Belegärzte in der stationären Versorgung: ohne sie geht oft nichts

Vertragsärzte leisten als Belegärzte vor allem in ländlichen Regionen Deutschlands einen maßgeblichen Beitrag zur Sicherstellung der stationären Versorgung. Ohne sie würde in immer mehr Fachabteilungen der Kliniken das Licht ausgehen. Doch die Zahl der Belegabteilungen in deutschen Krankenhäusern geht zurück.

Insgesamt weist eine Studie der Universität Köln einen starken Rückgang der Belegabteilungen in deutschen Krankenhäusern aus. Zwischen 2012 und 2017 sank die Zahl der in den strukturierten Qualitätsberichten dokumentierten Belegabteilungen von 1.403 auf 1.201.

Dieser Rückgang kann jedoch nicht zwangsläufig mit einer Substitution der Versorgungsstrukturen in Hauptabteilungen oder in nicht bettenführenden Abteilungen erklärt werden.

Generell wird in den Fachgebieten Urologie, Orthopädie, Gynäkologie, Hals-Nasen-Ohrenheilkunde und Augenheilkunde noch ein nennenswerter Versorgungsanteil über belegärztliche Abteilungen erbracht.

Nimmt man die Verbreitung der belegärztlichen Abteilungen auf der Ebene der Stadt- und Landkreise in den Blick, fällt auf, dass in den belegärztlich häufig tätigen Fachgebieten – wie der Hals-Nasen-Ohrenheilkunde sowie der Augenheilkunde – die Belegabteilungen oftmals alleiniger stationärer Versorger im Kreis sind. Somit tragen sie in einigen Fachgebieten maßgeblich zum Erhalt der stationären Versorgung bei, insbesondere in Bayern, Niedersachsen, Schleswig-Holstein und Rheinland-Pfalz mit anteilig 16 bis 20 Prozent.

Hintergrund

Nach SGB V § 121 ist der Belegarzt ein Vertragsarzt („Kassenarzt“), der Patienten teil- oder vollstationär im Krankenhaus behandelt, jedoch nicht am Krankenhaus angestellt ist. Er nutzt die Infrastruktur des Krankenhauses, ohne dem Krankenhaus unterstellt zu sein.

Für Krankenhäuser können Belegabteilungen zur Sicherstellung des Leistungsspektrums attraktiv sein, wenn sie eigene Hauptabteilungen nicht mehr wirtschaftlich betreiben können. Im Gegensatz zu Hauptabteilungen weisen Belegabteilungen geringere Fixkosten auf und können daher seitens der Krankenhäuser leichter aufrechterhalten werden.

Da Belegabteilungen im Vergleich zu Hauptabteilungen zum Erhalt nicht auf eine permanent hohe Auslastung angewiesen sind, weisen sie eine hohe Flexibilität auf und können auch in Regionen mit geringerer Nachfrage zur  Aufrechterhaltung der Versorgung in diversen Disziplinen eingesetzt werden. 

Volkert, A. Scholten, N. Das Belegarztwesen im sektorenübergreifenden Wettbewerb: Versorgungsspektrum, Interdependenzen und Versorgungsunterschiede“, Köln, 2020.