{"id":9059,"date":"2020-04-01T16:37:40","date_gmt":"2020-04-01T16:37:40","guid":{"rendered":"https:\/\/oberarzt-heute.de\/?p=9059"},"modified":"2020-04-01T16:37:41","modified_gmt":"2020-04-01T16:37:41","slug":"so-versenden-sie-arztbriefe-richtig","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/oberarzt-heute.de\/?p=9059","title":{"rendered":"So versenden Sie Arztbriefe richtig"},"content":{"rendered":"\n<p lang=\"de-DE\" align=\"JUSTIFY\"><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Calibri, sans-serif;\"><span style=\"font-size: small;\"><b>Kommen wichtige Arztbriefe eines untersuchenden Arztes nicht beim behandelnden Arzt an, kann sich eine notwendige Behandlung verz\u00f6gern. Hier stellt sich dem Arzt die Frage: Wie soll der Arztbrief versendet werden &#8211; per Post oder per Fax oder auch an den Patienten?<\/b><\/span><\/span><\/span><!--more--><\/p>\n<p lang=\"de-DE\" align=\"JUSTIFY\"><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Calibri, sans-serif;\"><span style=\"font-size: small;\"><i>von Philip Christmann, Fachanwalt f\u00fcr Medizinrecht, Berlin\/Heidelberg<br \/><\/i><\/span><\/span><\/span><a href=\"http:\/\/www.christmann-law.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\"><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Calibri, sans-serif;\"><span style=\"font-size: small;\"><i>www.christmann-law.de<\/i><\/span><\/span><\/span><\/a><\/p>\n<p lang=\"de-DE\" align=\"LEFT\"><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Calibri, sans-serif;\"><span style=\"font-size: x-large;\"><b>Der Fall<\/b><\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p lang=\"de-DE\" align=\"JUSTIFY\"><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Calibri, sans-serif;\"><span style=\"font-size: small;\">Eine Patienten wurde von ihrem Hausarzt nach Beschwerden im Darm an einen Gastroenterolgen \u00fcberwiesen. Der (sp\u00e4ter beklagte) Gastroenterologe tastete die Patientin rektal ab, fand dort einen Befund (Hautver\u00e4nderung) vor, digital rektal stellte er eine Erhabenheit fest, weswegen er auch nach der Untersuchung des eigentlichen Darms diese Stelle mit dem Endoskop erneut betrachtete und den Befund abtrug hat. Das Gewebe sendete er zur histologischen Untersuchung ein.\u00a0<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p lang=\"de-DE\" align=\"JUSTIFY\"><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Calibri, sans-serif;\"><span style=\"font-size: small;\">Der beklagte Arzt gab an, in dem Nachgespr\u00e4ch habe er der Patientin anhand der bei der Koloskopie gefertigten Bilder genau erl\u00e4utert, was f\u00fcr eine Auff\u00e4lligkeit bestanden habe und, dass er diese mit einer Zange abgetragen habe. Er erl\u00e4utere auch, dass der Befundbericht noch um die Histologie erg\u00e4nzt werde. Er habe ihr ferner gesagt, dass in 7 bis 10 Tagen der Bericht bei dem Hausarzt mit der kompletten Histologie eintreffen werde. Der weitere Inhalt dieses Gespr\u00e4chs ist zwischen Patientin und dem Arzt streitig.\u00a0<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p lang=\"de-DE\" align=\"JUSTIFY\"><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Calibri, sans-serif;\"><span style=\"font-size: small;\">Der beklagte Arzt fertigte einen Arztbericht (Arztbrief), erhielt am Tag darauf den histologischen Befund (\u201ekein invasives Wachstum\u201c) und sandte anschlie\u00dfend den Arztbrief und den histologischen Befund per Post an die Haus\u00e4rztin der Kl\u00e4gerin. Der Arztbrief enthielt die Therapieempfehlung: bioptische Kontrolle im Abstand von sechs Monaten. Ob dieser Arztbrief bei der Haus\u00e4rztin ankam, kontrollierte er nicht.\u00a0<br \/><\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p lang=\"de-DE\" align=\"LEFT\"><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Calibri, sans-serif;\"><span style=\"font-size: x-large;\"><b>Die Entscheidung<\/b><\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p lang=\"de-DE\" align=\"JUSTIFY\"><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Calibri, sans-serif;\"><span style=\"font-size: small;\">Das OLG verneinte, wie auch zuvor das Landgericht, einen Behandlungsfehler des beklagten Gastroenterologen (hier versp\u00e4tete \u00dcbersendung und damit fehlerhafte therapeutische Aufkl\u00e4rung).\u00a0Der Beklagte sei nicht verpflichtet gewesen, die Patientin pers\u00f6nlich telefonisch zu informieren oder wiedereinbestellen, sondern es gen\u00fcge die Information ihrer Haus\u00e4rztin mittels Arztbrief per Post.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p lang=\"de-DE\" align=\"JUSTIFY\"><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Calibri, sans-serif;\"><span style=\"font-size: small;\">Zwar mag es hochpathologische Befunde geben oder Befunde, die weitere zeitkritische Behandlungsschritte erfordern, bei denen eine rasche Reaktion geboten ist und bei denen deshalb auch eine pers\u00f6nliche Information des Patienten geboten sein kann, so das OLG. <\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p lang=\"de-DE\" align=\"JUSTIFY\"><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Calibri, sans-serif;\"><span style=\"font-size: small;\">Erh\u00e4lt der behandelnde Arzt einen Arztbericht, in dem f\u00fcr die Weiterberatung und -behandlung des Patienten neue und bedeutsame Untersuchungsergebnisse enthalten sind, die eine alsbaldige Vorstellung des Patienten bei dem Arzt unumg\u00e4nglich machen, so hat er den Patienten auch dann unter kurzer Mitteilung des neuen Sachverhalts einzubestellen, wenn er ihm aus anderen Gr\u00fcnden die Wahrnehmung eines Arzttermins angeraten hatte.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p lang=\"de-DE\" align=\"JUSTIFY\"><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Calibri, sans-serif;\"><span style=\"font-size: small;\">Eine solche besondere Dringlichkeit war aus Sicht des OLG aber nicht geboten. Bei dem vorliegenden Befund einer abgetragenen Krebsvorstufe reiche ein Kontrollintervall von sechs Monaten und die Befund\u00fcbermittlung mit der Therapieempfehlung an die Haus\u00e4rztin aus.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p lang=\"de-DE\" align=\"JUSTIFY\"><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Calibri, sans-serif;\"><span style=\"font-size: small;\">Das OLG war im \u00dcbrigen davon \u00fcberzeugt, dass der Beklagte die Kl\u00e4gerin gefragt hat, ob sie eine Kopie des Befundberichts erhalten wollte und sie dies verneint hat.\u00a0<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p lang=\"de-DE\" align=\"JUSTIFY\"><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Calibri, sans-serif;\"><span style=\"font-size: small;\">Hinsichtlich der Pflicht des Arztes, zu kontrollieren, ob der Arztbrief auch bei der Haus\u00e4rztin angekommen ist, differenziert das OLG:\u00a0<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<ul>\n<li lang=\"de-DE\"><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Calibri, sans-serif;\"><span style=\"font-size: small;\">Der Arztbrief ist ein g\u00e4ngiges Mittel zur gebotenen Aufrechterhaltung des Informationsflusses zwischen den an der Behandlung beteiligten \u00c4rzten <\/span><\/span><\/span><\/li>\n<li lang=\"de-DE\"><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Calibri, sans-serif;\"><span style=\"font-size: small;\">Normalerweise darf der Absender darauf vertrauen, dass sein Arztbrief beim Empf\u00e4nger ankommt. Es kann ihm nicht zugemutet werden, sich bei jedem Arztbrief zu vergewissern, dass dieser erfolgreich \u00fcbermittelt wurde <\/span><\/span><\/span><\/li>\n<li lang=\"de-DE\"><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Calibri, sans-serif;\"><span style=\"font-size: small;\">Nur dann, wenn dem Arzt aus vorherigen F\u00e4llen z. B. bekannt ist, dass es bei einer Praxis Probleme bei der Postzustellung gibt, kann es eine derartige Pflicht geben &#8211; dann\u00a0sollte der Behandler auf eine andere Kommunikationsmethode (wie etwa Fax) umstellen <\/span><\/span><\/span><\/li>\n<li lang=\"de-DE\"><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Calibri, sans-serif;\"><span style=\"font-size: small;\">Nur in dringenden F\u00e4llen gilt, dass der Absender \u00fcberpr\u00fcfen muss, ob die Information beim Empf\u00e4nger angekommen ist, z. B. bei hochpathologischen Befunden oder Befunden, die weitere, zeitkritische Behandlungsschritte erforderlich machen <\/span><\/span><\/span><\/li>\n<\/ul>\n<p lang=\"de-DE\" align=\"JUSTIFY\"><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Calibri, sans-serif;\"><span style=\"font-size: small;\">Da sich dem beklagten Arzt aber keine hinreichende Anhaltspunkte f\u00fcr derartige Probleme zeigten, verneinte das Gericht die Pflicht, den Zugang des Arztbriefes per Post bei der Haus\u00e4rztin zu kontrollieren.\u00a0<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p lang=\"de-DE\" align=\"LEFT\"><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Calibri, sans-serif;\"><span style=\"font-size: x-large;\"><b>Praxisempfehlung<\/b><\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p lang=\"de-DE\" align=\"JUSTIFY\"><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Calibri, sans-serif;\"><span style=\"font-size: small;\">Der Patient hat einen Anspruch auf Unterrichtung \u00fcber die im Rahmen einer \u00e4rztlichen Behandlung erhobenen Befunde und Prognosen. Das gilt in besonderem Ma\u00dfe, wenn ihn erst die zutreffende Information in die Lage versetzt, eine medizinisch gebotene Behandlung durchf\u00fchren zu lassen (Therapeutische Aufkl\u00e4rung\/Sicherungsaufkl\u00e4rung). Es ist ein (schwerer) \u00e4rztlicher Behandlungsfehler, wenn der Patient \u00fcber einen bedrohlichen Befund, der Anlass zu umgehenden und umfassenden \u00e4rztlichen Ma\u00dfnahmen gibt, nicht informiert und ihm die erforderliche \u00e4rztliche Beratung versagt wird.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p lang=\"de-DE\" align=\"JUSTIFY\"><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Calibri, sans-serif;\"><span style=\"font-size: small;\">F\u00fcr den untersuchenden Arzt ist es daher der sicherste Weg wenn er:<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<ul>\n<li lang=\"de-DE\"><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Calibri, sans-serif;\"><span style=\"font-size: small;\">dem Patienten das bisherige Ergebnis medizinisch erl\u00e4utert <\/span><\/span><\/span><\/li>\n<li lang=\"de-DE\"><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Calibri, sans-serif;\"><span style=\"font-size: small;\">den Patienten fragt, ob er eine Kopie des Arztbriefes w\u00fcnscht <\/span><\/span><\/span><\/li>\n<li lang=\"de-DE\"><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Calibri, sans-serif;\"><span style=\"font-size: small;\">den Arztbrief zeitnah an den Hausarzt versendet \u2013 tut er dies per Fax, spricht der Sendebeleg (gut aufbewahren) daf\u00fcr, dass der Brief auch dort angekommen ist. Au\u00dferdem ist ein Fax kosteng\u00fcnstiger als ein Brief und es geht schneller <\/span><\/span><\/span><\/li>\n<\/ul>\n<p lang=\"de-DE\" align=\"JUSTIFY\"><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Calibri, sans-serif;\"><span style=\"font-size: small;\">bei sehr wichtigen Befunden, die eine sofortige Weiterbehandlung erfordern (z.B. b\u00f6sartiger Tumor), sich mit dem Hausarzt noch einmal kurz telefonisch bespricht. So kann er feststellen, ob der Brief angekommen ist. Er sollte dieses Telefonat mit dem Hausarzt kurz in der Behandlungsakte dokumentieren (K\u00fcrzel sind ausreichend) <\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p lang=\"de-DE\" align=\"JUSTIFY\"><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Calibri, sans-serif;\"><span style=\"font-size: small;\"><b><span style=\"color: #007c75;\">[!]<\/span><i> Die postalische \u00dcbersendung eines Arztbriefes stellt ein g\u00e4ngiges Mittel zur Aufrechterhaltung des Informationsflusses dar. Es ist nicht zumutbar, sich bei jedem Arztbrief zu vergewissern, dass dieser ankommt. Anders verh\u00e4lt es sich nur, wenn aus fr\u00fcheren F\u00e4llen Probleme bei der Zustellung bekannt sind oder wenn ein hochpathologischer Befund mitzuteilen ist, der weitere zeitliche Behandlungsschritte erforderlich macht.<\/i><\/b><\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p lang=\"de-DE\" align=\"JUSTIFY\"><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Calibri, sans-serif;\"><span style=\"font-size: small;\"><i>OLG Karlsruhe, 11.3.2020 &#8211; 7 U 10\/19<\/i><\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p lang=\"de-DE\" align=\"LEFT\"><span style=\"color: #000000;\">\u00a0<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Kommen wichtige Arztbriefe eines untersuchenden Arztes nicht beim behandelnden Arzt an, kann sich eine notwendige Behandlung verz\u00f6gern. 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