Notfalldatensätze – ein Aufwand, der sich lohnt

von Alexandra Buba M. A., Wirtschaftsjournalistin, Fuchsmühl

Ab 2018 bekommen Patienten die Möglichkeit, freiwillig Notfalldaten und persönliche Erklärungen auf ihrer elektronischen Gesundheitskarte (eGK) abspeichern zu lassen. Eine rundum sinnvolle Sache – nur erfassen müssen die Daten Ärzte in Praxen und Kliniken. Die haben das Verfahren nun getestet und festgestellt, dass der Aufwand beträchtlich ist.

Hoher Nutzen

Den Nutzen der elektronischen Speicherung von Daten auf den Karten der Patienten bezweifelt kaum jemand. Denn dass ein Mehr an Information im Notfall nicht nur Betroffenen hilft, sondern auch Ärzten die Arbeit erleichtert, liegt auf der Hand. Allerdings obliegt es Letzteren auch, die Daten zu erfassen. Dafür müssen sie im Fall des Notfalldatensatzes neben den Stammdaten des Patienten Angaben zu Diagnosen, Operationen, zur Medikation oder zu Unverträglichkeiten festhalten. Auch Besonderheiten wie Implantate gehören in den Datensatz. Wichtig ist zudem der Benachrichtungskontakt für den Notfall. Unabhängig vom Notfalldatensatz kann zudem ein Datensatz persönlicher Erklärungen gespeichert werden. Das sind dann Erklärungen zur Organ- oder Gewebespende, die Patientenverfügung oder Vorsorgevollmacht. Doch wie praxistauglich sind diese Ideen bereits?

Datenerfassung sinnvoll, aber unkomfortabel

Wie all diese Informationen künftig sukzessive auf die elektronischen Gesundheitskarten gelangen könnten, testete jetzt das für die Karten verantwortliche Unternehmen gemeinsam mit der Bundesärztekammer. Über einen Zeitraum von sechs Monaten wurden über 3.000 Datensätze für Patienten angelegt. Teilnehmer waren Haus-, Fach- und Krankenhausärzte. Mehr als drei Viertel von ihnen schätzten die Datenerfassung und -speicherung als sinnvoll ein. Aber: Nur die Hälfte der Krankenhausärzte war zufrieden mit dem Anlageprozess als solchem, bei den niedergelassenen Ärzten waren es immerhin 80 Prozent. Der Grund dafür liegt zum einen im unterschiedlichen Komfort der eingesetzten Softwarelösungen, zum anderen aber auch darin, wie Mitarbeiter eingebunden wurden: So erledigten die Krankenhausärzte die Datenanlage überwiegend selbst, in den Praxen wurden die MFA damit betraut.

Software muss benutzerfreundlich werden

Der Zusatzaufwand sorgte dafür, dass für ein Drittel der Praxismitarbeiter und Ärzte sowie zwei Drittel der Krankenhausärzte Überstunden anfielen. Das hatte allerdings keine Auswirkungen auf die Qualität, denn die Datensätze waren fast zu 100 Prozent sinnvoll und nachvollziehbar angelegt. Damit sich dieser Nutzen in Zukunft voll entfalten kann und die elektronischen Informationen flächendeckend erfasst sowie gespeichert werden, ist es daher notwendig, dass die einzelnen Datensysteme in allen Softwareanwendungen standardisiert werden. Solche Projekte treibt die gematik Gesellschaft für Telematikanwendungen der Gesundheitskarte mbH voran. An den Herstellern liegt es nun, die Anwendungen so zu gestalten, dass sie für Ärzte und Pflegekräfte im Anlageprozess benutzerfreundlich und effizient arbeiten.