche Lage der Kliniken im Osten am besten<\/h2>\n<p class=\"Grundtext\">Signifikant besser fiel erneut das Rating in Ostdeutschland aus. Am schwierigsten ist die Lage weiterhin in Bayern, Niedersachsen\/Bremen, Hessen und Baden-W\u00fcrttemberg. Die Einwohnerdichte, d. h. der Grad der L\u00e4ndlichkeit, hat keine Bedeutung f\u00fcr die wirtschaftliche Lage. Gro\u00dfe Krankenh\u00e4user weisen typischerweise aber ein besseres Rating als kleine auf. Ein hoher Grad an Spezialisierung ist ebenfalls vorteilhaft, ebenso die Zugeh\u00f6rigkeit zu einer Kette \u2013 au\u00dfer bei \u00f6ffentlich-rechtlichen Krankenh\u00e4usern.<\/p>\n<p class=\"Grundtext\">Die EBIT-Marge ist in Ostdeutschland signifikant h\u00f6her. Private Tr\u00e4ger schneiden signifikant besser ab als freigemeinn\u00fctzige und diese wiederum besser als \u00f6ffentlich-rechtliche Kliniken. Eine Ausnahme bilden \u00f6ffentlich-rechtliche Kliniken in \u00e4rmeren Kreisen, die signifikant besser abschneiden als solche in reichen Kreisen.<\/p>\n<h2 class=\"Ueberschrift-mittel\">Bettenzahl erstmals unter 500.000<\/h2>\n<p class=\"Grundtext\">Die Krankenhauskapazit\u00e4ten haben sich im Jahr 2015 gegen\u00fcber dem Vorjahr nur wenig ver\u00e4ndert. Erstmals fiel die Bettenzahl jedoch unter 500.000. Die Marktanteile nach Tr\u00e4gerschaft blieben im Jahr 2015 unver\u00e4ndert. Der Marktanteil (Betten) \u00f6ffentlich-rechtlicher Krankenh\u00e4user lag bei 49\u00a0Prozent, der von freigemeinn\u00fctzigen Einrichtungen bei 34\u00a0Prozent und der von privaten H\u00e4usern bei 17\u00a0Prozent.<\/p>\n<p class=\"Grundtext\">Die durchschnittliche Verweildauer der Patienten sank weiter auf 7,3 Tage. Die Bettenauslastung verharrte bei 77\u00a0Prozent. Die Zahl der Krankenh\u00e4user (Institutskennziffern) verringerte sich um 1,2\u00a0Prozent auf 1.956. Die Krankenhausstrukturen sind nach wie vor in einigen Regionen ung\u00fcnstig, d. h., dort liegen eine gro\u00dfe Standortdichte, viele kleine Einheiten und ein vergleichsweise niedriger Spezialisierungsgrad vor. Der Strukturfonds hat eine gewisse Dynamik zur Strukturoptimierung entfacht. Insgesamt entfallen 75\u00a0Prozent des Antragsvolumens auf Konzentrationsma\u00dfnahmen, 22\u00a0Prozent auf Kapazit\u00e4tsabbau und 3\u00a0Prozent auf Ma\u00dfnahmen zur Umwandlung.<\/p>\n<h2 class=\"Ueberschrift-mittel\">Fallzahlenentwicklung f\u00fcr einzelne Krankenhausgruppen<\/h2>\n<p class=\"Grundtext\">Das gesamte Casemixvolumen stieg im Jahr 2015 um 1,5\u00a0Prozent, die Fallzahl nur um 0,5\u00a0Prozent. Krankenh\u00e4user mit einer Bettenzahl von 200 bis 499 Betten verzeichneten zwischen 2012 und 2014 den st\u00e4rksten Anstieg der Fallzahlen, gefolgt von Krankenh\u00e4usern mit 500 bis 1.000 Betten. Bei kleinen Krankenh\u00e4usern mit weniger als 200 Betten fiel der Anstieg unterdurchschnittlich aus. Die Fallzahl der freigemeinn\u00fctzigen Krankenh\u00e4user stieg am st\u00e4rksten, gefolgt von Krankenh\u00e4usern in privater und \u00f6ffentlich-rechtlicher Tr\u00e4gerschaft. In l\u00e4ndlichen Regionen mit geringer Einwohnerdichte war das Fallzahlenwachstum am geringsten. Krankenh\u00e4user mit einer h\u00f6heren Patientenzufriedenheit erreichten ein leicht h\u00f6heres Fallzahlwachstum.<\/p>\n<h2 class=\"Ueberschrift-mittel\">Regionale Unterschiede im Lohnniveau der Krankenh\u00e4user<\/h2>\n<p class=\"Grundtext\">Eine Sonderanalyse untersucht erstmals gezielt regionale Unterschiede im Lohnniveau der Krankenh\u00e4user. Generell variieren Lohnniveaus auf regionaler Ebene. Dies ist ein Grund, weshalb Preisniveaus von Produkten und Dienstleistungen regional variieren k\u00f6nnen. Das Lohnniveau der medizinischen Dienste variiert von rund -10\u00a0Prozent bis +5\u00a0Prozent um den Bundesdurchschnitt. Dabei f\u00e4llt die Variation im \u00c4rztlichen Dienst deutlich geringer aus als im Pflege-, medizinisch-technischen und Funktionsdienst. Im Ergebnis stellt sich die Frage, ob sich regionale Lohnkostenunterschiede in den Preisen der Leistungserbringung niederschlagen sollten.<\/p>\n<h2 class=\"Ueberschrift-mittel\">Ost- und S\u00fcddeutschland haben die zufriedensten Patienten<\/h2>\n<p class=\"Grundtext\">Die Patientenzufriedenheit in Ost- und S\u00fcddeutschland liegt leicht h\u00f6her als in anderen Regionen Deutschlands. Die Einwohnerdichte weist aber keinen Zusammenhang zur Patientenzufriedenheit auf. Private Krankenh\u00e4user schneiden bei sonst gleichen Voraussetzungen etwas schlechter und freigemeinn\u00fctzige besser als \u00f6ffentlich-rechtliche ab. Jedoch werden f\u00fcr kleine Kliniken signifikant bessere Werte verzeichnet als f\u00fcr gro\u00dfe, und Kliniken mit hohem Spezialisierungsgrad kommen auf weit bessere Werte als solche mit niedrigem Spezialisierungsgrad. Hervorzuheben ist au\u00dferdem, dass H\u00e4user mit einem besseren Rating auch eine h\u00f6here Patientenzufriedenheit besitzen.<\/p>\n<h2 class=\"Ueberschrift-mittel\">Projektion bis 2025<\/h2>\n<p class=\"Grundtext\">Beim Blick in die Zukunft ergibt sich folgendes Bild:<\/p>\n<ul>\n<li>Rein demografisch bedingt ist bundesweit bis zum Jahr 2025 mit etwa 4\u00a0Prozent mehr F\u00e4llen als im Jahr 2015 zu rechnen.<\/li>\n<li>Schreibt man die Trends in den Pr\u00e4valenzraten der Vergangenheit fort und ber\u00fccksichtigt ambulantes Potenzial, k\u00f6nnte die Zahl der F\u00e4lle bis 2025 um 11\u00a0Prozent zunehmen. Ohne Ber\u00fccksichtigung des ambulanten Potenzials d\u00fcrfte sie sogar um 15\u00a0Prozent wachsen.<\/li>\n<li>Bis 2025 ist ein R\u00fcckgang der Verweildauer auf 6,5 Tage anzunehmen. Es ist daher trotz steigender Patientenzahlen mit einem R\u00fcckgang des Bettenbedarfs zu rechnen. Unter Ber\u00fccksichtigung der Demografie, wachsender Pr\u00e4valenzraten und ambulanten Potenzials d\u00fcrften die Betten\u00fcberkapazit\u00e4ten von derzeit 9 auf 11\u00a0Prozent wachsen. Trotzdem d\u00fcrfte die Zahl der Vollkr\u00e4fte in allen medizinischen Diensten weiter zunehmen.<\/li>\n<li>Zwei zentrale Trends bestimmen die Gesundheitsversorgung: die geodemografische Entwicklung und eine steigende Innovationsdichte. Aus ihnen erwachsen sowohl Chancen als auch Risiken f\u00fcr bestehende Leistungserbringer. Die demografische Entwicklung f\u00fchrt erstens zu einer wachsenden Zahl an Patienten. Damit gehen \u00fcberproportional steigende Gesundheitsausgaben einher. Zweitens sinkt die Zahl der j\u00fcngeren Menschen und mithin die Zahl der Erwerbspersonen. Als Folge d\u00fcrfte die Finanzierungsl\u00fccke in der GKV wachsen. Drittens sinkt die Zahl der Fachkr\u00e4fte in allen Branchen. Sowohl \u00c4rzte als auch Pflegekr\u00e4fte werden am Arbeitsmarkt relativ knapper und damit teurer. Im Ergebnis d\u00fcrften die Lohnkosten st\u00e4rker steigen als die Preise f\u00fcr Gesundheitsleistungen.<\/li>\n<li>Es gilt also, die Weichen so zu stellen, dass dieses Problem abgemildert wird, z. B. durch eine Erh\u00f6hung des Renteneintrittsalters, eine Erh\u00f6hung der Erwerbst\u00e4tigenquote, ein unterproportionales Wachstum des Versorgungsniveaus der Rentner sowie eine qualifizierte Zuwanderung.<\/li>\n<\/ul>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Prof. Dr. Boris Augurzky, RWI \u2013 Leibniz \u2013 Institut f\u00fcr Wirtschaftsforschung, Essen, www.rwi-essen.de Im Jahr 2015 hat sich die wirtschaftliche Lage der Krankenh\u00e4user gegen\u00fcber den Vorjahren leicht verschlechtert. 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Mai 2019","format":false,"excerpt":"Die wirtschaftliche Lage deutscher Krankenh\u00e4user war im Jahr 2017 schlechter als im Vorjahr. 12 Prozent lagen im \u201eroten Bereich\u201c mit erh\u00f6hter Insolvenzgefahr. Auch ihre Ertragslage hat sich verschlechtert, wohl auch aufgrund der erstmals gesunkenen Anzahl station\u00e4rer F\u00e4lle. Der damit zusammenh\u00e4ngende Handlungsdruck d\u00fcrfte im n\u00e4chsten Jahrzehnt weiter steigen. Es ist an\u2026","rel":"","context":"In &quot;Gesundheitspolitik&quot;","block_context":{"text":"Gesundheitspolitik","link":"https:\/\/oberarzt-heute.de\/?cat=15"},"img":{"alt_text":"","src":"","width":0,"height":0},"classes":[]},{"id":740,"url":"https:\/\/oberarzt-heute.de\/?p=740","url_meta":{"origin":761,"position":4},"title":"Krankenhausreport 2017: Zukunft gestalten, KHSG reformieren","author":"Redaktion","date":"29. August 2017","format":false,"excerpt":"von Alexandra Buba M. A., freie Wirtschaftsjournalistin, Fuchsm\u00fchl Die neueste Auflage des Krankenhaus-Reports des wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO) will \u201eZukunft gestalten\u201c. So gibt es zumindest das diesj\u00e4hrige Schwerpunktthema vor. Dazu fordern die Autoren gesetzgeberisches Handeln und mahnen mehr kluge Selbsteinsch\u00e4tzung und Selbstbeschr\u00e4nkung an. Im Zahlenteil setzen sich die Trends\u2026","rel":"","context":"In &quot;Gesundheitspolitik&quot;","block_context":{"text":"Gesundheitspolitik","link":"https:\/\/oberarzt-heute.de\/?cat=15"},"img":{"alt_text":"","src":"","width":0,"height":0},"classes":[]},{"id":353,"url":"https:\/\/oberarzt-heute.de\/?p=353","url_meta":{"origin":761,"position":5},"title":"Durchschnittliches Gehalt des Oberarztes stieg im Jahr 2015 auf 126.000 Euro","author":"Redaktion","date":"27. Januar 2016","format":false,"excerpt":"von Sylvia L\u00f6bach, Kienbaum Management Consultants GmbH, Gummersbach, www.kienbaum.de Die Grundverg\u00fctung der Ober\u00e4rzte ist von 2014 auf 2015 im Mittel um 2,7 Prozent gestiegen, das Jahreseinkommen lag bei 126.000 Euro. Es hat sich nur leicht erh\u00f6ht - um 2.000 Euro im Jahr. 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