„Man weiß, dass es kommt, weiß aber nicht, wie schlimm es wird.“

Ärzte und Pflegekräfte, Klinikleiter und Verwaltungsmitarbeiter sind zur Zeit rund um die Uhr mit der Vorbereitung für die anschwellenden Zahlen von Corona-Patienten beschäftigt. [!] oberarzt heute hat mit Tobias Bruckhaus gesprochen, dem Geschäftsführer des Klinikums Pfeiffersche Stiftungen, der Lungenklinik Lostau und dem MVZ der Pfeifferschen Stiftungen in Magdeburg. Wir haben gefragt, wie sich seine Klinik vorbereitet und was er sich von der Politik wünscht.

Tobias Bruckhaus
Tobias Bruckhaus, Geschäftsführer des Klinikums Pfeiffersche Stiftungen, der Lungenklinik Lostau und dem MVZ der Pfeifferschen Stiftungen in Magdeburg.

[?] Herr Bruckhaus, wie bereiten sich die von Ihnen geleiteten Kliniken auf die Corona-Krise vor?
Tobias Bruckhaus: Wir haben einen internen Pandemiestab gegründet, der fast täglich tagt und die Entwicklungen beobachtet sowie entsprechende Maßnahmen erarbeitet und umsetzt. Darüber hinaus schulen wir alle unsere Mitarbeiter kontinuierlich in Hygienemaßnahmen. Die Stadt Magdeburg hat ebenfalls ein solches Gremium einberufen, dem ich angehöre. Hier werden ebenfalls alle aktuellen Entwicklungen diskutiert und entsprechende Maßnahmen beschlossen. Ich bin somit immer zeitnah über die aktuellen Planungen informiert.

[?] Welche Vorkehrungen haben Sie im Klinikum getroffen?
TB: Wir haben eine Verfahrensanweisung über den Umgang mit infizierten Patienten entwickelt. Elektive Operationen und Aufnahmen haben wir weitestgehend ausgesetzt, um freie Kapazitäten auf den Intensivstationen zu schaffen. Gleichzeitig haben wir eine Station nur für Corona-Patienten vorbereitet. Zudem wird der Zutritt von Besuchern streng kontrolliert: Nur wer einen besonderen Besuchsgrund hat und sich die Temperatur messen lässt, darf das Klinikum betreten. Weiterhin versuchen wir die notwendigen Mindestabstände zwischen den Menschen zu gewährleisten: Wir nutzen nun einen separaten Personaleingang, sodass Mitarbeiter,Patienten und Besucher eine gewisse räumliche Trennung erfahren.

[?] Wie ist die Versorgung mit Schutzausrüstung?
TB: Wir haben alle Mitarbeiter angewiesen, Mund- und Nasenschutz zu tragen, um in erster Linie die uns anvertrauten Patienten zu schützen. Zudem müssen alle, die mit Corona-Patienten zu tun haben, spezielle Masken tragen. Aber wie in allen Krankenhäusern ist es ein großes Problem, genügend Schutzausrüstung zu erhalten. Die Lieferschwierigkeiten treffen auch uns – wir hoffen, dass die Politik uns hier hilft, zügig genügend Masken zu erhalten.

[?] Welche weiteren Herausforderungen müssen Sie als Klinikchef in dieser Krise meistern?
TB: Neben Masken sind wir – ebenfalls wie alle Kliniken derzeit – auf die Lieferung weiterer Beatmungsgeräte angewiesen. Zu guter Letzt bemühen wir uns natürlich auch um zusätzliches Personal, um die kommenden Behandlungsfälle zu versorgen. Gleichzeitig müssen wir uns natürlich um die Ängste und Sorgen der Mitarbeiter kümmern, für die diese Situation auch neu ist.

[?] In dieser Krise müssen Sie viel mit Behörden kommunizieren, beispielsweise Corona-Fälle melden. Wie klappt hier die Zusammenarbeit?
TB: Grundsätzlich klappt sie gut, wir würden uns aber auch eine bessere Abstimmung und Vernetzung der Behörden untereinander wünschen. Ein Beispiel: Wir müssen freie Betten, unsere Beatmungskapazitäten sowie die Anzahl der Coronapatienten melden. Hier gilt es, mit dem Stadt, dem Land und dem Bund zu kommunizieren. Teilweise müssen jedoch an mehreren Stellen dieselben Angaben gemacht werden.

[?] Wie ist Ihr Ausblick?
TB: Ich bin ja schon seit einiger Zeit als Geschäftsführer an verschiedenen Kliniken tätig. Die Corona-Krise ist jedoch eindeutig die größte Herausforderung, die ich bisher erlebt habe. In unseren Kliniken in Magdeburg geht es derzeit noch verhältnismäßig ruhig zu im Vergleich zu anderen Häusern, insbesondere in West- oder Süddeutschland. Wir selbst haben uns mit allen Kräften auf den zu befürchtenden Anstieg der Corona-Behandlungsfälle vorbereitet – und tun dies auch weiterhin. So sind wir gerade dabei, die stillgelegte Intensivstation der Lungenklinik Lostau zu reaktivieren, um weitere Kapazitäten zu schaffen.

[?] Also sind Sie gut vorbereitet?
TB: Wir tun auf jeden Fall alles dafür und nutzen die Zeit, die wir noch haben, um uns optimal vorzubereiten. Allerdings wissen auch wir nicht, wie viele Fälle wir behandeln müssen. Es ist ein wenig wie bei einer Tsunami-Warnung: Man weiß, dass er kommt, weiß aber nicht, wie schlimm er wird.