Große Diskrepanz zwischen tatsächlicher und gewünschter Arbeitszeit

Es gibt ein bei Ärztinnen und Ärzten in der Klinik eine große Diskrepanz zwischen tatsächlicher und gewünschter Arbeitszeit. Dies zeigt die Mitgliederbefragung des Marburger Bundes „MB-Monitor 2019“.

Ein Großteil der Ärztinnen und Ärzte (41 %) arbeitet 49 bis 59 Stunden in der Woche inklusive aller Dienste und Überstunden. Mehr als ein Fünftel (22 %) gibt an, 60 bis 80 Stunden pro Woche im Einsatz zu sein. 36 Prozent der Befragten haben eine tatsächliche Wochenarbeitszeit von weniger als 49 Stunden.

Die Antwort auf die Frage nach der bevorzugten Wochenarbeitszeit offenbart eine große Kluft zwischen Wunsch und Wirklichkeit. Denn eigentlich wünschen sich mehr als 90 Prozent der Befragten eine durchschnittliche Wochenarbeitszeit von maximal 48 Stunden inklusive aller Dienste und Überstunden. Nur 9 Prozent bevorzugen eine Wochenarbeitszeit von durchschnittlich mehr als 48 Stunden.

Etwa ein Viertel der Ärztinnen und Ärzte hat sich für eine Reduzierung ihrer tarifvertraglich vorgesehenen, regelmäßigen Wochenarbeitszeit entschieden: 26 Prozent geben an, einen Teilzeitvertrag zu haben; 74 Prozent sind Vollzeitkräfte.

Damit setzt sich ein Trend fort, der in zurückliegenden Mitgliederbefragungen des Marburger Bundes zu beobachten war: Vor sechs Jahren, im MB-Monitor 2013, gaben 15 Prozent der Befragten an, in Teilzeit beschäftigt zu sein. Im MB-Monitor 2017 waren es schon 24 Prozent. Die nochmalige Steigerung dieses Teilzeitanteils untermauert den Wunsch vieler Ärztinnen und Ärzte, neben dem Beruf mehr Zeit für Privatleben und Familie zu haben.

Die meisten der Teilzeittätigen (59 %) vereinbaren mit ihrem Arbeitgeber eine regelmäßige Wochenarbeitszeit zwischen 30 und 39 Stunden. Vorgesehen ist nach dem Tarifvertrag für Ärzte in kommunalen Krankenhäusern eine Wochenarbeitszeit von 40 Stunden; in Unikliniken liegt sie bei 42 Stunden. Die Verringerung der tariflichen Wochenarbeitszeit um etwa 8 oder 10 Stunden ist mithin die einzige Möglichkeit, regelmäßig mindestens einen freien Tag in der Woche zu haben. Diese private „Arbeitszeitreform“ ist ein Indiz dafür, dass die Krankenhäuser zu wenig in eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben investieren.
Planbarkeit und Verlässlichkeit bei der Arbeitszeitgestaltung, wie sie der Marburger Bund in der aktuellen Tarifrunde mit den Ländern fordert, würde die Arbeitszufriedenheit der Klinikärzte deutlich erhöhen.