Topsharing: Work-Life-Balance und Klinik? Ja, mit Doppelspitze(n)-Medizin!

Die Unterrepräsentanz von Frauen in Spitzenpositionen hat verschiedene Ursachen. Sicher ist jedoch, dass bei fast allen Menschen der Wunsch nach einer ausgeglichenen Work-Life-Balance besteht – ein Wunsch, der in einer äußerst arbeitsintensiven und verantwortungsvollen Spitzenposition in einer Klinik kaum realisiert werden kann. Der Deutsche Ärztinnenbund nimmt an, dass eine medizinische Führungsposition mit reduzierter Arbeitszeit attraktiv ist – und auch zu mehr Bewerbungen von Frauen führen würde, wenn die Stellen entsprechend ausgeschrieben wären.

„Was muss Ihrer Meinung nach passieren, dass die Vereinbarkeit von Familie und Beruf bei Heilberuflern verbessert werden kann?“ Wünsche für eine verbesserte Vereinbarkeit: Kompatible Kinderbetreuungsangebote und flexible Arbeitszeitmodelle werden in einer Umfrage der apoBank am häufigsten genannt.

Der Deutsche Ärztinnenbund präsentiert die Ergebnisse einer ersten orientierenden Meinungsumfrage zum Thema „Topsharing“ bzw. „Doppelspitze“ unter 138 habilitierten Internistinnen, meist im Alter zwischen 40 und 49 Jahren, an deutschen Universitätskliniken.

Hier die Antworten:

Wäre ein Topsharing (oberste Führungsposition) in Ihrem Fachgebiet grundsätzlich möglich?
• Ja 86,5%
• nein 13,5%

Würden Sie sich auf eine geteilte Spitzenposition bewerben?
• Ja, zusammen mit einem Mann 3,5%
• Ja, zusammen mit einer Frau 5,8%
• Ja, egal, ob mit Mann oder Frau 75,6%
• nein 15,1%

Welchen Rhythmus einer Teilung der Stelle halten Sie für sinnvoll?
• tagesweise 6%
• monatsweise 2%
• Nach den Möglichkeiten des Faches und gegenseitiger Absprache 92%

Für eine Doppelspitze sind beiderseitiges Vertrauen (80%), Fähigkeit zu Teamwork (65%) und eine „Chemie“, die stimmt (62%) aus Sicht der Befragten die wichtigsten Voraussetzungen. Vorteile wären eine bessere Work-Life-Balance (62%) und die geteilte Verantwortung mit kompetenten Gesprächspartnerinnen. Nur 29% kennen niemanden, mit dem man sich eine gemeinsame Bewerbung vorstellen könnte.

Hindernisse werden in der traditionellen Hierarchie (100%) und reduziertem Einkommen (67%) gesehen. 58% der Teilnehmerinnen halten die Einführung einer verbindlichen Quote bis zum Erreichen von Parität für unumgänglich.

[!] „Diese Ergebnisse sollten Entscheidungshilfen bei Ausschreibungen und Berufungen sein – für Stations,- Fakultäts- und Verwaltungsleitungen. Es ist Zeit, dass es für Medizinerinnen moderne Perspektiven für eine Karriere mit dem Ziel, an die Spitze zu kommen, gibt!“, fordert Prof. Dr. med. Gabriele Kaczmarczyk, Vizepräsidentin des Deutschen Ärztinnenbundes.

Dt. Ärztinnenbund, Umfrage Topsharing, September 2018.
Kind und Kittel – apoBank-Studie, 2019.

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