Angestellt im ambulanten Bereich:zunehmend auch für Ältere eine Alternative

In der ambulanten Medizin wählen immer mehr Ärzte – anstatt sich niederzulassen – eine Tätigkeit in Anstellung. Dahinter stehen natürlich Veränderungen im Selbstverständnis der Ärzteschaft. Andererseits gilt: Ärzte suchen die Festanstellung auch in der ambulanten Versorgung, weil heutzutage einfach – anders als früher – die Möglichkeit dazu besteht.

Allgemein wird angenommen, dass angestellte MVZ-Ärzte in aller Regel Berufsanfänger sind. Die Statistik zeigt aber, dass sich der Altersdurchschnitt der angestellten Ärzte nicht wesentlich von dem ihrer selbständigen Kollegen unterscheidet. Dies ist eine Konsequenz zweier gegenläufiger Entwicklungen:

  • Junge Ärztinnen und Ärzte planen die Möglichkeit, ambulant angestellt zu arbeiten, häufig bewusst als Karrierezwischenschritt, der die Absicht der späteren Niederlassung von vornherein mit einschließt. Damit fallen sie nach einer Zeit aus dieser besonderen Angestelltenstatistik heraus und verjüngen stattdessen die Gruppe der selbständigen Kolleginnen und Kollegen.
  • MVZ und Praxen bieten, wenn sie bestehende Arztsitze übernehmen, den abgebenden, oft älteren Kolleginnen und Kollegen in aller Regel Teilzeitmodelle an, die diese häufig auch lange über den gesetzlich geforderten Zeitraum weiterführen. Einfach, weil diese erfahrenen Kollegen den Spaß an der Behandlungstätigkeit neu entdecken, wenn ihnen jemand den ganzen „KV-Kram“ abnimmt. Dies trägt dazu bei, dass noch viel mehr Ärzte als früher auch in hohem Alter weiter aktiv sind.

Im ambulanten Bereich waren zum Jahresende 2016 knapp 152.000 Ärztinnen und Ärzte vertragsärztlich tätig – davon 119.641 in selbständiger Niederlassung und 32.348 im Status der Anstellung. Der Anteil angestellter Ärzte ist damit innerhalb eines Jahres erneut und sprunghaft von 20 auf 27 Prozent gestiegen.

Obwohl insbesondere das MVZ als Arbeitgeber für angestellte Ärzte präsent ist, sind es in Summe die Einzel- und Gemeinschaftspraxen, die bei den Anstellungsverhältnissen die Nase vorn haben. Tatsächlich haben mit 45 Prozent (das entspricht 14.560 Ärzten) nur eine Minderheit der angestellten Ärzte ein MVZ als Arbeitgeber.

[!] Es ist davon auszugehen, dass mittelfristig bis zu 40 Prozent der KV-Ärzte angestellt sein werden. Dabei darf der Anteil älterer (50+) und alter Ärzte (65+) nicht unterschätzt werden. Zusätzlich werden sich viele der heute angestellten jungen Ärzte in den nächsten Jahren niederlassen: Auch die aktuelle Medizinergeneration lässt sich in der Tendenz nieder, allerdings nur etwas später. Aus diesem Grund ist anzunehmen, dass sich der momentan sehr rasche Anstieg bei den Zahlen der angestellten Ärzte mittelfristig mit etwas verringerter Dynamik fortsetzt.