„Viele Patienten werden verunsichert, – selbst wenn der Arzt gesagt hat, alles sei in Ordnung“

Ansgar Jonietz – Foto Pinzer

Interview mit Ansgar Jonietz, Gründer von washabich.de

[?] In der vergangenen Ausgabe von [!] Oberarzt heute wurde berichtet, dass nicht einmal alle Ärzte die Entlassbriefe ihrer Kollegen verstehen. Wie sind Ihre Erfahrungen?

Wir können das aus unseren Erfahrungen bestätigen. Für Fachfragen, die bei der Übersetzung der Befunde auftreten, können sich unsere ehrenamtlichen Übersetzer an ein großes Team aus Konsiliar-Ärzten wenden. Dabei gibt es zum Beispiel immer mal wieder Abkürzungen in Befunden, die teilweise ganz Unterschiedliches bedeuten können oder die sogar niemand der Fachärzte kennt.

[?] Welche Folgen hat es, wenn Patienten die Arzt- oder Entlassungsbriefe nicht verstehen?

Unverständliche Entlassbriefe beeinflussen unter anderem die Therapietreue negativ. Viele Patienten werden durch die Fachsprache verunsichert, sie entwickeln oft unnötige Ängste – selbst wenn der Arzt gesagt hat, alles sei in Ordnung. Nach mehr als 40.000 Übersetzungen wissen wir, dass verständliche Informationen die Therapietreue steigern und Ängste nehmen. Sie helfen den Patienten dabei, gemeinsam mit dem Arzt bessere Entscheidungen zu treffen und machen Arztgespräche zudem effektiver, da die Patienten bessere Fragen stellen können.

[?] Wie können sich Patienten an Sie wenden, wenn Sie Ihren Arztbrief nicht verstehen?

Dazu können sie sich auf washabich.de einfach mit ihrer E-Mail-Adresse auf unserer Warteliste eintragen. Innerhalb weniger Tage erhalten sie dann den Link zu unserem Einsende-Formular, über das sie uns digital ihren Befund zusenden können. Die Übersetzung erfolgt kostenlos und anonym.

Hunderte Medizinstudierende und Ärzte übersetzen die medizinischen Befunde ehrenamtlich in eine leicht verständliche Sprache. Sie alle durchlaufen zuvor unsere zertifizierte Kommunikationsausbildung, eine Kombination aus E-Learning-Lektionen und telefonischen Supervisionen durch unsere hauptamtlichen Ärzte.

[!] „Bislang konnten wir so schon über 2.000 Mediziner für eine patientengerechte Sprache sensibilisieren. Wenn Ärzte von vornherein verständlicher kommunizieren können, hat das einen noch nachhaltigeren Effekt als eine einmalige Übersetzung für einen Patienten.“

[?] Welche Dienstleistungen bieten Sie noch an?

Damit wir möglichst vielen Patienten mit verständlichen Informationen helfen können, haben wir den Patientenbrief entwickelt – der zusätzlich zum Arztbrief über Diagnosen, durchgeführte Untersuchungen und verordnete Medikamente informiert. Mit unserer Software können die Patientenbriefe auf Basis strukturierter Entlassdaten, zum Beispiel ICD- oder OPS-Codes, komplett automatisiert erstellt werden – das heißt, ohne Aufwand für die Ärzte und das Klinikpersonal. Die Software wird direkt in die Klinik-IT integriert und ermöglicht so einen flächendeckenden und kosteneffektiven Einsatz von Patientenbriefen.

Leicht verständliche Patientenbriefe aus dem Krankenhaus- Informationssystem?

Patientenbriefe wirken: Sie verbessern das Verständnis ärztlicher Informationen und stärken die Gesundheitskompetenz von Patienten. Das ergab eine Studie der „Was hab‘ ich“ gGmbH (Dresden), die vom Bundesgesundheitsministerium unterstützt wurde. Als Weiterentwicklung eines Pilotprojekts hat „Was hab‘ ich?“ eine Software entwickelt, die individuelle Patientenbriefe automatisch erstellen kann.

„Leicht verständliche Patientenbriefe aus dem Krankenhaus- Informationssystem?“ weiterlesen

MDK-Prüfung: So reduziert Künstliche Intelligenz die Erlösverluste

MDK-Prüfquoten von mehr als 20 % der stationären Fälle sind inzwischen keine Seltenheit mehr. Für das einzelne Krankenhaus ergeben sich dadurch Erlösverluste in Millionenhöhe. Mit Methoden der Künstlichen Intelligenz (KI) können unsichere Kodierungen schon im Vorfeld erkannt und nachbearbeitet werden.

„MDK-Prüfung: So reduziert Künstliche Intelligenz die Erlösverluste“ weiterlesen

Klinische Entlassungsbriefe: Viele Hausärzte verstehen die Arztbriefe nicht

Klinische Entlassungsbriefe („Arztbriefe“) sind das wohl wichtigste Kommunikationsmittel zwischen Krankenhausärzten und den Kollegen in der hausärztlichen Praxis. Sie erfüllen zudem eine Dokumentationspflicht. Trotz dieser fundamentalen Bedeutung fehlt in den Texten nicht selten die Nachvollziehbarkeit diagnostischer und therapeutischer Maßnahmen. „Klinische Entlassungsbriefe: Viele Hausärzte verstehen die Arztbriefe nicht“ weiterlesen