OP-Checkliste bald Pflicht bei Eingriffen mit mehreren Ärzten oder mit Sedierung

von Rechtsanwalt Tim Hesse, Kanzlei am Ärztehaus, Dortmund, www.kanzlei-am-aerztehaus.de

Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) hat am 17. Dezember 2015 eine sektorenübergreifende Qualitätsmanagement-Richtlinie beschlossen . Die Richtlinie gilt nun für Arzt- und Zahnarztpraxen sowie für Kliniken gleichermaßen. Sie fasst somit die drei bisher bestehenden Berichtssysteme zusammen. Neu ist z. B., dass eine OP-Checkliste geführt werden muss bei operativen Eingriffen, bei denen mindestens zwei Ärzte beteiligt sind oder bei denen eine Sedierung stattfindet. Die Richtlinie wird derzeit noch vom Ministerium geprüft und ist daher noch nicht in Kraft.  „OP-Checkliste bald Pflicht bei Eingriffen mit mehreren Ärzten oder mit Sedierung“ weiterlesen

Prof. Dr. med. Alexander Schachtrupp: „Jeder Oberarzt ist eine Führungsfigur“

Die fachliche Qualität der Oberärzte ist meist sehr gut. Doch bei den „Soft Skills“ sieht es manchmal anders aus. Wie also gelingt es Oberärzten, Gespräche souverän zu führen, neue Prozesse zu implementieren und die Assistenzärzte in ihrer Abteilung überzeugend anzuleiten? OH Oberarzt heute sprach mit Prof. Dr. Alexander Schachtrupp. Er ist Geschäftsführer der B.Braun-Stiftung, die ein spezielles Programm für Ärzte eingerichtet hat, um diese „Skills“ zu trainieren. Das Interview führte Dr. Lars Blady. „Prof. Dr. med. Alexander Schachtrupp: „Jeder Oberarzt ist eine Führungsfigur““ weiterlesen

Vom Facharzt zum Oberarzt: Wann sind die Kriterien nach dem TV-Ärzte erfüllt?

von Marc Rumpenhorst, Fachanwalt für Arbeits- und für Medizinrecht,Klostermann pp., Bochum, www.klostermann-rae.de

Während der vorige Beitrag beleuchtet hat, wann ein Oberarzt tarifrechtlich zum leitenden Oberarzt wird, geht es jetzt um eine Entgeltstufe tiefer: Wann hat der Facharzt (Entgeltgruppe II) einen Anspruch, zum Oberarzt (Gruppe III) aufzusteigen? Der Oberarzt leistet in der Klinik häufig die ärztliche Kärrnerarbeit. Allerdings ist der Schritt vom Facharzt zum Oberarzt ein beträchtlicher Sprung, legt man die vom Bundesarbeitsgericht (BAG) ausgelegten Tarifmerkmale zugrunde.  „Vom Facharzt zum Oberarzt: Wann sind die Kriterien nach dem TV-Ärzte erfüllt?“ weiterlesen

Leitender Oberarzt: Es kann nur einen geben …

von Marc Rumpenhorst, Fachanwalt für Arbeits- und für Medizinrecht, Klostermann pp., Bochum, www.klostermann-rae.de

Oberärzte sind in Kliniken der leistungsstarke Mittelbau des ärzt-lichen Dienstes. Sie sind sowohl in der Patientenversorgung als auch bei der Weiterbildung unersetzlich. Durch die zunehmende Spezialisierung in der Medizin, die in einer Person gar nicht vereinigt werden kann, werden Oberärzte zur tragenden Säule in der Struktur der Krankenhausabteilung. Auch formal haben Oberärzte nun vielfach eine herausgehobene Stellung – etwa als „leitender Oberarzt“. Dieser wird tariflich höher gruppiert als andere Oberärzte. Wann aber ist man tatsächlich „leitender Oberarzt“?  „Leitender Oberarzt: Es kann nur einen geben …“ weiterlesen

Ambulante Versorgungen belasten die Notaufnahmen

Die klinische Notfallmedizin in Deutschland leidet an Unterfinanzierung und anderen strukturellen Defiziten. Prof. Dr. Christoph Dodt, Präsident der Deutschen Gesellschaft Interdisziplinäre Notfall- und Akutmedizin (DGINA), leitet die Notaufnahme am Krankenhaus München-Bogenhausen. Er hat Ideen erarbeitet, die Probleme zu lösen – bei optimaler Patientenversorgung. Nun sind politische Entscheidungen gefragt. Mit Professor Dodt sprach OH-Autor Bernd Hein, Fachjournalist Gesundheitswesen. 
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Mathematik im Operationssaal soll OP-Management verbessern

Bessere Operationsergebnisse, kürzere Wartezeiten für die Patienten, reibungslosere Operationen, geringere Kosten für Krankenhäuser: Das sind die Ziele des Projekts IBOSS (Information-Based Optimization of Surgery Schedules). Mithilfe moderner mathematischer Verfahren will eine Gruppe von Mathematikern der Universität Paderborn, der Freien Universität Berlin und des Zuse Instituts Berlin gemeinsam mit der Berliner Charité Operationspläne optimieren. „Mathematik im Operationssaal soll OP-Management verbessern“ weiterlesen

„Kleiner“ Fehler mit großer Auswirkung

Im Arzthaftungsprozess hängt der Ausgang oft entscheidend davon ab, welche Partei ihre Behauptungen beweisen kann. Es gibt aber einige Ausnahmen von dem geltenden Grundsatz, dass der Arzt „nur“ für die erfolgte Aufklärung beweisen muss, der Patient hingegen den Behandlungsfehler, den eingetretenen Schaden sowie die kausale Verknüpfung zwischen Fehler und Schaden. Rosemarie Sailer, Fachanwältin für Medizinrecht, löst einen typischen Fall, der im Krankenhaus spielt. |

Der Fall

Der Chefarzt der Urologie hatte bei einem Patienten eine Laserresektion der Prostata durchgeführt und dabei versehentlich dessen Harnröhre verletzt. Intraoperativ fiel die Komplikation jedoch nicht auf. Auch nachdem der Patient wenige Tage nach dem Eingriff über Beschwerden klagte, wurde keine weitergehende bildgebende Diagnostik betrieben. Die auffälligen Laborwerte wurden mit einer in diesen Fällen nicht unüblichen Harnwegsinfektion erklärt und der Patient entsprechend antibiotisch versorgt. Die Läsion der Harnröhre wurde erst später in einem anderen Krankenhaus entdeckt. In der Folge musste bei ihm die Prostata entfernt werden. Wegen der gesundheitlichen Schädigungen verlangt der Patient im nachfolgenden Arzthaftungsprozess Schadenersatz und Schmerzensgeld.

Die Entscheidung

Im Verfahren stellte der gerichtlich bestellte Sachverständige fest, dass direkt nach dem Eingriff aufgrund der Beschwerden des Patienten sowie des auffälligen Labors eine bildgebende Diagnostik zur weiteren Abklärung hätte erfolgen müssen. Zwar wertete er die Verletzung der Harnröhre als schicksalhafte Komplikation; das Unterlassen der weiteren Diagnostik stelle jedoch einen Befunderhebungsfehler dar. Da sich bei der gebotenen Befunderhebung mit großer Wahrscheinlichkeit ein reaktionspflichtiger Befund ergeben hätte – die Beschädigung der Harnröhre -, qualifizierte das zuständige Gericht auf Grundlage des Sachverständigengutachtens die unterbliebene Befunderhebung nicht nur als einfachen, sondern als groben Behandlungsfehler.

Wichtig | Wird im Arzthaftungsprozess ein grober Behandlungsfehler festgestellt, führt dies zu einer Beweiserleichterung für den Patienten. In diesem Fall muss er lediglich den Behandlungsfehler sowie die eingetretenen Schäden, nicht aber die kausale Verknüpfung zwischen Fehler und Schaden beweisen. Es wird daher vermutet, dass die Schäden gerade aufgrund des Fehlers eingetreten sind.

FAZIT | Im vorliegenden Fall dreht sich die Beweislast um, sodass der Arzt nachweisen muss, dass die Schäden des Patienten gerade nicht auf der unterbliebenen Befunderhebung und entsprechend verzögerten Behandlung beruhen. Da dieser Nachweis meist schwierig zu führen ist, besteht ein erhebliches Risiko, den Prozess zu verlieren. Auch vermeintlich kleine Fehler und Unterlassungen können daher durch die prozessuale Einordnung erhebliche Wirkungen haben.

Drohen Ärzten hohe Schmerzensgeldforderungen bei misslungener Nothilfe in US-Flugzeugen?

von Rosemarie Sailer, LL.M., Fachanwältin für Medizinrecht, Wienke & Becker – Köln, www.kanzlei-wbk.de

Amerika ist das Land der unbegrenzten Möglichkeiten – dies zeigt sich auch bei der astronomischen Höhe der Schmerzensgelder. Nicht selten werden für das Verbrühen mit Kaffee oder eine misslungene Operation Entschädigungen in Millionenhöhe fällig. In der Regel berührt dies den in Deutschland tätigen Arzt nicht. Was passiert aber, wenn ein Arzt im Flugzeug einer US-amerikanischen Airline tätig wird – etwa bei einem Notfall an Bord? Haften ein deutscher Arzt bzw. eine deutsche oder europäische Versicherung, wenn dabei etwas schiefgeht?  „Drohen Ärzten hohe Schmerzensgeldforderungen bei misslungener Nothilfe in US-Flugzeugen?“ weiterlesen

BSG-Urteil lässt aufhorchen: Oberarzt-Ermächtigung bald nur noch mit „Facharztfilter“?

von Dr. Tobias Scholl-Eickmann, Fachanwalt für Medizinrecht, und Rechtsanwalt Benedikt Büchling, Dortmund, kanzlei-am-aerztehaus.de

 Wird es Ermächtigungen für Ober- und Chefärzte bald nur noch mit der Einschränkung geben, dass jeweils bestimmte Facharztgruppen an sie überweisen dürfen? Eine Entscheidung des Bundessozialgerichts (BSG) weist diesen Weg: Es hat die Zulässigkeit solcher „Facharztfilter“ bestätigt und den Zulassungsgremien hierbei einen weiten Spielraum zugebilligt ( Urteil vom 17.2.2016, Az. B 6 KA 6/15 ). Im BSG-Fall ging es um ein sozialpädiatrisches Zentrum (SPZ), das Urteil dürfte jedoch auf Ermächtigungen von Klinikärzten übertragbar sein.  „BSG-Urteil lässt aufhorchen: Oberarzt-Ermächtigung bald nur noch mit „Facharztfilter“?“ weiterlesen