Lupus erythematodes (SLE): Innovative Therapien gegen die Autoimmunerkrankung vielversprechend

Der Systemische Lupus erythematodes (SLE) – eine seltene entzündlich-rheumatische Erkrankung – birgt ein hohes Risiko für lebensbedrohliche Organschäden. Besonders oft sind junge Frauen betroffen. Neue Behandlungsmethoden scheinen – zumindest in Einzelfällen – derart wirksam, dass sogar von „Heilung“ die Rede ist.

Die Deutsche Gesellschaft für Rheumatologie e.V. (DGRh) freut sich, dass neuartige Immuntherapien für schwere Verläufe des SLE maßgeblich von Forschenden in Deutschland entwickelt wurden. Zwei weltweit beachtete Publikationen sind jüngst im New England Journal of Medicine (NEJM) erschienen.

In Deutschland sind etwa 35 von 100 000 Menschen von einem systemischen „Lupus“ betroffen. Frauen erkranken deutlich häufiger als Männer – hierzulande im Verhältnis 9:1 und meist zwischen dem 16. und dem 55. Lebensjahr. Einen SLE-Krankheitsschub begleiten oft Fieber, Abgeschlagenheit, Gelenk- und Muskelschmerzen. Vor allem aber können die Entzündungsprozesse eines SLE unbehandelt auf lange Sicht Organe wie Haut, Lunge, Niere, Herz oder auch Blutgefäße und Nerven schädigen.

Zentrale Bedeutung im Krankheitsprozess des SLE haben sogenannte B-Lymphozyten und Plasmazellen, die gegen den Körper gerichtete Antikörper produzieren. Derartige Zellen spielen auch bei bestimmten bösartigen Bluterkrankungen eine Rolle. „Deshalb setzen Forscher schon seit einigen Jahren versuchsweise in besonders schweren Fällen gezielte Therapien aus der Blutkrebsforschung ein“, erläutert Professor Dr. med. Christof Specker, Vizepräsident der DGRh. Entsprechend wenden Rheumatologen bei immunologischen Systemerkrankungen Substanzen an, die auch bei bösartigen Neubildungen des Lymphsystems und des Knochenmarks im Einsatz sind.

Die Berliner Forschergruppe um Professor Dr. Gerd Burmester, Professor Dr. Falk Hiepe und Dr. Tobias Alexander berichtete im vergangenen Jahr über den weltweit erstmaligen Einsatz des monoklonalen Antikörpers Daratumumab bei SLE (i). Das Medikament verringert die Zahl der Plasmazellen und ist seit dem Jahr 2016 für die Behandlung des multiplen Myeloms, einer krankhaften Vermehrung bösartiger Plasmazellen, zugelassen. Die Forscher der Charité – Universitätsmedizin Berlin behandelten damit zwei Patientinnen mit Lupus. Deren Blutwerte besserten sich danach erheblich und blieben noch nach mehr als einem Jahr stabil.

In der neuesten Publikation der Erlanger Arbeitsgruppe um Professor Dr. Georg Schett, Professor Dr. Bernhard Manger und Professor Dr. Gerhard Krönke kamen weltweit erstmals sogenannte Chimäre Antigenrezeptor-T (CAR-T) Zellen gegen SLE zum Einsatz (ii). Auch diese hoch-innovative Therapie kommt in ausgesuchten Fällen bösartiger hämatologischer Erkrankungen schon mit Erfolg zum Einsatz. Hierbei werden T-Zellen eines Patienten außerhalb des Körpers gentechnisch so verändert, dass diese – wieder in den Körper injiziert – die bösartigen B-Lymphozyten und Plasmazellen gezielt aufsuchen und dazu bringen, sich aufzulösen. Die CAR-T-Zellen vermehren sich im Körper sogar weiter und stellen damit eine hochwirksame und nachhaltige Therapie dar. Doch das Verfahren ist sehr aufwändig und birgt zudem die Gefahr von Nebenwirkungen. Deshalb wird es bislang nur in universitären hämatologischen Zentren angeboten.

Besonders erfolgreich verlief in Erlangen jüngst der weltweit erste Einsatz dieser CAR-T-Zell-Therapie bei einer 20-jährigen SLE-Patientin. Bei ihr waren die bisherigen Therapien nicht oder nicht mehr ausreichend wirksam und das Erlanger Ärzteteam erreichte mit den CD19-modifizierten CAR-T-Zellen eine derart vollständige und langanhaltende Zerstörung zirkulierender B-Zellen, dass die Krankheitssymptome verschwanden und sich auch die immunologischen SLE-Veränderungen im Blut normalisierten. Zu schwerwiegenden unerwünschten Effekten kam es dabei nicht.

„Diese neuen Therapieansätze sind sehr vielversprechend, doch bewährt haben sie sich bisher nur in Einzelfällen“, betont Professor Dr. med. Andreas Krause, Präsident der DGRh aus Berlin. Die Verfahren müssten sorgfältig geprüft werden und von „Heilung“ kann man sicher noch nicht sprechen. „Wir sollten keine Hoffnung schüren, die wir womöglich nicht einlösen können“, meint der Rheumatologe. Vor einem endgültigen Urteil sollten wir weitere, größere Studien und Langzeitergebnisse dieser aufwändigen und nicht risikoarmen Therapien abwarten.

49. Kongress der DGRh, 35. Jahrestagung der DGORh, Wissenschaftlichen Herbsttagung der GKJR, 15. bis 18. September 2021

(i) Ostendorf L et al. Targeting CD38 with Daratumumab in Refractory Systemic Lupus Erythematosus. N Engl J Med. 2020 Sep 17;383(12):1149-1155. doi: 10.1056/NEJMoa2023325. PMID: 32937047.

(ii) Mougiakakos D et al. CD19-Targeted CAR T Cells in Refractory Systemic Lupus Erythemato- sus. N Engl J Med. 2021 Aug 5;385(6):567-569. doi: 10.1056/NEJMc2107725. PMID: 34347960.

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