Silvesterfeuerwerk: Verkaufsverbot reduzierte Augenverletzungen um 80 Prozent

Eine Umfrage der Deutschen Ophthalmologischen Gesellschaft (DOG) an 75 deutschen Kliniken zeigt:  Das Böller-Verkaufsverbot zum Jahreswechsel 2020/2021 reduzierte die Zahl der Augenverletzungen im Vergleich zu den Vorjahren um mehr als 80 Prozent.

Seit dem Jahreswechsel 2016/17 führt die DOG regelmäßig Umfragen an den deutschen notdienstleistenden Augenkliniken durch, um die Anzahl und Schwere von Augenverletzungen zu erfassen, die sich in den Tagen um Silvester durch Feuerwerkskörper ereignen. „Wie die Erhebungen zeigen, kam es zu den Jahreswechseln 2016/2017 bis 2019/2020 zu jeweils etwa 500 Fällen von Augenverletzungen“, berichtet Dr. med. Ameli Gabel-Pfisterer (Klinik für Augenheilkunde am Klinikum Ernst von Bergmann, Potsdam).

Dabei stellten die Experten alle Jahre wieder fest: Ein Viertel der Betroffenen erlitt so schwere Schäden, dass eine stationäre Behandlung erforderlich wurde. „Unbeteiligte, Kinder und Jugendliche traf es stets besonders häufig“, ergänzt die Expertin. So zündete mehr als die Hälfte der Verletzten den Feuerwerkskörper nicht selbst, und der Anteil der Minderjährigen betrug bis zu 40 Prozent – obwohl sie nur 17 Prozent der Gesamtbevölkerung ausmachen. „Tragischerweise ist bei 40 Prozent der Verletzten ein dauerhafter Sehverlust zu erwarten“, sagt Gabel-Pfisterer.

Im vergangenen Winter aber änderte sich die Situation grundlegend: Zum Jahreswechsel 2020/21 sprach die Politik ein deutschlandweites Verkaufsverbot für Feuerwerkskörper aus, um die Krankenhäuser in der COVID-19-Pandemie zu entlasten; vielerorts galten zudem Ausgangsbeschränkungen, Versammlungs- und Böllerverbote. In dieser Saison beteiligten sich 75 Augenkliniken an der DOG-Silvesterumfrage, so viele wie nie zuvor. Ergebnis der nahezu flächendeckenden Erhebung: Die Verletztenzahl in den Augenkliniken sank drastisch ab – von üblicherweise 500 auf 79 Personen zum Jahreswechsel 2020/2021.

„Das bedeutet einen Rückgang bei den Augenverletzungen auf weniger als 20 Prozent der Vorjahreswerte“, betont Professor Dr. med. Hansjürgen Agostini (Klinik für Augenheilkunde des Universitätsklinikums Freiburg). Zugleich fiel der Anteil der verletzten Minderjährigen auf 25 Prozent. „Wir stellen fest: Verkaufsverbot und Versammlungsbeschränkungen hatten eindeutig einen Schutzeffekt“, resümiert Agostini. Der Effekt entspricht internationalen Studien, wonach in Ländern oder Regionen mit Verbot von privatem Feuerwerk die Inzidenz von Augenverletzungen durch Pyrotechnik um 87 Prozent sinkt.

Augenärzte schlagen gemeinschaftliches, professionelles Feuerwerk vor

Vor dem Hintergrund der dramatischen Zahlen will die Arbeitsgruppe „Feuerwerksverletzung“ der DOG eine Petition für sicheres Silvesterfeuerwerk starten. „Ziel dieser Initiative ist, privates durch gemeinschaftliches, professionelles Feuerwerk zu ersetzen“, erläutert Gabel-Pfisterer. „Ein solches Feuerwerk, das sich privat, über Bürgerspenden oder durch Gemeinden finanziert, kann vielfältig und prächtig sein und zum Erlebnis im Dorf, in der Stadt oder Metropole werden“, ergänzt Agostini. Neben professionellen Feuerwerkern könnten auch angeleitete kommunale Spezialisten – beispielweise aus den Reihen der lokalen Feuerwehr – für Qualität und Sicherheit sorgen.

Der gesundheitsfördernde Effekt eines solchen Paradigmenwechsels dürfte jedenfalls enorm sein. „Da Augenverletzungen je nach Studie zehn bis fünfzehn Prozent aller Verletzungen durch Pyrotechnik ausmachen, kann man abschätzen, wie hoch das protektive Potential sicherer Feuerwerke insgesamt ist“, betonen die beiden DOG-Experten.

Mitteilung der Deutschen Ophthalmologischen Gesellschaft (DOG)  vom 06.12.2021

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