Medizin

West-Nil-Fieber in Ostdeutschland

Wie erwartet treten seit August wieder einige Fälle des West-Nil-Fiebers in Ostdeutschland auf. Die durch Stechmücken übertragene Viruserkrankung verläuft meist asymptomatisch, doch in seltenes Fällen kann eine lebensbedrohliche Entzündung des Gehirns oder der Hirnhäute auftreten. Das Centrum für Reisemedizin empfiehlt Bewohnern der betroffenen Gebiete effektiven Mückenschutz bis Ende der Mückensaison.

Im August wurde bei drei Patienten aus Berlin und Brandenburg der Erreger des West-Nil-Fieber gemeldet. In zwei Fällen wurde das Virus im Rahmen eines Blutspende-Screenings detektiert, im dritten Fall bei einem aufgrund einer Entzündung des Gehirns (Enzephalitis) im Krankenhaus liegenden Patienten. „Wir haben die Infektionen auch in diesem Jahr erwartet“, erklärt Prof. Dr. med. Tomas Jelinek, wissenschaftlicher Leiter des Centrums für Reisemedizin (CRM), „denn schon seit einigen Wochen findet man das Virus in diesen Gegenden Deutschlands bei infizierten Vögeln.“

Das West-Nil-Virus (WNV) kommt in vielen Gegenden der Welt vor, vor allem aber im Tropengürtel Afrikas. Von dort kann es mit Zugvögeln nach Europa reisen. Das Virus infiziert zwar hauptsächlich Vögel, es kann aber auch auf Menschen, Pferde und andere Säugetiere übergreifen. In den Mittelmeerländern wird das West-Nil-Virus schon seit vielen Jahren in den Sommermonaten auf Menschen übertragen. „In Deutschland trat das West-Nil-Fieber früher nur bei Menschen auf, die aus Gebieten mit West-Nil-Fieber zurückgereist waren. Seit 2019 beobachten Mediziner aber, dass sich Menschen auch hier in Deutschland infizieren“, so Jelinek.

Infektionen verlaufen meist symptomlos

Infektionen mit dem West-Nil-Virus verlaufen meist symptomlos und damit unbemerkt, nur etwa 20 Prozent der Infizierten leiden an Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen oder Hautausschlägen. Menschen über 50, mit einer Vorerkrankung oder Immunschwäche haben ein höheres Risiko, eine schwere Form der Erkrankung zu entwickeln, doch nur bei weniger als einem Prozent der Patienten kommt es zu einer lebensbedrohlichen Entzündung des Gehirns oder der Hirnhäute; in diesen Fällen können aber auch Spätschäden auftreten. Da es bisher keine Medikamente gibt, die das Virus bekämpfen, können Mediziner nur die Symptome behandeln. Weil Infektionen auch durch Bluttransfusionen möglich sind, werden seit 2019 Blutspenden in den betroffenen Regionen Ostdeutschlands auf das West-Nil-Virus getestet.

Wissenschaftler vom Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin (BNITM) und des Friedrich-Loeffler-Instituts (FLI) suchten in Deutschland schon seit Jahren in Vögeln und Stechmücken nach dem West-Nil-Virus und 2018 wurden sie in Ostdeutschland auch fündig. Vor allem die warme Jahreszeit – und unsere Sommer könnten ja noch wärmer und länger werden – ist Hauptsaison für die Stechmücken. Am höchsten ist daher die Gefahr für eine Übertragung von Vögeln auf den Menschen im Spätsommer oder Frühherbst, wenn die Zugvögel in den Süden ziehen. Da sich die Flugrouten der Zugvögel geändert haben und immer mehr Zugvögel mit dem WNV infiziert sind, steigt die Gefahr in Deutschland.

Da es im Moment leider noch keine Impfung gegen dieses Virus gibt, empfiehlt das Centrum für Reisemedizin als Prophylaxe ausdrücklich, vor allem in Ostdeutschland bis in den Herbst einen effizienten Mückenschutz anzuwenden. Dazu gehören mückenabweisende Sprays, Moskitonetze und langärmlige Hemden und Hosen.

Meldung des CRM Centrum für Reisemedizin vom 17.09.2021