Frauen in Führungspositionen: So haben Sie kein Stimmproblem!

Die Stimme. Wie sie klingt, wie sie auf andere wirkt – darüber denken wir nur selten nach. Oftmals ist uns gar nicht bewusst, dass die Stimme mehr als alles andere unsere Visitenkarte ist. Doch gerade Frauen in Führungspositionen haben oft ein Stimmproblem, meint Stimmtrainerin Jessica Wahl, Berlin.

Haben wir eine sympathische Stimme? Klingt sie arrogant und abweisend? Ist sie warm und sanft oder eher kühl und schnarrend? Die meisten machen sich wohl deshalb darüber keine Gedanken, weil sie glauben, dass man für die Qualität der Stimme sowieso nichts tun kann.

Doch das ist ein Irrtum: Gerade bei Frauen in Führungspositionen besteht oft ein Stimm- und Rollenkonflikt zwischen einer hohen, mädchenhaften, „süßen“ Stimme – und einer Stimme, die berufliche Verantwortung zeigen und Vertrauen wecken soll.

Bei einer „Mädchenstimme“ ist das Stimm­niveau zu hoch, sie klingt piepsig. Die Stimme wird gequetscht, hat zu wenig Brust-Resonanz. Diese „Klein-Mädchen-Stimme“ wird Ihnen als Gefühl der Unsicherheit ausgelegt. Eine „Mädchenstimme“ wirkt auf Männer vielleicht sexy, nicht aber, um sich bei Kollegen und Patienten kraftvoll Gehör zu verschaffen und Erfahrung zu vermitteln.

Denn Menschen mit tieferer Stimme gewinnen leichter Sympathie. Je dunkler und tiefer, desto angenehmer und glaubwürdiger wirkt Ihre Stimme und signalisiert Kompetenz und Persönlichkeit. Denn im Wort „Persönlichkeit“ schwingt auch der lateinische Wortstamm „personare“ mit – per = durch; sonare = klingen.

Als Oberärztin müssen Sie die Balance finden zwischen Ihren „Stimm-Rollen“, rät Stimmtrainerin Jessica Wahl. Zuhause und mit Ihrer besten Freundin können Sie mit hoher Stimme sprechen. Wiederum im Joballtag nur burschikos laut oder zackig zu sprechen, ist auch nicht die Lösung.

Jessica Wahl: „Es ist Ihre Aufgabe, Ihren Patienten Hoffnung und Sicherheit zu geben – und nicht zu signalisieren, dass Sie ein süßes Mädchen sind. Machen Sie mit Hilfe Ihrer vollen Stimme hörbar, dass Sie trotz Stress eine in sich ruhende, kompetente und erfahrene Oberärztin sind!“

Das Geheimnis einer vertrauensvollen Stimme heißt „Indifferenzlage“ – eine Stimmlage mit einer Mischung aus Kopf- und Bruststimme, in der der Brustkorb leicht mitschwingt. Vermehrt in der Indifferenzlage zu sprechen, können Sie leicht lernen (siehe den Tipp am Ende des Artikels).

Doch Stimme ist nicht alles, auch auf die Haltung beim Sprechen kommt es an: Senden Sie als Führungskraft keine „Mädchensignale“. Sprechen Sie mit einem reduzierten Gestenkatalog. Halten Sie beim Sprechen den Kopf gerade, vermeiden Sie andauerndes Wackeln und zustimmendes Nicken. Stehen und sprechen Sie ruhig ohne ständiges Streichen, Kratzen oder Auf-die-Lippen-beißen – durch all diese Gesten senden Sie unbewusst Unsicherheits- und im schlimmsten Fall Flirtsignale aus und stellen sich vor Kollegen und Patienten hierarchisch tiefer als Sie es tatsächlich sind!

Sieben Tipps für eine bessere Stimme

Wie Sie Ihre Stimme zum Juwel machen, deren Glanz alles andere überstrahlt, zeigen nachfolgende sieben Praxistipps:

• Achten Sie darauf, nicht zu hoch zu sprechen. „Pieps“-Stimmen wirken wenig überzeugend. Je dunkler und tiefer, desto angenehmer und glaubwürdiger wirkt Ihre Stimme.
• Was das Ohr beleidigt, findet keinen Einlass in die Seele. Verbessern Sie deshalb die Resonanz Ihrer Stimme! Je resonanzreicher Ihre Stimme im Körper schwingt, desto wärmer klingt sie.
• Sprechen Sie sauber und klar. Je deutlicher Sie sprechen, desto leichter fällt Ihren Zuhörern das Verstehen. Nuscheln oder das Verschlucken von Endsilben („Lebn“ statt „Leben“) erschweren das Verständnis.
• Vermeiden Sie monotones Sprechen. Das signalisiert Angst, Desinteresse oder Müdigkeit. Versuchen Sie, durch die Modulation Ihrer Stimme in sich ruhend und gleichzeitig dynamisch zu sprechen.
• Achten Sie auf die richtige Phonzahl, d.h. kontrollieren Sie Ihre Lautstärke. Wer schreit, hat meistens Unrecht. Und wer zu leise spricht, den hört man nicht. Verändern Sie deshalb die Lautstärke je nach Bedeutung der Aussage.
• Vermeiden Sie zu schnelles Reden. Meist verbirgt sich Nervosität und Unsicherheit dahinter! Ihre Wortflut erschlägt Ihre Zuhörer. Wechseln Sie das Sprechtempo. Scheuen Sie sich nicht, Sprechpausen einzulegen.

So finden Sie Ihre Indifferenzlage

Richtig rund wird eine Stimme, wenn sie aus einer Kombination von Kopf-und Bauchstimme besteht. Diese ideale Stimmhöhe nennen Experten „Indifferenzlage“. Legen Sie Ihre flache Hand auf Ihr Brustbein und summen Sie laut und kräftig: „hmmm“. Solange wie Ihr Atemstrom reicht. Sie müssen in den Lippen dabei ein leichtes Kitzeln verspüren und unter Ihrer Hand ein zartes aber deutliches Vibrieren. Je mehr Sie sich auf die Schwingung Ihres Brustbeins in Thymushöhe konzentrieren, desto stärker wird sie. Und das ist das Ziel. Ihre Indifferenzlage. Aus dieser Stimmlage, aus diesem „mmmm“ heraus sollten Sie dann generell sprechen.

Mehr Informationen:
https://www.jessicawahl.de

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